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Streit um das neue Schulzentrum

Langenhagen Streit um das neue Schulzentrum

Da helfen alle Gutachten nichts: Die Entscheidung zum Schulzentrum wird zur Machtprobe. Obwohl die CDU noch viele offene Fragen hat, wollen SPD und Grüne die Grundsatzentscheidung zum Standort des Gymnasiums noch im Oktober fällen. Doch zufrieden sind auch in der Koalition längst nicht alle.

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Wo das Gymnasium neu gebaut wird, bleibt offenbar noch länger eine ungeklärte Frage.

Quelle: Neander (Archiv)

Langenhagen. "Nach meiner Einschätzung müssen wir als erstes ein Verkehrsgutachten für alle Standorte anfertigen lassen. Erst dann können wir entscheiden, wo das Gymnasium neu gebaut werden kann." Damit bringt CDU-Fraktionschef Bernhard Döhner alle Zeitpläne ins Wanken. Bislang galt, der noch amtierende Rat werde über den Umzug des Gymnasiums befinden, um keine unnötige Verzögerung zu verursachen. "Es wurde soviel bereits vorgearbeitet seitens der Verwaltung. Ob der Beschluss jetzt im Oktober oder im Dezember fällt, ist dann nicht wirklich entscheidend."

Dieses Signal hat die CDU am Sonntag während eines ersten Sondierungsgesprächs zu möglichen Koalitionen der SPD überbracht. "Wir haben das Thema angerissen, aber noch nicht vertieft", sagte Döhner. Langenhagens SPD-Chef Marco Brunotte bestätigt dies. Doch Brunotte lässt durchblicken, dass Rot-Grün dem Wunsch der CDU auf Vertagen nicht nachkommen wird. Gleichwohl könne er sich vorstellen, dass man sich auf Zwischenschritte wie das angesprochene Verkehrsgutachten verständigen könne. "Aber wir müssen auch über Geld reden." Eine leichtfertige Entscheidung dürfe man darüber nicht fällen.

Laut Brunotte spricht im Interesse der Schulen alles für eine Entscheidung "innerhalb eines abgegrenzten Zeitraums". Die Stadt müsse zwingend sowohl im Stadtzentrum als auch an den anderen Standorten die Kapazitäten prüfen und dabei auch die Beeinträchtigungen des Stadtkerns durch eine Großbaustelle im Blick behalten. "Die Bauarbeiten im laufenden Betrieb einer Schule müssen möglichst zügig abgewickelt werden", betonte Brunotte.

Auch wenn öffentlich bei der SPD ein Verbleib des Gymnasiums am Standort Favorit zu sein scheint, zeigt sich die Stimmung hinter den Kulissen keineswegs einheitlich. Nicht alle können nachvollziehen, warum dem Wunsch der Schulen nach Standorttrennung nicht nachgegeben werden sollte.

Die Grünen hatten am vergangenen Mittwoch mit der SPD einen groben Fahrplan abgesprochen. "Wir halten sowohl den Verbleib im Stadtzentrum als auch einen Neubau an der Rennbahn für schlecht", sagt Grünen-Fraktionschef Dirk Musfeldt. Weil es für den Grünen-Vorschlag an der Leibnizstraße aber keine Mehrheit geben werde, "schließen wir uns in Abwägung auch der Bedenken der Schulen letztlich der SPD an". An der Rennbahn sind laut Musfeldt viel zu viele Risiken vom Baurecht bis zur Lärmbelästigung der Anwohner ungeklärt.

Trotz dieser am Mittwoch getroffenen Absprache hatte die SPD-Langenhagen für Freitag zu einem Bürgerdialog zum Schulzentrum eingeladen. Dort stießen die Politiker jedoch bei Vertretern auf Unverständnis für das Festhalten am Stadtzentrum für beide Schulen. Sicherheitsbelange, so hieß es später, seien vom Tisch gewischt worden. Auch das Misstrauen gegenüber dem vom Ingenieurbüro Constrata vorgelegten Gutachten, das die Grünfläche an der Rennbahn favorisiert, konnte nicht nachvollzogen werden.

Am Donnerstag, 29. September, beraten der Stadtplanungs- und der Bildungsausschuss gemeinsam über den möglichen Umzug des Gymnasiums. Die öffentliche Sitzung beginnt um 17.45 Uhr im Ratssaal. Zu Beginn und am Ende der Sitzung können Fragen an Politik und Verwaltung gestellt werden.

Kommentar: "Sprechen wir über Fakten"

Zwei erzürnte Schulleiter, auf den Barrikaden stehende Schüler und Eltern und ein Ingenieurbüro, das die Welt nicht mehr versteht. Misstrauen und Beratungsresistenz in der Debatte ums Schulzentrum hinterlassen einen Scherbenhaufen. Jetzt sind Fakten gefragt.

Eigentlich klingt die Frage ganz einfach: Warum sollen beide Schulen am bisherigen Standort bleiben?

Versuchen wir eine Antwort: Weil das die Idee der Stadtplaner war? War sie. Allerdings ist das 40 Jahre her. Einen Anschub braucht das Zentrum wahrlich nicht mehr. Vielmehr platzt es aus allen Nähten.

Weil die Schulen das so wollen? Ja, wollten sie. Solange man davon ausging, dass IGS und Gymnasium nicht weiter wachsen. Tun sie aber. Gleichzeitig soll es pro Schüler mehr Platz geben – weil Inklusion gelebt und nicht nur behauptet werden soll. Mittlerweile wollen die Schulen nicht mehr bleiben, wo sie sind. Und das liegt nicht nur an den neuen Schulleitern. Auch Wolfgang Kuschel, demnächst wieder für die SPD im Rat, hat seinen Nachfolger Timo Heiken bereits lange vor der Wahl darin bestärkt. Es wird spannend sein zu sehen, ob sich Kuschel daran im November noch erinnert.

Noch ein Argument, die Schulen zu lassen, wo sie sind: Weil ein Neubau andernorts teurer würde. Ob das aber so ist, weiß niemand. Es deutet sich eher an, dass langsameres Bauen am Standort in der Zwischenzeit die Kosten für Container nach oben treibt. Und: Eine zweite Mensa und eine neue Aula wird es auch an der Konrad-Adenauer-Straße brauchen. Beides ist schon jetzt zu klein oder abgängig. Und: Sollte man bleiben, wo man ist, weil ein neues Grundstück noch zu kaufen wäre? Nebenbei: Die zur Tabuzone erklärten Rieselfelder gehören der Stadt bereits.

Die Diskussion um Schulstandorte braucht jetzt vor allem zweierlei: Erstens belastbare Aussagen zur Anbindung an den ÖPNV für beide Standorte – denn auch an der Konrad-Adenauer-Straße ist nicht sicher, ob es auch in den nächsten Jahren genügend Busse pünktlich durch das Nadelöhr am Rathaus schaffen. Zweitens verlässliche Aussagen zur Bebaubarkeit der Rennbahnfläche. Nur mit diesen (noch fehlenden) Fakten könnte die eigentliche Frage beantwortet werden: Was treibt vor allem die SPD dazu, sich so vehement an den Standort zu klammern?

Ohne sie aber bleiben nur üble Befürchtungen. Nichts werde gegen die Schulen entschieden, hieß es noch wenige Wochen vor der Wahl. Man wolle die sogenannte 1b-Lösung mit dem Sportplatz im Park nur der Vollständigkeit halber prüfen lassen. Inzwischen wirkt das Gebaren mancher Politiker ganz anders. Die Expertise der Schulleiter selbst zu Sicherheitsbelangen der Kinder wird mit teils verletzender Arroganz vom Tisch gewischt, die Kompetenz der Ingenieure ehrabschneidend als „eingekauft“ abgetan. Gegen die, die in dieser Weise poltern, haben es jene Politiker schwer, die fachlich fundiert und faktenorientiert vorgehen.

Man kann Erstwähler so beeindrucken. Aber ob das weise ist?

Von Rebekka Neander

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