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Zitterpartie ums Bad

Langenhagen Zitterpartie ums Bad

Die Betreibergesellschaft des Hallenfreibads kämpft ums Überleben. Die beteiligten Vereine hatten den Geschäftsführer in der Nacht zu Dienstag aufgefordert, Insolvenz zu beantragen. Dieser lud jedoch für Dienstagabend nun eine Fachanwältin und die Gesellschafter zur außerordentlichen Sitzung ein.

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Ohne Vorwarnung hatten die Betreiber den Verkauf der Mehrfachkarten gestoppt. Ob das auch schon mit der nun beantragten Insolvenz zu tun hat, ist unklar.

Quelle: privat

Godshorn. „Hätten wir die Daten, Fakten und Zahlen vor einem oder eineinhalb Jahren gekannt, hätten wir das abwenden können. Aber so bleibt uns keine andere Wahl.“ Torsten Semmler, Vorsitzender der DLRG-Langenhagen, findet am Dienstagmorgen noch klare Worte. Stefan Otte, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft für das Hallenfreibad Godshorn, sei Montagabend von den Gesellschaftern aufgefordert worden, für die GmbH Insolvenz anzumelden. In einer Krisensitzung am Dienstagabend wollten die acht beteiligten Vereine, so Semmler, diesen Beschluss noch einmal bestätigen und weitere Schritte mit Otte besprechen. Dieser widersetzte sich jedoch am Dienstag der Aufforderung und lud für die Sitzung eine „Fachanwältin für Insolvenzrecht ein, um bis zur letzten Minute zu kämpfen“, wie Otte dieser Zeitung sagte. „Das ist legitim und mein gutes Recht.“ Ob das Verfahren tatsächlich beantragt werde, ergänzte Semmler am Nachmittag, werde die abendliche Krisensitzung zeigen.

Was genau die Gesellschaft, die 1999 das Hallenfreibad von der Stadt als Pächterin übernommen hatte, in Schieflage gebracht hat, kann Semmler derzeit nicht sagen. „Wir müssen die Zahlen extern prüfen lassen.“ Dabei gehe es auch um die Frage, ob beispielsweise die Eintrittspreise nicht schon längst hätten erhöht werden müssen, um die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens gewährleisten zu können.

Die Gesellschafter waren laut Semmler Anfang des Jahres unruhig geworden, weil Otte ihnen nicht ausreichend Zahlenmaterial übergeben habe. Er sei daraufhin aufgefordert worden, nachzulegen. Für April wurde eine außerordentliche Gesellschafterversammlung einberufen. „Wir kennen diese Zahlen erst seit fünf Monaten“, sagt Semmler, selbst Wirtschaftswissenschaftler. Spätestens nach der Sitzung der Gesellschafter am vergangenen Freitag sei allen klar geworden, „dass uns die Hände gebunden sind“. Alle kurzfristig umsetzbaren Aktionen, wie eine Erhöhung der Eintrittspreise, reichten womöglich akut für eine Rettung nicht mehr aus. „Wir dürfen uns als Gesellschafter nicht der Insolvenzverschleppung schuldig machen.“

Im Frühsommer war Otte auf Druck der Gesellschafter mit der Bitte um Unterstützung auf die Stadt zugegangen. Dabei sei der Stadt, wie es heißt, exakt ein Blatt mit Zahlen übergeben worden. Am Sonntag hatte Otte aktualisierte und noch einmal verschlechterte Bilanzzahlen an die Stadt gesandt, die aufgrund rathausinterner technischer Schwierigkeiten an den Verwaltungsausschuss und die Fraktionsvorsitzenden erst am Montagabend weitergeleitet werden konnten.

Semmler benennt als derzeit wahrscheinliche Ursache für die finanzielle Schieflage schlicht „Mangel an betriebswirtschaftlichen Kenntnissen“ bei der Führung der Gesellschaft. „Man muss seine Zahlen regelmäßig im Blick behalten und gegensteuern, wenn man merkt, dass vielleicht Betriebskosten steigen“, sagt er. Schon früher hätte die Gesellschaft womöglich auch bei der Zahl der Mitarbeiter reagieren müssen. Derzeit sind drei städtische Angestellte im Hallenfreibad tätig, deren Gehalt die Bad-GmbH an die Stadt erstattet. Hinzu kommt rund ein Dutzend Mitarbeiter, das direkt bei der Gesellschaft angestellt ist.

Otte, betont Semmler, habe viel Gutes für das Bad getan. „Und es lief ja auch lange Zeit gut.“ Zur Eigenverantwortung der Gesellschafter räumt Semmler ein: „Wir hätten viel früher Druck machen müssen. Wir haben uns verhalten wie die Friseure und nicht wie Geschäftspartner.“ Die von den Vereinen geleistete Einlage von insgesamt 27 500 Euro müsse abgeschrieben werden. „Das ist für jeden von uns noch einmal ein Verlust.“

Sondersitzung des Rates?

Welche Möglichkeiten der Stadt jetzt bleiben, soll nun ein Fachanwalt für Insolvenzrecht aufzeigen. Ein kurzfristiger Beschluss zur finanziellen Unterstützung und etwaigen Änderung des Betriebsführungsvertrages zwischen Stadt und GmbH konnte am Montag mangels ausreichender Informationen nicht vom Rat gefasst werden. Die Stadt dürfe in keinem Fall, sagt Stadträtin Monika Gotzes-Karrasch am Dienstag, Geld in ein Unternehmen stecken, dessen Fortbestehen nicht zweifelsfrei garantiert sei - eine Einschätzung, die auch Ratspolitiker teilen. Bislang hat die Stadt laut Vertrag kein Recht auf Einblick in die Bilanzzahlen.

Sofern es der Stadt gelingt, so schnell einen Fachanwalt zu gewinnen, soll der Rat am Montag zu einer außerordentlichen nichtöffentlichen Sitzung zusammen kommen. Davon unabhängig führt die Stadt bereits Gespräche, um zumindest einen Notbetrieb für die Schulen und Vereine sicherzustellen. "Wir haben bei der GMF angefragt, ob sie gegebenenfalls die technische Leitung übernehmen könnte", sagte Bürgermeister Mirko Heuer am Dienstag auf Nachfrage. Da die GMF bereits die Betriebsleitung für das neue Schwimmbad in der Kernstadt eingestellt habe, könnte dies gelingen. "Sofern das rechtlich möglich ist."

Die Stadt hatte das Gelände und die Gebäude 1999 den Vereinen verpachtet. Ein Gutachten hatte seinerzeit der Stadt empfohlen, sowohl Godshorn als auch das Hallenbad in der Kernstadt zu schließen und eines neu zu bauen. Die schwimmtreibenden Vereine hatten daraufhin Godshorn in Eigenregie mit einem jährlichen Zuschuss durch die Stadt von zuletzt 562.000 Euro weiterbetrieben. Die Stadt, so Heuer am Dienstag, habe bei "besonderen Gründen" ein Sonderkündigungsrecht für diese Vereinbarung. Den Zuschuss zahlt die Stadt derzeit aufgeteilt auf Quartale, die nächste Rate wäre demnach am 1. Oktober fällig. Denkbar sei nun auch, diese auf monatlich umzustellen.

Von Rebekka Neander

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