Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Jagau möchte Heimat pflegen

Langenhagen Jagau möchte Heimat pflegen

Er tritt in "große Fußstapfen", wie er selber sagt: Hans-Jürgen Jagau stellt sich im Juni im Rat als neuer Heimatpfleger zur Abstimmung. Er folgt dem 2012 verstorbenen Ernst-August Nebig, der über Jahrzehnte die Heimatgeschichte Langenhagens zum Zentrum seines Wirkens gemacht hatte.

Voriger Artikel
Das EM-Fieber ergreift den Balkon
Nächster Artikel
E-Autos müssen mehr Strecke machen können

Von Hause aus Gartenexperte mit einem Herzen für die Heimat: Hans-Jürgen Jagau möchte Langenhagens neuer Heimatpfleger werden.

Quelle: Neander

Langenhagen. Wer diesen Namen trägt, muss sich vielleicht auch einfach gut auskennen in seiner Heimat. Schon allein um Antworten parat zu haben: Nein, mit dem Regionspräsidenten oder dem Chef der Sparkasse Hannover sei er bestenfalls nur sehr weit entfernt verwandt. Aber - ja, die Ratsfrau gleichen Familiennamens, das sei sehr wohl seine Schwester. Hans-Jürgen Jagau kann man getrost einen zutiefst in Langenhagen verwurzelten Menschen bezeichnen. Seit seiner Geburt lebt er auf der "letzten Hofstelle Alt-Langenhagens" - "wo der Schweinestall zu Ende ist, beginnt Krähenwinkel". Dies auch in jener Zeit, als es ihn beruflich nach Hildesheim zog. "Wenn Sie einmal einen Blick auf den Hof geworfen haben, werden Sie verstehen, warum."

In der Tat hat es ihm der "Vollmeierhof Nr. 2" angetan. So sehr, dass er dessen Geschichte weit zurückverfolgt hat und daraus sogleich ein Buch hat werden lassen. 1557 ist der aufgrund seiner Größe und Funktion betitelte Hof erstmals dokumentiert. Damals taucht im sogenannten Türkensteuerregister Hermann Elerdes als Eigentümer auf. "Wir sind da ja erst seit 1893 ansässig", sagt Jagau und klingt dabei, als empfinde er sich als demütiger Gast.

Jagau, inzwischen 70-jährig, bezeichnet sich als "Universaldilettanten": Nach dem Studium des Gartenbaus mit einem Exkurs in dessen Geschichte spült es ihn schließlich als Leiter des Studienseminars nach Hildesheim. Dort freundet er sich an mit einem Agrarhistoriker. "Der hat mich angebrütet für dieses Thema." So verneint er, Fachmann für die Heimatgeschichte zu sein, nennt sich gleichwohl aber "mehr als einen gewöhnlichen Heimatforscher". Allein, wer seine inzwischen ebenfalls herausgegebenen Bücher "Fehden im 16. Jahrhundert - Geiselnahme, Brandstiftung und Pferdemord" als Beiträge zur Langenhagener Lokalgeschichte sowie "Schule in Langenhagen - Schulwege und Lebenswege" betrachtet, kann diese Einstufung sicherlich unterschreiben.

Auf die Idee, Nachfolger von Ernst-August Nebig zu werden, haben ihn die Leiterin des Stadtarchivs, Heike Brück-Winkelmann, und die Leiterin der Volkshochschule, Annette von Stieglitz, gebracht. Ihn reize die Aufgabe sehr. Internetaffin, wie er sich nennt, sieht er sein Wirken künftig auch als Vernetzung all jener Archive und Sammlungen, in denen die Spuren Langenhagens aufzufinden sind. Dabei wird sich seine Heimatgemeinde allerdings einfügen müssen zwischen all den anderen Aufgaben, denen sich der Ruheständler inzwischen verschrieben hat. So steht er der Teilnehmergemeinschaft des Flurbereinigungsverfahrens der Hannoverschen Moorgeest vor, dessen Abschluss er "bis 2022 noch hoffentlich miterleben werde". Zudem gehört er dem Vorstand der Kammermusikgemeinde Hannover an sowie dem Wasser- und Bodenverband Kaltenweider Moor. Den Vorstand des Kunstvereins Langenhagen hat Hans-Jürgen Jagau inzwischen verlassen.

Neue Leitlinien

Stadtarchiv und Volkshochschule haben gemeinsam neue Leitlinien aufgestellt für die Arbeit des Heimatpflegers. Darin sind nicht nur die formalen Grundlagen des Amtes umrissen (Berufung durch den Rat auf fünf Jahre im Ehrenamt mit einer jährlichen Aufwandsentschädigung von 100 Euro), sondern auch seine Rechte und Pflichten. So hat der Heimatpfleger auf Wunsch politischer Gremien über seine Arbeit zu berichten. Zudem wird ein jährlicher Bericht im Stadtarchiv hinterlegt. Der Stadtheimatpfleger hat das Recht, seine Arbeit in Ratsgremien vorzustellen, umgekehrt können Rat und Ortsräte den Heimatpfleger als sachkundige Person in ihre Beratungen einbeziehen. Als Aufgabenkatalog benennt das Papier unter anderem das Bemühen, "die Geschichte der Stadt nicht in Vergessenheit geraten zu lassen". Zudem soll er Interesse an der Stadt wecken und identitätsstiftend wirken. Überdies könne er in dem Netzwerk diverser heimatkundlich arbeitender Gruppen zwischen Haupt- und Ehrenamt vermitteln. In die Öffentlichkeit soll der Stadtheimatpfleger mit Vorträgen, Führungen oder Publikationen treten.

Termine

Im Bildungsausschuss am 9. Juni wird Heike Brück-Winkelmann die neuen Leitlinien vorstellen. Der Rat der Stadt wird Jagau, der sich seinerseits bereits im Bildungsausschuss vorgestellt hat, voraussichtlich in seiner Sitzung am 20. Juni offiziell als Heimatpfleger bestellen. 

Von Rebekka Neander

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
Schulzentrum Langenhagen

Nahezu vollständig müssen das Gymnasium und ein Teil der IGS abgerissen und neu gebaut werden, weil der Brandschutz nicht gewährleistet ist. Mehr zum Schulzentrum Langenhagen lesen Sie hier. mehr