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Neuer Platz für das Gymnasium?

Langenhagen Neuer Platz für das Gymnasium?

Für den Neubau des Schulzentrums zeichnet sich eine Wende ab: Weil beim Verbleib beider Schulen an der Konrad-Adenauer-Straße mit einer Bauzeit von rund neun Jahren zu rechnen ist, deutet sich der Umzug des Gymnasiums an die Rennbahn an. Damit könnte die Bauzeit mehr als halbiert werden.

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Bis zum Ende der Sommerpause sollen Politik und Schulen darüber beraten, ob das Gymnasium an einem neuen Standort neu gebaut werden soll.

Quelle: HAZ

Langenhagen. Das Ingenieurbüro Constrata rechnet mit einer reinen Bauzeit von mehr als neun Jahren, wollen Gymnasium und Integrierte Gesamtschule beide am bisherigen Standort bleiben. Nicht eingerechnet sind dabei Planungs- und vorbereitende Verfahrenszeiten. Diese Botschaft hat das Büro jetzt der Lenkungsgruppe zum Schulneubau überbracht, verbunden allerdings mit gleich mehreren Alternativvorschlägen.

Bis zum Ende der Sommerpause sollen nun alle Beteiligten der Lenkungsgruppe, die aus Vertretern der Schulen, Eltern, Politik und Verwaltung besteht, über dieses 100 Seiten starke erste Gutachten beraten. Die ersten Reaktionen im Rathaus wie auch in den Schulen zeichnen jedoch einen ersten, deutlichen Richtungsentscheid ab: Ein Verbleib erscheint vor allem den Schulleitern als nicht zielführend. "Ich bin inzwischen eindeutig für einen Auszug des Gymnasiums", sagte dessen Rektor, Matthias Brautlecht, auf Nachfrage dieser Zeitung. "Ich kann mein Team nur bei der Stange halten, wenn wir möglichst zügig die enorme Belastung aller Beteiligten beenden können."

Bedeutsam ist diese Wende besonders für die Politik. Die rotgrüne Mehrheitskoalition im Rat hatte in diesem Frühjahr der Stadt als "Orientierung" vorgegeben, den Um- und Neubau beider Schulen am Standort umzusetzen. Mehr noch: Auch die Stadtbibliothek sollte dort neu platziert werden. Zudem soll eine neue Veranstaltungssporthalle den bisherigen Standort an der Robert-Koch-Realschule entlasten.

Constrata schlägt in Absprache mit der Stadt fünf mögliche Areale für das Gymnasium vor. Als Favorit zeichnet sich die Grünfläche an der Rennbahn ab, die bislang als Laien-Golfplatz genutzt worden ist. Das Grundstück wäre groß genug, befindet sich allerdings im Eigentum der Stadt Hannover. Ein Hindernis wäre dies nicht, heißt es im Rathaus.

Erste Gespräche mit der Landeshauptstadt und dem derzeitigen Pächter, dem Rennverein Hannover, seien positiv verlaufen. Politik und Schulen sollen bis zum Ende der Sommerpause über das Gutachten beraten, das über die Elternvertreter in die Klassen weitergeleitet werden soll. Die Verwaltungsspitze dringt auf mehrere Grundsatzentscheidungen noch vor der konstituierenden Sitzung eines neu zu wählenden Rates.

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Könnten beide Schulen bleiben?

Ja. Zumindest auf dem Papier. Constrata hat auf allein knapp 40 Seiten des Gutachtens mehrere Varianten durchgespielt, in welcher Abfolge ein Neubau beider Schulen gelingen könnte. Als klar zu erhaltende Gebäude werden dabei der D-Trakt sowie die benachbarte VHS genannt sowie die neue Mensa. Die Trakte E, F und G sowie die Sporthalle im Osten gelten als sanierungsfähig. Ein Neubau der Schulen würde sich vor allem auf der Fläche der klar abrissreifen Trakten A, B, C (samt angrenzender Aula) und H abspielen. Abzureißen sind zudem die Peko-Halle und die Turnhalle. Problematisch sind aus Sicht der Ingenieure dabei zwei Dinge: Der Schulcampus bliebe für allein neun Jahre eine Baustelle. Und diese läge wie ein Trennstrich zwischen den beiden nutzbaren Rest-Bauten. Die Wege für alle Beteiligten wären im Alltag sehr lang.

Warum soll das Gymnasium ausziehen?

Das Gymnasium ist derzeit am stärksten betroffen. Durch den Wegfall vor allem des H- und A-Traktes sind diverse Jahrgänge in Containern zum einen an der Friedrich-Ebert-Grundschule sowie auf dem Sportgelände im Osten untergebracht. Theoretisch könnte auch die Gesamtschule umziehen. Dies aber nur, wenn beide Schulen auf dem verbleibenden Campus die Räume tauschten. Der Koordinationsaufwand wäre entsprechend viel größer. Hinzu kommt: Das Gymnasium wird weniger Platz benötigen. Es wäre also leichter, für die künftig grundsätzlich siebenzügig konzipierte Schule eine Fläche zu finden. Die Gesamtschule soll in Zukunft achtzügig arbeiten können. Mit dieser Erweiterung beider Schulen reagiert die Stadt auf die jüngsten Prognosen zur Entwicklung der Schülerzahlen. Nach grober Schätzung könnte das Gymnasium bereits eineinhalb Jahre nach Baubeginn umziehen.

Welche Flächen stehen zur Verfügung?

Die Stadt hat fünf Flächen überprüfen lassen. Dazu zählt ein Streifen hinter der Grund- und Gesamtschule Langenhagen-Süd am Rande des Brinker Parks (25.400 Quadratmeter), das sogenannte Norta-Gelände der ehemaligen Tapetenfabrik an der Walsroder Straße (28.000 Quadratmeter), ein Grünstreifen nördlich der Leibnizstraße gegenüber dem Walter-Bettges-Stradion des SCL (23.200 Quadratmeter), die derzeit verwaiste Golf-Fläche zwischen Rennbahn und Theodor-Heuss-Straße (31.300 Quadratmeter) und die Rieselfelder am östlichen Rand des Stadtparks (16.200 beziehungsweise 26.500 Quadratmeter). Für jede Fläche nennt das Gutachten Vor- und Nachteile. Am Brinker Park gäbe es Synergieeffekte mit der benachbarten Grund- und Gesamtschule, dafür aber ist der schmale Zuschnitt ungünstig. Das Norta-Gelände ist derzeit belegt von einem alten Industriebau und bedürfte einer Ausnahmegenehmigung, da es im Siedlungsbeschränkungsbereich liegt. Günstig sei dagegen die gute Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr. Der Streifen nördlich der Leibnizstraße ist gut angebunden, zudem böte sich eine Mitnutzung der SCL-Sportanlagen an. Dafür aber ist eine Erschließung durch das Wohngebiet ungünstig. Die Grünfläche an der Rennbahn ist gut erschlossen, hat ein ruhiges und grünes Umfeld und liegt in erreichbarer Nähe des SCL. Einziger Nachteil: Eigentümer ist die Stadt Hannover. Die Rieselfelder sind gut erschlossen und liegen in ruhigem Umfeld. Zu beachten sei jedoch der Waldbestand, auch liegen keine Baurechte dort vor. Vor allem aber sei eine Bebauung der Grünflächen, wie es im Gutachten heißt, politisch nicht akzeptiert.

Warum bekommt die IGS nicht auch einen Neubau?

Sie bekommt ihn, wenn auch teilweise. Constrata schlägt dafür mehrere Stufenpläne vor. Als erstes müsse in jedem Fall östlich der Sporthalle die geplante neue Veranstaltungssporthalle inklusive eines Kulturparts gebaut werden. Gemeint ist damit die Stadtbibliothek, die derzeit Räume an der Schützenstraße gemietet hat. Im Anschluss könnten Peko-Halle und H-Trakt abgerissen werden. Auf diesem Freiraum, so eines der Szenarien, soll der zentrale, neue Baukörper der Gesamtschule entstehen. Nach einem Umzug der derzeit noch genutzten Trakte E, F und G könnten diese saniert und gegebenenfalls umgebaut werden. Constrata schlägt mehrere Formen eines neuen Baukörpers vor, darunter auch Modelle, die an die zu erhaltenden Trakte direkt anschließen. Gleichwohl betont das Gutachten sehr deutlich die Vorteile des nördlichen Hauptgebäudes: Mit maximal gut fünf Jahren Bauzeit zöge sich diese Variante zwar bis zu einem Jahr länger hin als ein Riegelbau, der mittig quer auf dem Bestandsareal liegt. Durch einen geringeren Bedarf an Containern wäre sie günstiger. Zudem könnte ein Campus gebildet werden und eine visuelle Öffnung zum Stadtpark.

Was kostet das Ganze?

Das wagt derzeit niemand zu sagen. Die einzigen konkreten Zahlen liegen vor für einen Vergleich zwischen der Sanierung der Trakte E, F und G und einem Abriss. Dabei kommt die Sanierung auf insgesamt rund 20 Millionen Euro, ein Neubau läge knapp 12 Millionen Euro höher. Nicht eingerechnet sind dabei etwaige Umbauten während der Sanierung. Denn aus pädagogischer Sicht entsprechen die Trakte E und F längst nicht mehr den Anforderungen einer Gesamtschule. Lediglich der G-Trakt, in dem die Werkräume untergebracht sind, liegt in seiner Gestaltung über dem, was im aktuellen "Standardraumprogramm der Stadt Hannover" vorgesehen ist. Eine grobe Schätzung der Gesamtkosten für das Schulzentrum bewegt sich um ein Vielfaches höher. In der Diskussion spielt dies aber derzeit nur eine untergeordnete Rolle. Viel zu sehr wird allseits die einmalige Chance betont, für die kommenden 50 Jahre eine entscheidende Weiche in Stadt- und Schulentwicklung zu stellen.

Was sagen die Schulen?

Die freuen sich, dass es voran geht, mahnen aber beide jetzt intern um Verständnis: Die sogenannte Phase O müsse mit Bedacht und Geduld genutzt werden, um die richtigen Entscheidungen auszuloten. Darin sind die Rektoren Timo Heiken für die IGS und Matthias Brautlecht für das Gymnasium einig. Inzwischen jedenfalls. "Wir fühlen uns von den Ingenieuren und Architekten gehört und ernst genommen", sagt Heiken dieser Zeitung. "Es ist vollkommen richtig, jetzt zeitnah und schnell alle Fakten zusammenzuführen und eine ehrliche und sachliche Diskussion zu führen", sagt Brautlecht. Die in einem Brief an die Eltern geäußerte Bitte, sie mögen ob des gefühlten Stillstandes ihren Unmut im Rathaus kundtun, hat Bürgermeister Heuer selbst im Schulelternrat für nichtig erklärt. Als gewählter Elternvertreter hatte er in dem Gremium selbst über die Zeitabläufe aus dem Gutachten zitiert. Brautlecht kann sich Heuer anschließen und ist auch mit der Trennung des Schulzentrums einverstanden. "Als wir vor Monaten noch erklärten, dass wir beide dort bleiben wollen, kannten wir nicht alle Fakten", sagte Brautlecht. "Die Belastung der Kollegen, die zwischen vier Standorten derzeit pendeln müssen, ist inzwischen viel deutlicher." Dies müsse so schnell wie möglich beendet werden. "Und der Auszug der Preis dafür ist, dann ist er die richtige Entscheidung." Die Fläche an der Rennbahn ist für ihn eindeutiger Favorit.

Was sagt die Politik?

Offiziell noch nicht viel. Einzig die BBL hat umgehend einen Antrag vorgelegt, nach dem allerdings beide Schulen an die Rennbahn umziehen sollen. Dies aber könnte wiederum sehr eng werden. Für das Gymnasium kalkuliert Constrata rund 25.500 Quadratmeter, für die Gesamtschule rund 28.850 Quadratmeter. Hinzu kommen jeweils Außensportanlagen und Verkehrsflächen. Bislang hat ein Ratsbeschluss Bestand, in dem der Verbleib beider Schulen am Standort vorgesehen ist. Sowohl SPD als auch die Grünen, mit deren Mehrheit der Beschluss verabschiedet worden war, geben sich aber angesichts der absehbaren Schwierigkeiten bei der Verwirklichung durchaus diskussionsbereit. Man wolle, was die Schulen wollen, heißt es bei den Grünen. "Wenn es am Standort nicht geht, müssen wir eben Alternativen prüfen", lässt sich der Chef der SPD-Langenhagen, Marco Brunotte, zitieren. Bei der Frage der Flächenauswahl liegt derzeit der entschiedene Wille vor allem bei SPD und Grünen vor, die Rieselfelder in keinem Fall zu bebauen. Die CDU zeigt sich dort offener.  

Wie geht es weiter?

Die Arbeitsgruppen der beiden Schulen kommen nach den Ferien wieder zusammen. Über ihre Elternvertreter soll das Gutachten an alle Interessenten multipliziert werden. Die Fraktionen der Parteien werden ebenfalls nach den Sommerferien über das Gutachten beraten. Die Verwaltungsspitze dringt auf zwei zeitnahe Grundsatzentscheidungen: Soll das Gymnasium umziehen? Und: Über welches Verfahren sollen der Architekt und das Planungsbüro ausgewählt werden? Das Auswahlverfahren dauert - in jedem Fall - noch einmal ein halbes Jahr. So dass mit einem Baubeginn so oder so nicht vor 2018 zu rechnen ist. Entscheiden soll in jedem Fall noch der aktuelle Rat der Stadt. Der neue Rat wird sich im November konstituieren.

Von Rebekka Neander

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