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Brexit: Enttäuschung in Godshorn

Langenhagen Brexit: Enttäuschung in Godshorn

Bereits um 7 Uhr morgens saß Aubyn Graham vor dem Fernseher - und kam von dort bis Mittag nicht mehr weg. "Ich bin vom EU-Austritt Großbritanniens enttäuscht und schockiert", sagt der ehemalige Bürgermeister von Southwark, der englischen Partnerstadt von Langenhagen, zum sogenannten Brexit.

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Birgit Naeschke und Aubyn Graham verfolgen gespannt die Nachrichten, hier die Rede von EU-Gegner Boris Johnson.  p

Quelle: Stephan Hartung

Godshorn. Graham ist derzeit für zehn Tage zu Besuch in Godshorn bei der Familie Naeschke, zu der eine Freundschaft besteht. Birgit Naeschke engagiert sich seit 1998 um die Partnerschaft zwischen den beiden Städten und den Austausch zwischen Unternehmen, Schulen, Wirtschaftsverbänden und Künstler.

"Wir haben am Vorabend noch lange gesprochen. Da war Aubyn noch recht optimistisch, dass es keinen EU-Austritt geben wird", berichtet Naeschke. Sie war selbst vor rund 14 Tagen in London - und hat dort eine andere Stimmung erlebt. "Es gab viele große Plakate für den Austritt. Ich habe aber keine Werbung für den Verbleib in der EU gesehen." Auch in den Medien herrschte nach ihrer Auffassung eine antieuropäische Stimmung. "Viele Zeitungen sind in der Hand von Rupert Murdoch. Der ist als Konservativer bekannt", sagt Naeschke.

Aubyn Graham kann es immer noch nicht fassen. "Ich habe mit vielen Leuten in den vergangenen Tagen telefoniert. Alle waren optimistisch. Ich kann nicht verstehen, wie das passieren konnte. Allein in Southwark gab es nach einer Umfrage 74 Prozent Zustimmung zur EU", sagt Graham, der selbst 40 Jahre im Rat von Southwark agiert hat und schriftlich für einen Verbleib in der EU gestimmt hat. Als lange Zeit politisch aktive Person denkt er bereits über die Zukunft nach. "Es ist jetzt kein United Kingdom mehr. Vielleicht sehen wir bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro zum letzten Mal eine gemeinsame Mannschaft."

Graham glaubt sogar, dass das Referendum vom Donnerstag nicht die letzte Volksabstimmung war. "Ich erwarte, dass jetzt Schottland, wo eine klare Zustimmung zur EU herrschte, unabhängig werden will - und darüber nun abstimmt."

Gegen Mittag schaffte Graham dann übrigens das, was man gewöhnlich früh morgens macht - wenn man nicht sofort zum Fernseher rennt. Er rasierte sich. Dabei schnitt er sich fürchterlich ins Kinn, musste daher etwa 30 Minuten mit einem Taschentuch die weitere Berichterstattung verfolgen. "Ich bin demnach doppelt verletzt: innerlich und äußerlich."

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Birgit Naeschke und Aubyn Graham verfolgen gespannt die Nachrichten, hier die Rede von EU-Gegner Boris Johnson. 

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Quelle: Stephan Hartung

Von Stephan Hartung

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