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UPS: Gewerkschafter wollen in Betriebsrat

Langenhagen UPS: Gewerkschafter wollen in Betriebsrat

Die Gewerkschafter Fritz Wilke und Ralf Laufer kämpfen seit Jahren für bessere Arbeitsbedingungen beim ihrem Arbeitgeber, dem Paketdienst UPS, in Langenhagen. Am Montag und Dienstag stehen Neuwahlen des Betriebsrates an.

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Die Verdi-Liste "Frischer Wind" wirbt bei UPS in Langenhagen um Stimmen.

Quelle: Priesemann

Langenhagen. Nachdem das Landesarbeitsgericht die letzten Betriebsratswahlen beim Depot im Rehkamp für ungültig erklärt hat, hoffen sie nun bei den anberaumten Neuwahlen am Montag und Dienstag mit ihrer Verdi-Liste "Frischer Wind" in das Gremium einzuziehen. Mit einem Infostand sowie kostenlosen Würstchen, Getränken und kleinen Geschenken warb das Duo am vergangenen Dienstag mit mehreren Mitstreitern vor dem Paketzentrum um Stimmen.

Nach knapp drei Stunden kam allerdings der erste Frust auf. Das Ordnungsamt der Stadt Langenhagen tauchte am angemeldeten Wahlkampfstand der Verdi-Liste auf. Der Sicherheitsdienst von UPS hätte sie gerufen, der Pavillon behindere die Sicht auf die Ein- und Ausfahrt zum Paketzentrum. "Das passt für uns ins Bild, das sind die typischen Einschüchterungen", sagte Laufer später dieser Zeitung. Das Ordnungsamt sah keinen Handlungsdruck und fuhr ungetanener Dinge wieder davon - ein kleiner Erfolg für die Gewerkschaftler.

Den viel größeren Sieg hatten sie zuvor vor Gericht erzielt. Vor drei Jahren waren sie nach den Betriebsratswahlen vor das Arbeitsgericht in Hannover gezogen. Der Vorwurf: Der Wahlvorstand hatte im Vorfeld ungenügend informiert. Nach einem eineinhalbjährigen Rechtsstreit gaben die Richter der kritischen Liste von Opponenten Recht. Der aus Sicht von Verdi arbeitergebernahe UPS-Betriebsrat ging daraufhin in Berufung, doch auch das Landgericht hatte eine ähnliche Auffassung wie die untergeordnete Ebene. "Es wurden wesentliche Wahlvorschriften missachtet", sagte Christoph Feldmann, der beim Verdi-Bezirk Leine-Weser für Logistik zuständig ist, auf Nachfrage. UPS weist die Schuld von sich: Vergangene Auseinandersetzungen beträfen den von der 1000-köpfigen Belegschaft eingesetzten Wahlvorstand.

Ein Defizit sei gewesen, dass auf die Wahl hinweisende, englischsprachige Aushänge für ausländische Mitarbeiter gefehlt hätten, so Laufer. "Im Hub, dort wo die Fahrzeuge ent- und beladen werden, arbeiten rund 80 bis 90 Prozent ausländische Beschäftigte", erklärte er. Vor Gericht habe UPS immer wieder betont, im Betrieb werde Deutsch gesprochen, sagte Laufer. Dies sei in der Realität allerdings nicht so. Auch als am Dienstag die Beschäftigten der Spätschicht am Verdi-Wahlkampfstand vorbeikamen, wurde hauptsächlich auf Englisch kommuniziert. Die kritische Liste hatte für ihren Stand extra einen Mitarbeiter mit Migrationshintergrund abgestellt, um gezielt die ausländischen Mitarbeiter zu informieren.

Geht nun bei dieser Wahl alles fair zu? Wilke, für seine Gewerkschaftstätigkeit vom Betrieb freigestellt, erkennt gezielte Einschüchterungen durch den Paketzusteller. Ein Plakat sei abgehängt worden, über unbequeme Mitarbeiter, insbesondere die Kandidaten für den Betriebsrat, würden falsche Geschichten verbreitet. Er und Laufer hätten schon mehrere Abmahnungen ihres Arbeitgebers vor Gericht abwehren müssen.

UPS betont über einen Dienstleister aus Düsseldorf, der die Pressearbeit für den Paketdienst übernimmt, dass das Unternehmen sich mit Blick auf die anstehenden Betriebsratswahlen "neutral" verhalte. "UPS ist sehr an einer sachlichen und professionellen Zusammenarbeit mit den Mitarbeitervertretungen in seinen Betrieben gelegen", heißt es in der Mitteilung. Mit der Gewerkschaft Verdi pflege das Unternehmen einen "langjährigen und konstruktiven" Austausch.  

Sollten die Gewerkschafter tatsächlich gewählt werden, dann wollen sie unter anderem die 17-Stunden-Wochenverträge bekämpfen. "Für uns stellt das einen Verstoß gegen das Teilzeit- und Befristigungsgesetz dar", erklärte Feldkamp. Obwohl mehr Arbeit da sei, würden die Beschäftigten für eine geringere Stundenzahl angestellt. Die restlichen Aufgaben würden mit bezahlten Überstunden erledigt. "Das ist ein prima Druckmittel, man kann die Leute einfach wieder auf einen geringeren Stundensatz runterfahren", erklärt Feldmann. Der Gewerkschaftssekretär räumt aber ein, dass es in dieser Frage bei UPS zuletzt Verbesserungen gegeben habe.

Und noch was steht auf dem Spiel. Sollte es die Verdi-Liste in den Betriebsrat schaffen, dann könnte sie es zukünftig auch in das Bundesgremium schaffen. "Dann wären wir in der Lage, die Arbeitsbedingungen grundlegend zu verbessern", sagte Laufer.

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Von Sascha Priesemann

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