Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° Regenschauer

Navigation:
Flüchtlinge lotsen nun Kinder durch Verkehr

Langenhagen Flüchtlinge lotsen nun Kinder durch Verkehr

Das ist im Bereich der Polizeidirektion Hannover einmalig: Neun Flüchtlinge sind von Langenhagens Kontaktbeamten zu ehrenamtlichen Verkehrshelfern ausgebildet worden. Sie regeln ab sofort vor der Hermann-Löns-Grundschule den Verkehr - auch weil sich dafür dort keine freiwilligen Eltern gefunden haben.

Voriger Artikel
Falsche Polizisten bestehlen Seniorenpaar
Nächster Artikel
Ölige Hände statt blanker Nägel

Und sie können es sehr gut: Die Verkehrshelfer zeigen, was sie gelernt haben.

Quelle: Sven Warnecke

Langenhagen. Trotz noch fehlender deutscher Sprachkenntnisse klappt das schon sehr gut: "Kinder kommt", sagt einer der neuen Verkehrshelfer knapp, nachdem er zusammen mit seinem Kollegen die Niedersachsenstraße in Höhe des Zebrastreifens vor der Hermann-Löns-Schule mithilfe einer Kelle und ausgebreiteten Armen gut sichtbar für den Verkehr gesperrt hat. Die beiden gehören zu einer Gruppe von neun in Langenhagen lebenden Flüchtlingen, die sich für das Ehrenamt freiwillig gemeldet haben.

"Eigentlich regeln das die Schulen selbst - zumeist mit Schülern", berichtet Dirk Schell. Der Kontaktbeamte der Langenhagener Polizei hatte nicht nur die Idee für die Aktion, sondern hat diese auch gleich ausgearbeitet und die Verkehrshelfer ausgebildet. Er wird sie in den nächsten Tagen noch bei ihrer Tätigkeit begleiten.

Wer Schüler durch den Verkehr lotsen will, muss mindestens 13 Jahre alt sein, berichtet der Kontaktbeamte. "Das dürfte normalerweise an einer Grundschule schwierig werden, wenn alles normal laufe", meint Schell mit einem schelmischen Grinsen. Anderenorts, etwa in Kaltenweide, haben die Eltern den Verkehrshelfer-Dienst übernommen.

Doch an ihrer Schule sei das nicht gelungen, berichtet die Leiterin der Hermann-Löns-Schule, Petra Adolf, jetzt bei der Übergabe der Zertifikate. Doch mit Blick auf den steten Durchgangsverkehr vor der Schule sei "die Sicherheit unserer Kinder am wichtigsten". Deshalb sei sie über diese neuen freiwilligen Helfer und die Initiative der Polizei wirklich froh. "Und ich bin mir sicher, dass Sie das schaffen", sagte sie an die Adresse der Ehrenamtlichen.

Hemasiri Warnakulasooriya vom Langenhagener Integrationsbeirat, der bei der zweitägigen Ausbildung als Dolmetscher fungiert hatte, hob eine seiner Ansicht nach große Tugend der Deutschen hervor: die Pünktlichkeit. Die sei auch für die neuen Verkehrshelfer überaus wichtig, betont er mit Blick auf den pünktlichen Unterrichtsbeginn. Das habe er seinerzeit, als er in dieses Land kam, ebenfalls lernen müssen. Doch schwergefallen sei ihm das nicht.

Die Integrationsbeauftragte Justyna Scharlé dankte im Namen der Stadt, die Kooperationspartner für das Projekt ist, für das Engagement. Denn der ehrenamtliche Einsatz zeichne dieses Land aus, meint sie. Dieses Signal, sich als Flüchtling in der Stadt zu engagieren, sei richtig und wichtig. 

Langenhagens stellvertretender Polizeichef Rüdiger Vieglahn lobte nicht nur die neuen Verkehrshelfer, sondern auch die Initiative seines Kollegen Schell. Denn dieses Projekt dürfte im Bereich der Polizeidirektion einmalig sein, meint er.

Auf die Sprachbarriere angesprochen betont der so gelobte Kontaktbeamte, dass es für die Regelung des Verkehrs nicht vieler Worte bedarf. "Wenn ich als Polizist den Verkehr regele, fange ich auch nicht an zu reden", sagt er. "Denn sonst bekomme ich die Kreuzung nie frei."

Von Sven Warnecke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
Schulzentrum Langenhagen

Nahezu vollständig müssen das Gymnasium und ein Teil der IGS abgerissen und neu gebaut werden, weil der Brandschutz nicht gewährleistet ist. Mehr zum Schulzentrum Langenhagen lesen Sie hier. mehr