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11,2 Tonnen Munition am Silbersee gefunden

Langenhagen 11,2 Tonnen Munition am Silbersee gefunden

11,2 Tonnen teils noch scharfe Munition sind im Uferbereich des Silbersees in Langenhagen gefunden und geborgen worden. Diese so brisante wie überraschende Bilanz ziehen Stadt und Kampfmittelbeseitigungsdienst nach einem Jahr der Sanierung. Am Donnerstag wurde das Ergebnis erstmals öffentlich präsentiert.

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Das einzige Bild, das der Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes zur Veröffentlichung freigegeben hat, zeigt eine Kiste mit Granatenteilen.

Quelle: Stadt Langenhagen

Langenhagen. "Ich kann damit ruhig schlafen." Bürgermeister Mirko Heuer meint das ernst. Knapp ein Jahr lang hat die Stadt durch Spezialfirmen sowie den Kampfmittelbeseitigungsdienst (KBD) des Landes den Uferbereich des Silbersees buchstäblich durchsieben lassen. Gemäß seiner Nutzung könne der See jetzt wieder zum Baden freigegeben werden, teilte Heuer jetzt mit.

Rund um den historischen Sprengplatz am Ostufer wurden seit April 2015 gut 10,5 Tonnen deutscher Munition gefunden. "Zu 90 Prozent aus dem Ersten Weltkrieg", sagte Marcus Rausch, Sprengmeister des KBD, jetzt dieser Zeitung. Überraschenderweise wurden aber auch 148 Teile (insgesamt knapp 610 Kilogramm) Munition aus den Beständen der Alliierten Streitkräfte geborgen. Hinzu kommen rund zwei Tonnen Metallschrott aus den vergangenen 120 Jahren. Nach Funden auch knapp außerhalb des seit 1995 aus Sicherheitsgründen eingezäunten Gebietes wurde das zu prüfende Areal zudem in Schritten letztlich fast vervierfacht auf gut 20.000 Quadratmeter. Es umfasste zunächst auch den Süd- sowie schließlich auch den West-Strand. Insgesamt rund 10.000 Kubikmeter Erdreich mussten in einer Separieranlage gesiebt werden. Rund 4000 Tonnen belasteten Bodens wurden letztlich in speziellen Deponien entsorgt. Der Stadtplanungs- und Umweltausschuss nahm die Präsentation der gesamten Arbeiten durch Birgit Karrasch vom Team Stadtgrün am Donnerstag ohne Diskussion zur Kenntnis.

"Die Stadt ist der Gefahr zweckmäßig und sinnvoll begegnet", sagte Rausch dieser Zeitung, "um das Naherholungsgebiet wieder sicherer zu machen." Gefunden wurde das, was schon seit Jahrzehnten rund um Hannover an Munition entdeckt worden sei. "Wir werden jedoch mit Sicherheit auch in Zukunft in dieser Region weitere Hinterlassenschaften finden", mahnte Rausch. "In jedem Fall gilt dann: Wer etwas findet, lässt es liegen und meldet den Fund umgehend an uns."

Ursprünglich sollten die Arbeiten rund um den Sprengplatz etwa vier Monate dauern. Durch die mehrfachen Erweiterungen dauerten die Bauarbeiten knapp elf Monate. Inzwischen sind die Arbeiter nur noch dabei, das Gelände zu begradigen, um den Silbersee für den Badebetrieb zu bereiten. Die Kosten für den Ost- und Südstrand von insgesamt 976.000 Euro übernimmt das Land mit einem Anteil von 55 Prozent. Den Rest sowie die Kosten für die Sanierung des Westufers von noch einmal rund 200.000 Euro zahlt die Stadt.

Dass so viele Munitionsreste, darunter auch scharfe Granaten, auch außerhalb des Zaunes gefunden wurden, war laut Karrasch für alle Beteiligten eine Überraschung. Bei ihren Nachforschungen in diversen Archiven habe sich herausgestellt, dass der Sprengplatz bereits Ende des 19. Jahrhunderts als Exerzierplatz diente. Die ältesten Funde - darunter ein Koppelschloss, ein Feuerlöscher und diverse Flaschen - seien um 1900 datiert. Zudem hätten aber wohl auch alliierte Streitkräfte ihre Munitionsreste nach Ende des Zweiten Weltkrieges einfach im See entsorgt.

Eine Gefahr für Badegäste bestand nach Einschätzung von Marcus Rausch "so wie sie überall besteht, wo in dieser Region schon seit Jahrzehnten immer wieder Munition gefunden worden ist." Gleichwohl macht Rausch aber der Stadt ausdrücklich ein Kompliment. "Die Stadt hat hier außerordentlich eine ganze Menge gemacht. Das muss man ihr wirklich zugute halten."

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Von Rebekka Neander

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