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Wachstum allein reicht nicht aus

Meine Meinung Wachstum allein reicht nicht aus

Ein neues Gewerbegebiet am Flughafen, mehr Bauplätze im Weiherfeld, ungezählte Container für Schulen, ein neues Bad, sprudelnde Gewerbesteuern: Langenhagen wächst zweifellos in vielen Bereichen – und diese Entwicklung kann der Rat durchaus positiv für sich verbuchen. Es bleibt ein Aber.

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Der alte Rat hinterlässt seinem Nachfolger etliche Baustellen in Langenhagen.

Quelle: Symbolbild

Langenhagen. Denn bei vielen Wählern und Politikern stellt sich keine echte Zufriedenheit ein, weil an vielen Stellen inzwischen ein Stillstand droht, an anderen sich wachsende Bereiche wechselseitig behindern.

Fast als erste Entscheidung der neuen Wahlperiode stellte der Rat im November 2011 die Weichen für zwei Großprojekte: Die Politiker sprachen sich für ein neues Gewerbegebiet am Flughafen aus, und sie befürworteten – mehrheitlich – den Bau des umstrittenen Bades an der Theodor-Heuss-Straße auf der Grundlage eines Fragebogens. In anderen Kommunen würden solche Entscheidungen zu einer (Stadt)-Marketingoffensive führen, in Langenhagen folgen nach solch wichtigen Beschlüssen meist weitere Debatten ohne klares Ziel.

Darin schlägt sich immer wieder nieder, dass den Politikern ein Gesamtkonzept fehlt, für die Ansiedlung von Unternehmen ebenso wie für die Entwicklung der Schullandschaft oder den Wohnungsbau. Dieses zu entwickeln hätte in der Hand der Fraktionen, Gruppen und Einzelratsmitglieder gelegen, deren Zusammensetzung nicht unbedingt konstant war. Zu oft aber verloren sich die Politiker in den Sitzungen in Streitigkeiten, prägten Misstrauen und persönliche Anfeindungen die Debatten. Wer so agiert, muss sich nicht wundern, wenn am Ende der große Wurf ausbleibt.

Dabei findet Langenhagen als Stadt mit ihrer Infrastruktur nach wie vor viele Unternehmen, die sich ansiedeln möchten. Als bestes Beispiel dient neben dem Gewerbegebiet am Flughafen die Nürnberger Straße. Doch auch die Angestellten und Arbeitnehmer können sich zunehmend vorstellen, hier ihren Lebensmittelpunkt zu gestalten – wenn es genügend Bauplätze oder Wohnraum gäbe, bezahlbar, versteht sich. Derzeit drehen sich viele Kräne im Stadtgebiet. Doch diese Wohnungen sind für viele Alteingesessene, aber auch Neubürger kaum als Eigentum oder Miete zu finanzieren.

Der Unmut wächst an dieser Stelle, und dieses Wachstum kann Langenhagen wirklich nicht gebrauchen. Nun schnell neue Fläche auszuweisen und Bauprojekte zu genehmigen ist indes keine Lösung. Denn wie so oft bedingt eine Entscheidung eine andere: Wer junge Familien in die Stadt holt, muss ihnen Kita und Schule mit ausreichender Betreuung bieten.

Diese sprichwörtliche Baustelle hinterlässt der Rat dem nachfolgenden Gremium, das gut beraten ist, jenseits aller persönlichen Befindlichkeiten und Wünsche einen Masterplan für diese Stadt zu entwickeln und umzusetzen. Ja, es wird Widerstände geben gegen einzelne Entscheidungen. Aber: Ein Rat hat nicht die Einzelinteressen zu berücksichtigen, sondern die Interessen der ganzen Stadt.

Wie es funktionieren kann, haben Rat und Verwaltung bei der Unterbringung der Flüchtlinge gezeigt. Noch bevor die Flüchtlingswelle die Region erreichte, nannte Bürgermeister Mirko Heuer im März 2015 dieses Thema als wichtigstes des Jahres. Er behielt recht und entwickelte mit seinen Mitarbeitern, den Politikern, vor allem aber den Langenhagenern ein Konzept – gegen einzelne, massive Widerstände – aber mit breitem Konsens über Fraktionsgrenzen hinweg. Eine solch konstruktive Zusammenarbeit haben die Stadt und ihre Menschen auf allen Baustellen, sichtbar oder symbolisch, vom neuen Rat verdient. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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Von Redakteur Antje Bismark

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