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Kinder befassen sich mit dem Tod

Besuch bei Bestatter Kinder befassen sich mit dem Tod

Für viele Kinder ist der Tod ein Rätsel. Die Elisabeth-Kinderkirche wollte den Kindern jetzt näherbringen, was passiert, wenn Menschen sterben. Sie besuchten ein Bestattungsunternehmen.

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Bestatter Bernd Vogel (hinten) zeigt den Kindern und Betreuerinnen einen Sarg.

Quelle: Jarolim-Vormeier

Langenhagen. „Wer will mal eine Urne bemalen?“ fragt Bernd Vogel. Die kleinen Arme schießen wie auf Knopfdruck in die Höhe. „Ich, ich“, rufen zwölf Kinder der Elisabeth-Kinderkirche am Sonnabend bei ihrem nicht alltäglichen Ausflug. Die Dritt- und Viertklässler sind zu Besuch im Bestattungsunternehmen Eggers und wollen mehr über das rätselhafteste Phänomen, das die Welt kennt, erfahren: den Tod. Warum stirbt ein Mensch? Was geschieht mit einem Toten? Wohin wird er gebracht, und was passiert sonst noch mit ihm?

Geschäftsinhaber Vogel ist genau der Richtige für diese Art von Fragen. Freundlicher Humor, gemixt mit der nötigen Portion Fachwissen, lässt bei den Schülern Schüchternheit gar nicht erst aufkommen. Auch wenn Bestatter zumeist im schwarzen Anzug, Zylinder und weißen Hemd auftreten, „wir tragen auch Jeans und bunte Sachen und sind lustig“, beruhigt Vogel die Kinderschar.

Der Bestatter erläutert den Jungen und Mädchen, dass der Tod eines Menschen unterschiedliche Ursachen haben kann: Totgeburt, Tod im Alter, plötzlicher Kindstod, Krankheit oder auch Unfall. Zudem erzählt Vogel über die unterschiedlichen Möglichkeiten, einen Menschen beizusetzen: Im Sarg, nach Einäscherung in einer Urne auf dem Friedhof, auf hoher See oder im Friedwald. Es gibt auch neue Bestattungsrituale, etwa in den USA. Dort würden manche Tote mit einer Rakete ins All geschossen, sagt Vogel.

Die Kinder nehmen auch die Särge in einem Nebenraum in Augenschein und stellen fest: Diese sind aus unterschiedlichen Holzarten und in allen Größen gefertigt. Ein offener Sarg zieht sofort die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich. „Wie weich das da drin ist“, stellen sie fest, während sie das Innenfutter, Decke und Kissen akribisch inspizieren.

Anschließend bemalen die jungen Besucher einige Urnen aus Holz und erkunden daraufhin noch mit einem Eis in der Hand den Leichenwagen. Währenddessen begraben 13 weitere Kinder auf dem Friedhof an der Karl-Kellner-Straße mitgebrachte tote Insekten. Wie bei einem echten Begräbnis ertönt auf dem Insektenfriedhof: „Erde zu Erde, Asche zu Asche“ von Pastorin Bettina Praßler-Kröncke. Später legen die Kinder beschriftete Tafeln auf die Insektengräber und dekorieren die Gedenkstätte eifrig mit Steinen und Muscheln.

Interview mit Pastorin

Über die Hintergründe der ungewöhnlichen Aktion sprach Pastorin Bettina Praßler-Kröncke (50) mit NHZ-Mitarbeiterin Katerina Jarolim- Vormeier.

Ist Sterben ein Tabuthema in der Gesellschaft?

Bei vielen Menschen ist dieses Thema schon ein Tabu – vielleicht sogar bei den meisten. Keiner redet gern über den Tod, über den eigenen nicht und mit Kindern schon gar nicht. Ich habe manchmal den Eindruck, dass wir hoffen, dass das Thema uns nicht so weh tut, wenn wir darüber einfach schweigen. Nur wenige regeln ihr Testament schon zu Lebzeiten. Viele verfügen, dass sie anonym bestattet werden möchten, ohne vorher die Familie zu fragen und nicht alle Hinterbliebenen können dann damit gut leben. Da bleibt vieles unausgesprochen.

Wie sind sie darauf gekommen, mit Kindern einen Bestatter und den Friedhof zu besuchen?

Zum einen kommen viele Kinder der Hermann-Löns-Schule täglich auf ihrem Schulweg an den Schaufenstern eines Bestattungshauses vorbei, und sie erleben ebenso fast täglich vis-à-vis ihres Schulhofs, dass sich dort an der Kapelle Trauernde versammeln und auch Särge aus der Kapelle hinaus auf den Friedhof getragen werden. Zum anderen steckt in jedem Kind ein kleiner Forscher und Entdecker, denn Kinder wollen die Welt begreifen lernen. Wie sieht ein Sarg von innen aus? Haben Tote etwas an, wenn sie beerdigt werden? Warum gibt es Grabsteine? Der Tod und alles, was mit ihm zusammenhängt, ist ein spannendes Thema und birgt viele Fragen in sich. Und es gibt nicht viele Möglichkeiten für Kinder, diese Fragen loszuwerden.

Ist es nicht zu früh, um mit Erst- bis Viertklässlern über den Tod zu sprechen?

Nein, aus meiner Arbeit als Pastorin weiß ich, dass erstaunlich viele Kinder in diesem Alter bereits mit dem Thema Sterben und Tod konfrontiert werden. Bei dem einen ist es der Opa, der stirbt, bei dem anderen ist es vielleicht der Hamster. Oder wie es neulich bei den Kindern vom Elisabeth-Hort passiert ist, als ein toter Vogel gefunden wurde. Das ist dann sehr aufregend. Natürlich ist es keine leichte Aufgabe mit Kindern über den Tod zu reden, und es gibt dafür auch kein allgemeingültiges Rezept. Da muss man sehr einfühlsam sein und auch behutsam, vor allem aber offen und ehrlich. Das erstaunlichste Gespräch über den Tod hatte ich zum Beispiel bisher mit einer Fünfjährigen. Da stand ich auf dem Prüfstand. Das passiert natürlich nur, wenn man die Fragen der Kinder zulässt und ihnen nicht durch Wegreden oder vorgefertigte Meinungen begegnet. Manchmal hilft es, stattdessen einfach zu fragen: „Wie stellst Du dir denn das mit dem Himmel vor?“

Von Katerina Jarolim-Vormeier

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