Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Willi Minne tritt im September ab

Langenhagen Willi Minne tritt im September ab

Dieser Streit war einer zuviel: Willi Minne will nicht wieder Ortsbürgermeister in Godshorn werden. Nach 15 Jahren im Amt kandidiert er im September nur noch für den Rat der Stadt. Die persönlichen Anwürfe in der Debatte um Flüchtlings-Unterkünfte hätten ihn menschlich zu tief enttäuscht.

Voriger Artikel
KSG beginnt mit dem Bau von 26 Wohnungen
Nächster Artikel
Im Schleudergang durch die Welt der Comedy

Godshorns Ortsbürgermeister Willi Minne tritt nach 15 Jahren nicht mehr zur Wahl an. Der Streit um Flüchtlingsunterkünfte hat ihn menschlich zu tief enttäuscht.

Quelle: Neander

Godshorn. Von seinem eigentlichen Traum ist an diesem Vormittag nichts mehr zu hören. Den 50. Geburtstag der Partnerschaft mit dem französischen Le Trait wolle er als Ortsbürgermeister von Godshorn im Mai 2017 schon noch feiern, sagte Minne vor wenigen Monaten noch bei der Eröffnung der renovierten Verwaltungsnebenstelle. Das alles aber scheint nicht mehr wichtig. Zu tief sitzt die Enttäuschung.

Anlass für Minnes Rückzug aus dem Ortsrat seines Heimatdorfes sind die beiden jüngsten Sitzungen des Gremiums, in denen es um neue Unterkünfte für Geflüchtete ging. Dass es deswegen Auseinandersetzungen geben könnte, hat Minne nicht überrascht. Doch die Art und Tiefe der persönlich gegen ihn geäußerten Anwürfe "haben mich menschlich enttäuscht". Andeutungen zu Grundstücksgeschäften nennt Minne "infam", zumal dabei seine Familiehineingezogen worden sei. "Ich besitze in Godshorn lediglich das Grundstück, auf dem unser Haus steht." Eine weitere, verpachtete Wiese liege im Südharz. "Auch der Vorwurf, ich hätte mich mehr auf mein Amt als stellvertretender Bürgermeister Langenhagens konzentriert, schmerzt." Beide Ämter habe er gleichermaßen ernst genommen.

Bereits nach der ersten, überaus kontrovers verlaufenen Ortsratssitzung seien ihm erste Zweifel gekommen, ob er sich - nach mehreren Eingriffen am Herzen - diesem Stress weiter aussetzen solle. "Doch nach der zweiten Sitzung dieser Art hat auch meine Familie klar gesagt, es müsse ein Ende haben." Er habe sich natürlich gefragt, wem er mit dieser Entscheidung nun das Feld überlasse. "Aber ich kann einfach nicht mehr."

Minne zeigt sich konkret sehr getroffen auch vom Parteiaustritt des früheren Ortsbürgermeisters Detlef Euscher. "Ich hatte ihm die Drucksache zu den neuen Unterkünften schon früh persönlich vorbeigebracht, damit er sich damit beschäftigen kann", sagte Minne jetzt im Gespräch mit dieser Zeitung. "Anstatt danach direkt mit mir noch einmal das Gespräch zu suchen, hat er sein Parteibuch und das seiner Frau bei nächster Gelegenheit der SPD-Fraktion bei deren Ortsbesichtigung in die Hand gedrückt."

Als "guter Demokrat" werde er bis zum Ende der Amtszeit im November als Ortsbürgermeister sich für Godshorn einsetzen. "Und ich werde im Rat gegen das Grundstück Am Moore als Unterkunftsstandort stimmen, weil ich dagegen bin und zu meinem Statement stehe."

Am Dienstag, 19. April, wird Willi Minne im Ortsrat dazu Stellung nehmen. Beginn der Sitzung ist um 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus.

Entsetzen über Verfall der Streitkultur

Langenhagens SPD-Chef Marco Brunotte bedauert den Rückzug von Willi Minne aus dem Ortsrat, auch wenn "ich die Beweggründe verstehen kann". Dass kurz vor Minne jedoch bereits die CDU-Ratsfrau Gesine Saft aus durchaus ähnlichen Gründen ihren kompletten Rückzug aus der Kommunalpolitik angekündigte hatte, stimmt Brunotte "nachdenklich". "Es zeigt, dass wir überlegen müssen, wie wir weiter miteinander umgehen grundsätzlich." Brunotte beklagt eine "Ruppigkeit" und ein "kritisches Umfeld, das sich nicht mehr auf Argumente einlassen will". Es existiere kein Zuhören mehr und kein aufeinander Zugehen. "Auf allen Ebenen erleben wir eine Verrohung im Umgang."

In den 15 Jahren seiner Amtsführung habe Willi Minne Spuren hinterlassen in Godshorn, betont Brunotte. "Und in den 30 Jahren, in denen er Kommunalpolitik nun macht, hat sich Willi Minne hohe Verdienste um die Demokratie erworben." Für den bevorstehenden Wahlkampf wünscht sich Brunotte einen "Schulterschluss der demokratisch gewählten Vertreter", um den erfolgten "Dammbruch" trotz aller Widrigkeiten wieder stopfen zu können. "Vielleicht können wir ein Gentleman's Agreement im Rat treffen, wie wir im Wahlkampf miteinander umgehen wollen."

Bei der CDU-Langenhagen trifft dieser Vorstoß durchaus auf Gegenliebe. "Wir könnten uns darauf verständigen", sagte der Stadtverbands-Vorsitzende Reinhard Grabowsky auf Nachfrage, "welche Themen sich für den Wahlkampf eignen und welche eben nicht." So hält Grabowsky eben genau die Flüchtlingsdebatte für ein ungeeignetes Thema. "Das ist etwas, dem wir uns alle grundsätzlich und gemeinsam stellen müssen."

Wie es in Godshorn nun weitergeht, entscheidet sich bis Ende Mai. Die ursprüngliche Planung, bis Ende April die Kandidatenlisten für Godshorn zu präsentieren, sei nach Minnes Entscheidung um einen Monat auf den letztmöglichen Termin vertagt worden. Minne selbst zeigt sich zuversichtlich. "Das wird eine gute Liste werden mit tollen jungen Leuten."

Von Rebekka Neander

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
Schulzentrum Langenhagen

Nahezu vollständig müssen das Gymnasium und ein Teil der IGS abgerissen und neu gebaut werden, weil der Brandschutz nicht gewährleistet ist. Mehr zum Schulzentrum Langenhagen lesen Sie hier. mehr