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Große Koalition in Langenhagen?

Langenhagen Große Koalition in Langenhagen?

Die SPD bleibt in Langenhagen stärkste Kraft, muss sich aber neue Mehrheiten suchen. Für Rot-Grün reicht es nicht mehr. Die AfD zieht aus dem Stand gleich mit fünf Kandidaten in den Rat. Nach stundenlanger Zitterpartie steht weit nach Mitternacht fest: Alle neun Gruppierungen haben es geschafft.

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SPD-Fraktionschef Marc Köhler (von links, SPD) diskutiert mit Bürgermeister Mirko Heuer und Langenhagens SPD-Chef Marco Brunotte den Wahlverlauf.

Quelle: Neander

Langenhagen. Marc Köhler klingt am späten Abend zwar wahrlich nicht begeistert. Der SPD-Mann aber versteht sich zu trösten: "Wir sind mit Abstand weiterhin stärkste Partei im Rat. An uns kommt keiner vorbei." Dass die SPD stellenweise deutliche Verluste zu verbuchen hat, erwähnt Köhler zwar nicht. Gleichwohl gibt er einer Fortsetzung der bisherigen Koalition mit den Grünen keine Chance mehr. Ob die Schnittmengen mit der CDU für eine neue Koalition ausreichen, müsse man nun in Ruhe prüfen. "Im übrigen ist es nun Aufgabe des Bürgermeisters, sich Mehrheiten zu organisieren." Auch die Christdemokraten und die Grünen mussten am Wahlabend deutliche Verluste akzeptieren. Die BBL erreicht wie 2011 drei Mandate.

Während die Ergebnisse für die AfD auf dem Großbildschirm im Ratssaal im Laufe des Abends weiter stiegen, waren Achim Hinz und sein Sohn Marc bereits nach Hause gegangen. Die beiden Kernstädter hatten dort zuvor für die AfD noch die Auszählung verfolgt. Auf telefonische Nachfrage, wie er sich den Erfolg aus dem Stand erklären kann, tippte Marc Hinz auf "Unzufriedenheit mit der Bundesregierung - die Menschen haben uns wohl nicht gewählt, weil wir in Langenhagen bislang schon so viel Tolles geleistet hätten". Gleichwohl betonte Hinz, für Langenhagen ein eigenes Wahlprogramm vorbereitet zu haben. Am Ende werden wohl alle fünf AfD-Kandidaten in den Rat einziehen.

Für die meisten anderen Kandidaten geriet der Wahlabend zur langen Zitterpartie. Die Unabhängigen um den bisherigen Einzelratsherrn Wilfried O. Behrens und die Wählergemeinschaft Alternative für Langenhagen mussten bis weit nach Mitternacht annehmen, dass sie den Einzug in den Rat aller Wahrscheinlichkeit knapp nicht schaffen würden. Erst die Auszählung der allerletzten drei Wahlbezirke schaffte Klarheit: Beide sind mit je einem Sitz im Rat vertreten.

Der Erfolg der AfD hinterlässt vor allem bei den Vertretern der neuen kleineren politischen Gruppierungen großen Frust, die sich auf örtlicher Ebene stark engagiert hatten. "Die AfD hat sich für keinen einzigen Ortsrat aufstellen lassen!" war schnell im Rathausinnenhof hörbar erzürnt zu vernehmen.

Die Wahlbeteiligung lag am Ende bei knapp 50 Prozent. Das ist eine leichte Steigerung im Vergleich zur Kommunalwahl 2011 mit seinerzeit rund 47 Prozent. Ein besonderes Gefälle zeigt sich dabei zwischen Kernstadt und den Ortsteilen. Während im Stadtzentrum deutlich weniger Menschen zur Wahl gegangen sind, lag die Wahlbeteiligung in den Ortschaften spürbar höher.

Die Auszählung hatte länger gedauert als noch 2011. Während es bei der letzten Kommunalwahl noch 52 Wahlbezirke gegeben hatte, waren an diesem Sonntag in Langenhagen insgesamt nur 40 geöffnet. Die Stadt hatte die Zahl bereits 2014 zur Bürgermeisterwahl mangels Wahlhelfer reduzieren müssen. Deutlich verzögert wurde das Endergebnis auch für die Region durch einen Zählfehler in einem der Wahlbezirke in der Langenhagener Kernstadt. Dort mussten alle Wahlzettel bis nach Mitternacht komplett neu ausgezählt werden.

Selten war der Langenhagener Wahlkampf so sehr geprägt von deutlich lokalen Themen: Der Schulstandort Zellerie hat ebenso Politikneulinge in den Ring gelockt wie der Zuschlag für die Sanierungsgebiete. Ähnliches war in Engelbostel nach langem Streit um das Baugebiet Dorfstraße zu beobachten. Noch einmal Bewegung in den Wahlkampf brachte auf den letzten Metern auch die neu aufgeflammte Diskussion um einen Erhalt zumindest des Freibades in Godshorn.Ohne Finanzierungskonzept hatten bis auf die SPD alle politischen Mitbewerber einen Fortbestand nicht mehr ausgeschlossen – und den gegenteiligen, mit deutlicher Mehrheit gefassten Ratsbeschluss von 2012 in die Geschichtsbücher verwiesen.

Die Wahlbeteiligung lag im Verlauf des Tages durchaus hoch. In Godshorn zählten die Helfer bis zum Mittag stellenweise das Dreifache im Vergleich zu 2011. Auch in den anderen Ortsteilen standen die Wahlberechtigten zeitweise bis auf den Flur Schlange, um ihre Stimme abzugeben.

Nicht wenige machten ihre Kreuze gleich am frühen Morgen, bevor sie den Spätsommertag für einen Ausflug nutzten. In den Wahllokalen der Friedrich-Ebert-Schule, berichtete Bürgermeister Mirko Heuer am Abend, hätten viele Bürger noch kurz vor Toreschluss ihre Chance zur Mitbestimmung genutzt. Er hoffe, dass es vor 18 Uhr noch alle rechtzeitig ins Wahllokal geschafft hätten.

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Von Rebekka Neander

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