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Kein Ausgang für Giganten in Sicht

Langenhagen Kein Ausgang für Giganten in Sicht

Die Türen mögen abgeschlossen sein, doch bis zum endgültigen Stillstand im Godshorner Hallenfreibad werden noch Wochen vergehen. Nicht nur müssen diverse Hebel und Rädchen abmontiert werden. Vor allem aber verlangen fünf gigantische Filterkessel nach einem Ausgang. Wo der sein könnte, weiß niemand.

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Die 800 Kubikmeter Wasser aus dem Hallenbecken sind bereits abgelassen worden.

Quelle: Neander

Godshorn. 1000 Kilogramm Aktivkohle. Und das mal fünf. Mit diesen dürren Zahlen lässt sich das Herzstück umschreiben, das bislang für Jubel und Trubel im Godshorner Schwimmwasser sorgte. Bei Licht betrachtet sind es jedoch fünf schwimmbadblaue Stahlkessel unter dem Hallenbecken. Sie bildeten bis vor kurzem die Filteranlage, über die das Wasser in den Becken drinnen wie draußen aufbereitet wurde. Dass sie im Dunkeln stehen ohne jeden Jubel oder Trubel, ist seit Bau des Schwimmbades Ende der 1970-er Jahre nichts Neues. Vielmehr stehen sie schon so lange da unten, dass heute niemand sagen kann, wie sie einst dorthin gelangt sein könnten.

Stefan Otte zuckt mit den Schultern. Der Bau des Bades spielt eindeutig vor seiner Zeit als Geschäftsführer der Betreibergesellschaft. Und auch Harald Hänigsen und sein Kollege Jürgen Lützkendorf aus der städtischen Gebäudeverwaltung sowie Karsten Langner aus der Hochbauabteilung blicken an diesem Morgen beim gemeinsamen Rundgang respektvoll an den Kolossen hoch. Dass das Bad einst um sie herum gebaut worden sein mag, schließt jetzt niemand mehr aus. Durch die Tür passen sie jedenfalls nicht.

Anderes ist dagegen schon weg. Seit Ende vergangener Woche sind alle beweglichen Teile, durch die Chlorgas dem Wasser zugeführt wurde, fachgerecht abgebaut und abtransportiert. Gefüllt wird derzeit eigentlich nur der Terminkalender Ottes: Mit Besuchsanfragen umliegender Schwimmbadbetreiber oder Fitness-Studios. Die einen wollen die Schlösser der Spinte ausbauen, die anderen haben Interesse an den Haartrocknern. Und selbst die Pumpen der Filterkessel sind noch so einsatztüchtig, dass sich für sie schon Interessenten gemeldet haben.

Auf ihren Abtransport warten auch bereits ordentlich fertig gepackte Gitterboxen mit den Schwimm-Utensilien der Schulen und Vereine. Lediglich die Tore der Wasserballer sind schon drüben im neuen Schwimmbad in der Kernstadt. In Godshorn fand sich so richtig kein Plätzchen zum Warten. Und in der Wasserwelt werden sie gleich am ersten Öffnungstag regulär zum Einsatz kommen. Wie in Godshorn werden die Wasserballer auch an der Theodor-Heuss-Straße künftig montagabends trainieren. So merkwürdig es klingen mag, dies aus dem Mund des Geschäftsführers Otte zu hören, während er sichtbar schweren Herzens durch sein altes Bad führt, doch auf diesen ersten Trainingsabend freut sich der Wasserballer Otte dann doch.

Jahrzehntelanger Betrieb, angesichts des verabredeten Endes zwar mit "Fingerspitzengefühl" (Otte), aber ohne Aussicht auf Ersatz gefahren, hat in Godshorns Katakomben rost-blühende Spuren hinterlassen. Ein langer Riss im Schwimmerbecken ist großflächig verspachtelt. "Ansonsten aber ist hier eigentlich alles gut in Schuss", bemerkt Otte beim Vorbeigehen. Damit dies so bleibt bis zur offiziellen Übergabe an die eigentliche Eigentümerin, die Stadt Langenhagen, laufen derzeit im Hallenkomplex noch Lüftung und Heizung. "Statt der 30 Grad Innentemperatur halten wir es jetzt bei etwa 16 Grad", berichtet Otte. Es sei ja unklar, wie lange genau es noch brauchen werde, bis das Gebäude abgerissen wird. Und welche politischen Beschlüsse davor noch getroffen werden müssen. Zwar ist am Ende des Bades nichts mehr zu rütteln. Doch auch den städtischen Mitarbeitern ist an diesem Morgen nicht ganz klar, ob nicht der Abriss selbst in seinen finanziellen Dimensionen vielleicht erst nach einem politischen Beschluss ausgeschrieben werden darf.

Bis dahin müht sich Otte um eine korrekte Abwicklung. Übergabe, so ein loser Plan, solle vor der Eröffnung der Wasserwelt an diesem Wochenende sein. Aber so richtig perfekt gelingen will dies nicht. Doch dafür kann Otte nichts. Einbrecher sind vor wenigen Tagen nachts eingestiegen und haben das Fenster zur ehemaligen Schwimmmeister-Bude des Freibades aufgebrochen. Mehr als Schaden haben sie nicht hinterlassen, mitzunehmen gab es ja nichts mehr. Die herausgerissenen Rollladen zeugen von sinnlosem Walten, und was der Eimer mit blauem Lack im Schwimmerbecken draußen verloren hat, vermögen wahrscheinlich noch nicht einmal die Täter selbst zu erklären. An diesem Anblick wird sich nun lange nichts ändern. Während die rund 800 Kubikmeter Wasser langsam aus dem Hallenbecken über mehrere Tage hinweg abgelassen worden sind, bleibt das Wasser in den Außenbecken stehen. Das Wasser hält den nötigen Gegendruck, damit der Druck von Boden und Grundwasser nicht die Beckenwände eindrückt.

Eigentlich sieht sich Otte gut im Plan. Alle technischen Einzelheiten sind mit der Stadt angesprochen. Und gemeinsam nähern sich alle Beteiligten nun einem geregelten Ende des Bades an. "Von uns hat noch niemand ein Schwimmbad geschlossen", hält es Hänigsen fest. Beim Vorübergehen fällt dann der Blick auf eine der Glasvitrinen. Darin diverse einst stolz errungene Pokale. An sie haben offenkundig noch nicht genügend Menschen gedacht. Otte seufzt. "Dann muss ich wohl nochmal eine Mail schreiben." Bevor die Bagger kommen. 

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