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Generalprobe für die Wasserwelt

Langenhagen Generalprobe für die Wasserwelt

Am Donnerstag wird es ernst: Dann werden die ersten Schüler durchs neue Schwimmbad toben. Allerdings nicht zum Spaß. Mit dieser Generalprobe wird unter anderem die Wasserqualität geprüft. Im technikbestückten Keller laufen derweil bereits alle Geräte auf Hochtouren.

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Damit kein Rohr auch keiner Leitung in die Quere kommt, werden vor Baubeginn solche Verläufe am Computer dreidimensional vorgeplant. Dass es dennoch zuweilen Kollisionspunkte gibt, gehört für die Experten zum Alltagsgeschäft. Dann wird im Akutfall umgeplant.

Quelle: Neander

Langenhagen. Die Becken sind dicht, die Heizung läuft, sogar der Wasserdruck für die große Rutsche ist schon perfekt eingestellt. Was könnte jetzt noch schiefgehen? So dramatisch würde sich Heike Basse dieser Tage natürlich nie äußern. Die GMF-Betriebsleiterin der neuen Wasserwelt lässt allerdings keinen Zweifel daran, dass ihr eine bestimmte Berufsgruppe aktuell besonders am Herzen liegt. "Derzeit werden die Kassensysteme programmiert, damit wir überhaupt Leute reinlassen können." Der Computer an sich sei ja erst einmal "doof", bis ihm jemand sagt, wer rein darf und wer nicht, merkt Basse an - und ergänzt sich einen Moment später: "Ach, die Schlüssel, die werden derzeit auch codiert."

Basse ist nicht die einzige mit langen Listen. Ihr zur Seite stehen an diesem Morgen auch buchstäblich Desdemona Hellbach, verantwortliche Ingenieurin im städtischen Eigenbetrieb Bad, und ihr Pendant auf GMF-Seite, der technische Leiter Jörk Heichert. Die Fragestellung des Morgens lautet kurz gefasst: "Wie schaltet man eigentlich ein Schwimmbad an?" Die Antwort nach dem gut einstündigen Rundgang durch die vielen Kellergänge könnte ebenso kurz lauten: "Mit gefühlt einer Million Hebel." 

Wer das Trio nach dem persönlich wichtigsten Schritt bei der Inbetriebnahme fragt, erhält einen Tag vor gut drei Wochen: "Als wir damit angefangen haben, Wasser ins Sportbecken zu lassen", halten Hellbach und Heichert nach kurzem Blickkontakt fest. Eine ganze Woche ging dafür ins Land. "Weil wir den Druck und die Temperatur nur langsam erhöhen durften", betont Heichert. Andernfalls riskierten die Techniker das Springen der Fliesen. Wem das langsam erscheint, hilft vielleicht ein anderer Vergleich: Denn die fünf Kubikmeter Wasser, die pro Stunde eine ganze Wochen lang ins Becken flossen, entsprechen immerhin 20 mittelgroßen Badewannen pro Stunde.

Seither hat sich das Bad-Team von Ost nach West vorgearbeitet: Eine Woche nach dem Sportbecken startete die Flutung des Sprung-, dann des Vario- und des Freizeitbeckens, bis nach dem Außen- als Letztes nun der Kinderbereich langsam mit Wasser gefüllt wird. Wie aufs Stichwort rennen mitten im Gespräch zwei überaus geschäftig wirkende Menschen durch die Runde. Sie werfen Hellbach nur zwei Stichworte und ein paar ernste Blicke zu. Offenbar lassen die Dichtungen der Kinderbecken-Leitungen noch etwas zu wünschen übrig. Hellbach seufzt. Katastrophen sehen offenbar anders aus. "Das gehört dazu in dieser Phase", hält sie kurz fest.

Der Keller, den die Ingenieurin Hellbach lachend ihre persönliche Wohlfühlzone nennt, ist an seiner Decke überzogen mit einem für den Laien schier endlosen, verwirrenden Geflecht von Rohren und Leitungen. Hellbach beeindruckt das eher überschaubar: "Das kann man dreidimensional am Computer zeichnen und damit mögliche Kollisionspunkte ausschließen." So weit, so vorstellbar. Hellbach macht eine kurze Pause und legt schmunzelnd nach: "Ich habe im Studium so etwas noch von Hand zeichnen müssen."

Heichert nutzt den Moment und guckt Klaus Neumann über die Schulter. Neumann, Mitarbeiter einer Firma für Steuerungselektronik, sitzt mit seinem kleinen tragbaren Computer vor einem imposanten Schaltschrank. Genauer: Vor einem von durchaus mehreren imposanten Schaltschränken, die über den weitläufigen Schwimmbadkeller verteilt sind. Stecker für Stecker prüft Neumann, ob das, was über diesen geschaltet wird, auch dem entspricht, was auf der Liste steht. Heichert muss das theoretisch auswendig wissen, zumindest in groben Zügen. Ein anspruchsvolles Unterfangen: "Ich habe in den letzten Tagen gelernt, wie der Fahrstuhl geschaltet wird, die Pumpe, die Wärme. Jetzt kommt noch die Wassertechnik und das Blockheizkraftwerk." Sein eigener Arbeitsspeicher, unkt Heichert mit einem Lachen, stoße da gerade zuweilen an seine Grenzen.

Zwischen all den Handwerks-Gewerken pirschen sich in diesen Tagen auch noch andere Gruppen mit berechtigtem Interesse bis in die buchstäblich letzte Ecke. "Wir haben hier so viele Stahlträger verbaut, dass ein normaler Funkempfang für die Feuerwehr beispielsweise kaum mehr möglich gewesen wäre", erläutert Heichert. Deshalb wurde eine Vielzahl von Signalverstärkern in den Gängen verbaut. "Die Feuerwehr war jetzt da und hat überprüft, ob sie auch wirklich überall Empfang hat", berichtet Basse - und schiebt nach: "Hat sie." Dass Stadt und GMF dabei auch an die Zukunft denken, möchte Basse besonders betonen: "Deshalb funktioniert das System sowohl mit der aktuellen Funktechnik als auch mit dem künftigen Digitalfunk."

Und weil all die Rechnerei an einem Punkt mal ins wirkliche Leben übersetzt werden muss, steht dem Team die eigentliche Generalprobe nun bevor: Am Donnerstag werden über acht Stunden hinweg jeweils 100 Kinder und Jugendliche zur selben Zeit im Dienste der Wissenschaft ihren Spaß in den Fluten haben. "Wir haben die IGS-Süd eingeladen, mit ihren Schülern der dritten bis zehnten Klassen verteilt über den Tag zum Baden zu kommen", berichtet Basse. Ein in jeder Hinsicht einmaliger Vorgang: "Wir prüfen an diesem Tag, ob die automatische Aufbereitung des Wasser über das programmierte Filtersystem auch richtig funktioniert", erläutert Hellbach. Die Versuchsanordnung beweist, Kompromisse macht kurz vor Toreöffnung niemand mehr. Die Kinder jedenfalls sollen sich vor dem Sprung ins Wasser diesmal ausnahmsweise nicht duschen.

Am Freitag dann wird es auch für die Firmen ernst. "Dann ist Bauabnahme und Übergabe an den Bauherrn", betont Hellbach. Die einzigen, die auch danach noch mit dem Segen der Stadt auf dem Gelände nicht fertig sein müssen, sind die Landschaftsgärtner. "Das Wetter war einfach zu schlecht in diesem Sommer", ergänzt Basse. "Auch die Elektriker sind dann noch hier unterwegs." Nein. Schiefgehen lassen will Basse jetzt wirklich jetzt nicht mehr. Wenn am Montag, 16. Oktober, um 6.30 Uhr die ersten Frühschwimmer ins Bad gelassen werden, besteht das Empfangskommitee nicht nur aus dem frisch eingestellten und bis in die Haarspitzen vorfreudigen Team, hält Basse fest. "Von jedem Gewerk, das für den Start wesentlich ist, wird ein Handwerker auch da sein, um im Zweifel sofort eingreifen zu können." Ja, die Jungs von der Kassentechnik gehören auch dazu.

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Von Redakteur Rebekka Neander

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