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Mr Schwimmbad geht für immer ins Archiv

Godshorn Mr Schwimmbad geht für immer ins Archiv

Schluss, aus, vorbei: Seit Sonntagnachmittag geht Jürgen Hameister höchstens noch privat ins Schwimmbad - nach 36 Jahren beendet er seine Arbeit am und im Becken mit Wehmut. Künftig arbeitet er ausschließlich im Stadtarchiv.

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Abschied vom Beckenrand nach 36 Jahren: Jürgen Hameister arbeitet künftig nur noch im Archiv.

Quelle: Bismark

Godshorn. Dass er den größten Teil seines Berufslebens am und im Wasser verbringen würde, hat der gebürtige Hannoveraner nicht geahnt. Vielmehr schloss er nach der Schule eine Ausbildung als Versicherungskaufmann ab. "Dann ging es zur Bundeswehr", sagt Hameister im Rückblick und fügt hinzu, schon zu dem Zeitpunkt habe er nicht mehr ins Büro zurückkehren wollen. "Irgendwas mit Menschen", so lautete das Ziel. Und weil Hameister als Kind und Jugendlicher viel Zeit bei der DLRG im Bad an der Goseriede verbracht hatte, bewarb er sich im Sommer 1980 für einen dreimonatigen Job als Schwimmmeister bei der Stadt Langenhagen.

Beiden Seiten gefiel die Zusammenarbeit, so dass der neue städtische Mitarbeiter dann im Januar 1981 mit der Umschulung zum Fachangestellten für Bäderbetrieb begann. "Seit damals hat sich viel geändert", sagt Hameister und meint damit nicht nur technische Neuerungen oder Regeln für den Badebetrieb. Denn im Rückblick erinnert er sich, dass die Schwimmmeister noch vor Jahren sehr autoritär am Beckenrand agieren mussten. "Gerade im Zentrums-Bad trafen sich damals immer wieder Cliquen unterschiedlicher Nationalitäten", sagt er. Wegen diverser Vorfälle gehörte der Sicherheitsdienst längst mit zum Erscheinungsbild der Anlage.

Dass über deren Fortbestand einmal mit einem Nein entschieden würde, daran habe in den 1980-er Jahren niemand gedacht. "Die Debatte begann kurz vor der Jahrtausendwende." Dann aber ging alles sehr schnell, und noch heute weiß Hameister jenes Datum, an dem er das Aus per Mikrofon verkündete: 12. Juli 2003. Damit alles auch in gute Hände kommt, übernahm er den Inventarverkauf. Seinerzeit gingen Mitarbeiter wie Politiker und Verwaltung davon aus, dass Hameister und seine Kollegen spätenstens drei Jahre später im La2O am Silbersee arbeiten würden.

Das La2O gehört zur Geschichte, das neue Bad entsteht bekanntermaßen an der Theodor-Heuss-Straße. Dort wird Mr Schwimmbad nicht mehr am Beckenrand stehen. "Ich habe das Angebot nicht angenommen", sagt er. Und so wird er seinen derzeitigen Winter-Job künftig ganzjährig ausüben und sich im Stadtarchiv die Fotos kategorisieren und digitalisieren. Die Zweiteilung des Arbeitsplatzes knüpfte sich an das Aus des Zentrums-Bads an. "Im Winter war ich im Archiv, im Sommer im Freibad", sagt Hameister.

Er schwärmt von der familiären Atmosphäre des Bades: "Manche Schwimmer kenne ich von Anfang an." Hier reiche ein lautes Wort bei Verstößen, dann funktioniere der Betrieb wieder reibungslos. Dieser Mindest-Einsatz von Autorität sei der größte Unterschied zu früher. Einer fällt ihm dann doch noch ein: "Eltern bringen heute ihre Kinder zum Schwimmkurs und erwarten, dass das alles klappt." Sie sähen zudem oft nicht, wie selbstständig ihre Kinder seien, fügt er hinzu. Dies Haltung habe sich geändert. Als reichen Schatz, den er mitnimmt, bezeichnet er die Gespräche mit den Badegästen: "Manche haben mit mir über private Probleme gesprochen, dieses Vertrauen weiß ich sehr zu schätzen." Er hoffe, dass die Schwimmgäste ihn in guter Erinnerung behalten und sein Hobby - das Sammeln von Ansichtskarten und Orden - weiter unterstützen und ihn im Archiv besuchen.

Einen Kommentar indes zur Entwicklung der Hallenfreibad GmbH gibt Hameister nicht ab - weder am Beckenrand noch zwischen den Archivbüchern. "Das ist nicht mein Stil."

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Von Redakteur Antje Bismark

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