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Klappsessel werden für Hilfsfonds verkauft

Langenhagen Klappsessel werden für Hilfsfonds verkauft

Die Sanierung des Theatersaals wird ab Donnerstag sichtbar: Dann verkauft die Stadt die Stühle für einen guten Zweck - und bis dahin verkürzen Uwe Janssen und Imre Grimm mit ihren Glossen die Wartezeit.

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Neue Stühle, neue Bühne, neue Empore, neue Technik: Für 1,9 Millionen Euro lässt die Stadt den Theatersaal bis Herbst 2016 sanieren.

Quelle: Neander

Langenhagen. Beide Redakteure kennen den Theatersaal von beiden Seiten: von der Bühne und vom Zuschauerraum aus. Erst in der zurückliegenden Saison hatten sie unter der Koordination von Mimuse-Macher Franz Gottwald einen Theaterabend bestritten. Viele Langenhagener kennen Janssen auch als HAZ-Platzwart, schließlich pflegen Fußball und Feuilleton von jeher eine originelle Liebe zueinander.

Im Theatersaal kann diese jetzt mit einem wahrlich einmaligen Symbol besiegelt werden: Der Theatersessel mit der Nummer 96 jedenfalls ist noch zu haben. Gegen eine Spende von 30 Euro für den Hilfsfonds Langenhagener helfen Langenhagenern werden derzeit die Sessel der sanierungsbedürftigen Spielstätte abgegeben. Weil sich die Sitzschalen abnehmen lassen, können auch Blöcke mit Wunschnummerierung zusammengestellt werden. Die nächste Abgabeaktion startet morgen um 15 Uhr im Theatersaal.

Danach beginnt die Sanierung der Spielstätte, die bis zum Herbst 2016 abgeschlossen sein soll. Neue Stühle, neue Technik, neue Belüftung, verbesserter Brandschutz, Umbau der Empore - etwa 1,9 Millionen Euro investiert die Stadt in den Theatersaal. Bis dahin müssen die Veranstalter ausweichen, die Mimuse ins Daunstärs und in die Aula des Schulzentrums. Das Theater für Niedersachsen lädt nach Hildesheim ein.

Von Antje Bismark und Rebekka Neander

Das Ding – „Hoppala!“ mit ohne Pic

Im Jahr 1983 war ich zehn Jahre alt und Langenhagen ein kleines, verschlafenes Nest im Norden eines nicht minder kleinen, verschlafenen Nestes. Ich saß mit meinem Vater im Theatersaal, und wir schrien aus Leibeskräften „Hoppala!“, wenn auch aus mir unbekannten Gründen. Erst nach irritierenden Erlebnissen in anderen Häusern habe ich verstanden, dass der Besuch eines Theaters nicht automatisch das Rufen von „Hoppala!“ impliziert. Wir riefen „Hoppala!“ in die Langenhagener Ekstase hinein (doch, das gibt’s), ausgelöst durch den Clown Pic. Die Roncalli-Legende Pic war damals der Michael Jackson des Seifenblasens, jedenfalls für mich, wir hatten ja nicht viel. Und Langenhagen war für eine magische Nacht the world capital of Seifenblasen. Und weil Pic in irgendeiner Nummer „Hoppala!“ gerufen hatte, riefen wir halt auch „Hoppala!“. Wenn Pic damals „Montags ess’ ich immer Brühwurst!“ gerufen hätte, hätte ich’s auch getan. Das lehrte mich, dass selbst das eher sachliche, erregungsferne Gestühl des Theatersaals nicht die emotionale Wirkungsmacht von Kultur einschränkt. Seien wir so ehrlich: Im Grunde sah der Theatersaal immer mehr nach Bundeskongress der Bleistiftspitzer-Industrie aus als nach Indiepop mit Anfassen. Sex, Drugs und Rock ’n’ Roll? Nö. Eher Funktionsjacke, Laugenbrezel ’n’ Kamillentee. Und das ist gut so. Denn wenn der Theatersaal längst in neuem Glanz erstrahlt, wenn sich Massen von Besuchern über den Langenhagener Broadway alias Rathenaustraße schieben, dann werden sie in der Elbphilharmonie in Hamburg gerade anfangen, die Toiletten zu fliesen. Hoppala!

Von Imre Grimm

 

Leben ohne ... Theatersaal?

Nun wird das Ding also geschlossen. Der Theatersaal, Wahrzeichen der Stadt, der Madison Square Garden von Langenhagen, gegen dessen durchschnittliches Stimmungsniveau (bei einer Autorenlesung) die Südtribüne in Dortmund (bei Sieg gegen Bayern) ein Kindergeburtstag ist. Ein Tempel von Hoch-, Flach-, Breit-, Leid- und Streitkultur, in dem bei jeder Veranstaltung ganz Langenhagen inklusive Flughafenpersonal säße, wenn denn nur genug Platz wäre und die am Flughafen nicht Schichtdienst hätten. Und das soll nun bis 2016 fehlen? Warum? Saniert werden sollen lediglich Bühne und Beleuchtung, Technik und Sitzplätze, Empore und Vorraum. Ja, und? Das sind Schönheitsreparaturen, da muss man den Spielbetrieb doch nicht gleich einstellen. Da kann man sogar während eines Theaterstücks weitermachen, wenn man ein bisschen leise ist und den Presslufthammer auf Silent-Betrieb stellt. Oder bei einem Vortrag: Was spricht dagegen, das Publikum in die linke Hälfte zu platzieren, während rechts behutsam das Gestühl erneuert wird? Bei einer etwas temperamentvollen musikalischen Darbietung, beispielsweise Flamenco mit Franz Gottwald, könnte man sogar hinten den Balkon abreißen, wenn sich der Meister des Zupfdarms vorne erst mal so richtig in Ekstase gespielt hat. Merkt kein Mensch. Und ein Dach – wer braucht ein Dach in einem so naturverbundenen Ort wie Langenhagen, wo der Flugbetrieb seit jeher in die akustische Freizeitgestaltung eingebaut wird? Es geht auf den Sommer zu. Da sind Bühne und Beleuchtung, Technik und Sitzplätze, Empore und Vorraum bestenfalls luxuriöse Extras. Man wird sich noch an die Zeiten zurücksehnen. Das Ausweichquartier Daunstärs ist ebenfalls ein beliebter Spielort, doch der Plan, die Kapazität anzugleichen und knapp 500 Stühle in den Zuschauerraum zu bekommen, geht vermutlich zulasten der Beinfreiheit, zumindest für Personen ab ein Meter dreißig. Und wenn jemand hinten unten rechts dann während der Vorstellung aufs Klo muss, gibt’s schlechte Laune auch bei den Künstlern, wenn per Dominoeffekt die drei oberen Reihen auf die Bühne kippen. Aber egal: Es ist beschlossene Sache, und ganz Langenhagen inklusive Flughafenpersonal ist gespannt auf 2016 und die prunkvolle Einweihung des neuen Theatersaals. Überraschungsgäste: die Einstürzenden Neubauten. Wir freuen uns.

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