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Kleingärtner bangen um Zukunft

Langenhagen Kleingärtner bangen um Zukunft

Dass Gärtner kleiner Parzellen nicht automatisch Kleingärtner sind, müssen jetzt rund zwei Dutzend Nutzer der Areale zwischen Klinikum und Stadtpark erkennen. Ihnen wurde jetzt gekündigt. Doch aufgrund der Recherche dieser Zeitung müssen sie ihre Refugien nun doch nicht bis Ende Januar räumen.

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Wünschen sich, dass endlich jemand persönlich mit ihnen spricht: Die Kleingärtner am Stadtpark sollen bis Ende Januar ihre Parzellen räumen.

Quelle: Neander

Langenhagen. Die Rechtslage ist ein wenig konfus: Seit Jahrzehnten bestehen auf der Ostseite des Klinikums 28 Gartenparzellen. Eigentümerin des Bodens ist die Landeshauptstadt Hannover. Einst wurden sie vom Klinikum selbst genutzt, später übernahmen Mitarbeiter die Gärten in Eigenregie. Das gilt bis heute. Unglücklicherweise haben nur die Nutzer gewechselt, die rechtliche Grundlage aber wurde nie angepasst. Keine der Hütten ist je baurechtlich genehmigt worden. Offiziell gilt die Fläche als Bauland. Von Kleingärten ist nirgendwo ein Wort geschrieben.

Jahrzehntelang hat dies niemanden gestört. Bis jetzt. Die Stadt Langenhagen möchte das Grundstück kaufen, um es dem Stadtpark und damit der Allgemeinheit zuzuschlagen. Mehr noch: Da für das Areal ein Bebauungsplan besteht, müsste die Stadt jeden dem Plan entsprechenden Bauantrag unverzüglich genehmigen. Auch um dies zu verhindern, will Langenhagen Eigentümerin im eigenen Stadtgebiet werden. Weil mit dem Grund und Boden allerdings nicht auch die lange geduldete, aber unklare Rechtslage der Gärtner übernommen werden soll, drängt Langenhagen darauf, dass die Landeshauptstadt vor Übergabe dort buchstäblich aufräumt.

Dies haben die Gärtner auch verstanden. "Aber niemand hat bislang mit uns persönlich gesprochen", klagte Maria Zdravkovic vor wenigen Tagen dieser Zeitung. Sie nutzt eine der Parzellen seit nunmehr vier Jahren und zahlt jährlich dafür ihren Obolus an die Landeshauptstadt. Ihre Nachbarn sind schon länger dabei. Slavko Samardzija nutzt seine Parzelle seit zehn Jahren, Yania und Mihailo Kovacenic sogar bereits seit 30 Jahren. Sie alle haben 2013 erstmals so etwas wie einen Vertrag unterschrieben. Darin erklärt ihnen das Klinikum der Region, obwohl nicht Eigentümerin der Fläche, im Namen der Landeshauptstadt die Duldung des Zustandes, obwohl widerrechtlich Hütten gebaut worden und mehrjährige Pflanzen gesetzt worden sind. Gekündigt werden könne jederzeit ohne Einhaltung irgendeiner Frist. "Das ist auch der Grund, warum hier manche Parzellen inzwischen so verwahrlost aussehen", sagte Zdravkovic. "Wir wissen alle nicht, wie wir mit diesem Schwebezustand umgehen sollten." Dass durch den Verkauf des Landes Bewegung entstehen könnte, erfuhren die Gärtner durch Berichte dieser Zeitung. "Und jetzt haben wir vom Klinikum die Kündigung bekommen: Bis Ende Januar sollen wir alles bergen, was wir mitnehmen wollen. Danach kommen die Bagger."

Dies hat die Gärtner in gelinde Verzweiflung getrieben. Sie widersprechen nicht der Rechtslage und werden sich im Zweifel dem Bagger beugen. "Aber jeder, der etwas vom Gärtnern versteht, weiß, dass man im Winter viele Pflanzen gar nicht retten kann. Sie haben sich längst ins Erdreich zurückgezogen", betonte Samardzija. "Wir bräuchten eigentlich eine Übergangszeit von einem Jahr."

Ganz haben sie ihre Hoffnung nicht aufgegeben, vielleicht doch nicht weichen zu müssen. "Wir würden auch eine höhere Pacht akzeptieren und einen Verein gründen und dann alle Pflegearbeiten rundherum übernehmen", beteuert Mihailo Kovacenic. All dies würden sie gerne einmal jemandem offiziell sagen. Allein: "Wir wissen nicht, wem." Zdravkovic berichtet, die Leitung des Klinikums in Langenhagen, die den Brief unterschrieben habe, sei unmittelbar danach in den Urlaub gefahren. Der zweite Unterzeichner habe am Telefon erklärt, er sei nicht zuständig. "Was sollen wir denn jetzt tun?" fragt Zdravkovic.

Im Langenhagener Rathaus hatte die Nachfrage dieser Zeitung nun unmittelbare Folgen. "Wir sind dankbar für den Hinweis auf die Probleme der Gärtner", sagte Wirtschaftsförderer Jens Monsen am Freitag dieser Zeitung. Bislang habe es keinen direkten Kontakt zwischen Stadt und Pächtern gegeben. "Ich habe heute Morgen deshalb mit der Landeshauptstadt vereinbart, dass den Gärtnern ausreichend Zeit gelassen werden soll, ihre Pflanzen zu retten." Das Gelände solle frühestens in der zweiten Jahreshälfte geräumt werden. "Auch ich habe kein Problem damit, den Nutzern eine erweiterte Räumungsfrist zu gewähren", erklärte Stadtbaurat Carsten Hettwer auf Nachfrage dieser Zeitung. Hettwer lässt gleichwohl keinen Zweifel: "Es muss klar sein, dass wir das Areal im Park künftig der Allgemeinheit zur Verfügung stellen wollen. Damit das nur einige wenige nutzen können, müssen wir das Grundstück nicht kaufen."

Von Rebekka Neander

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