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„Jeder kann alles? - Quatsch!“

Langenhagen „Jeder kann alles? - Quatsch!“

Verdichtete Arbeit, überzogene Idealvorstellungen von Karriere, vom Erfolg der Kinder in der Schule, von der idealen Ehe: Das sind immer öfter Probleme, mit denen die Lebensberatungsstelle konfrontiert wird. Die Klienten suchen Rat, weil sie den Erwartungen nicht mehr standhalten.

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Blicken optimistisch in die Zukunft: Hans-Günter Schoppa (von links, Leiter der Lebensberatungsstelle), seine Stellvertreterin Martina Ücker, Bernd Buchholz (verantwortlich für die Trauerarbeit) und Superintendent Holger Grünjes. Neander

Quelle: Neander

Langenhagen. „Die Menschen sind einfach erschöpft“, umschreibt es Martina Ücker, stellvertretende Leiterin der Lebensberatungsstelle. Sie ist dort vor allem als Familientherapeutin tätig. „Egal, ob in Fragen der Erziehung um Rat gefragt wird, in der Beziehung oder aufgrund von Arbeitslosigkeit - überall schwingt Überforderung mit.“ Die Zahl der attestierten Burn-outs steige entsprechend. 501 Beratungsfälle gab es 2014.

Ücker macht dafür auch die fälschlicherweise propagierte Chancengleichheit verantwortlich. „Den Menschen wird eingeredet, jeder könne alles. Aber das ist Quatsch.“ Sehr wohl machten Unterschiede im Einkommen sich in der Fördermöglichkeit beispielsweise von Schülern bemerkbar.

Auch vor diesem Hintergrund freut sich Hans-Günter Schoppa, Leiter der Einrichtung an der Ostpassage, über die Fortschreibung eines Erfolgsmodells: der Kooperation zwischen dem Jobcenter und der Lebensberatungsstelle. Ende 2014 musste die Vereinbarung neu geschlossen werden. Sie ermöglicht auch künftig eine psychosoziale Betreuung von Langzeitarbeitslosen, wenn auch mit leicht veränderten Vorzeichen.

So bekommen Menschen, die über lange Zeit keine neue Arbeit finden und deshalb deutliche seelische Veränderungen zeigen, vom Jobcenter jetzt zunächst einen Gutschein über vier Beratungsbesuche - und damit einen Besuch mehr als zuvor. Sollte dies nicht ausreichen, gibt es danach eine Gutschrift über zehn Besuche. Neu ist, dass die bislang grundsätzlich mögliche Verlängerung um weitere fünf Besuche nur noch genehmigt wird, wenn die Beratungsstelle anhand ihrer erforderlichen Dokumentation nachweisen kann, dass die betroffene Person Bedarf an einer Psychotherapie zeigt. Grundsätzlich aber sind Schoppa und Ücker sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit mit dem Jobcenter. Gemeinsames Ziel sei, für die Betroffenen die Chancen zu erhöhen, auf dem Arbeitsmarkt wieder vermittelt zu werden. Für die Stärkung der Kooperation plant die Lebensberatungsstelle demnächst wieder ein Treffen mit den Mitarbeitern im Jobcenter.

Trauer nimmt sich ihre Zeit, wann sie will

Besonderes Augenmerk möchte die Lebensberatungsstelle auf ihre Arbeit mit Trauernden lenken. Geleitet wird die einmal pro Jahr startende Gruppe von Bernd Buchholz. Während die Gruppe in der Anfangszeit stark in der Teilnehmerzahl schwankte, hat sie sich inzwischen deutlich etabliert. Die acht möglichen Plätze sind immer belegt, Buchholz pflegt darüber hinaus eine Warteliste – aus guten Gründen. „Trauer braucht Zeit“, sagt der Diplom-Psychologe, der sich auf die Themen Angst und Trauer spezialisiert hat. Deshalb sei der Zutritt in eine Gruppe Trauernder direkt nach dem Verlust eines geliebten Partners oder Elternteils gar nicht so gut. „Die Probleme entstehen erst, wenn Menschen erkennen, dass Trauer auch lange nach dem Todesfall noch präsent ist.“

Doch dann, so Buchholz, fehle in der Umgebung oft das Verständnis für wieder fließende Tränen, für scheinbar grundlose Bestürzung. Wann die nächste Gruppe startet (zehn Treffen im Zwei-Wochen-Takt), kann Buchholz noch nicht sagen. Wohl aber ist er jederzeit ansprechbar. „Dann können wir klären, ob wir den Namen auf die Liste nehmen sollen oder ob ein Einzelgespräch sofort besser wäre.“ Zudem könne bei Bedarf auch ein Kontakt hergestellt werden zu anderen Trauer-Gruppen in der Umgebung. Bernd Buchholz ist erreichbar unter Telefon (0511) 723804 sowie unter www.lebensberatung-langenhagen.de im Internet oder unter Lebensberatung@kirche-langenhagen.de per E-Mail.

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