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Kolja Drescher ist wieder weg

Langenhagen Kolja Drescher ist wieder weg

Nach einem Jahr im Entwicklungsdienst in Afrika ist dem Langenhagener Kolja Drescher die Entscheidung leichtgefallen: Er will Politikwissenschaften studieren. Jetzt beginnt er damit an der Universität in Berlin.

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Die Felsenkirche von Lüderitz. Auch sie ist nach deutschem Beispiel von den Siedlern einst errichtet worden.

Quelle: Sven Warnecke

Langenhagen. Der Aufenthalt in seiner Heimatstadt Langenhagen ist für den 20-jährigen Kolja Drescher nur kurz gewesen. Nach einem Jahr im entwicklungspolitischen Freiwilligendienst Weltwärts in Namibia ist er Mitte August zurückgekehrt. Doch in erster Linie stand die Wohnungssuche in Berlin an. Am Montag beginnt für ihn der erste Tag des Politikwissenschaftsstudiums an der Uni.

Er sei immer noch stark beeindruckt von Afrika und seinen Menschen, blickt der ehemalige Schülersprecher der IGS zurück. „Die Reiselust auf Afrika hat mich auf alle Fälle mitgenommen.“ Eine Rückkehr ist also nicht ausgeschlossen. Für ihn eine besondere Erfahrung: Er konnte bei seinem Aufenthalt quasi das erleben, was Flüchtlingen derzeit in dem für sie unbekannten Deutschland widerfährt.

Drescher hatte für Weltwärts in der Stadt Ongwediva im Sam Nujoma Multi-Purpose Centre (SNMPC) gearbeitet. In dem kommunalen Gemeindezentrum gibt es das After-School-Programm Bright Fu- ture. Es richtet sich an 180 Kinder, zumeist Waisen oder Halbwaisen, mit von Armut und Aids geprägten Lebensumständen. Für sie hatte Drescher - auch mithilfe eines Spendenaufrufs in dieser Zeitung - einen Spielplatz errichtet. „In Deutschland wäre ich nach drei Wochen an der Bürokratie gescheitert“, ist er sich mit Blick auf eine wahrscheinlich notwendige Baugenehmigung sicher. Doch wenn man sich etwas in Namibia vornehme, funktioniere das auch, weil vieles unbürokratisch möglich sei. „Deshalb ist es aktuell in Deutschland auch in der Flüchtlingspolitik so schwierig“, meint der künftige Politikstudent.

Für Drescher war die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen in Namibia trotz aller Armut der vornehmlich schwarzen Bevölkerung bemerkenswert. Allerdings habe ihn dort der immense Alkoholmissbrauch mehr geschockt als die Kriminalität oder die Armut. „Namibia ist ein Land mit einer höchst ungerechten Einkommensverteilung“, berichtet er. Der größte Teil des Landes gehöre der weißen Minderheit, vielfach mit deutschen Wurzeln.

„Alles spricht derzeit von Integration“, sagt Drescher mit Blick auf den aktuellen Flüchtlingsstrom in Europa. Diese sei seiner Erfahrung nach in der ehemaligen deutschen Kolonie nur wenig ausgeprägt. Etwa 10 Prozent der Bevölkerung sei deutschsprachig. „Sie bauen deutsch, sie essen deutsch und bleiben unter sich“, bilanziert der Langenhagener. „Und das 100 Jahre nach Ende der Kolonialzeit.“ Ein echter Integrationswille sehe seiner Ansicht nach anders aus. „Die Menschen sind quasi in der Kaiserzeit stehen geblieben.“ Sie hielten diese Kultur entsprechend hoch - „eben preußisch“. Dabei seien doch die ersten Siedler, die von Deutschland ins heutige Namibia gekommen waren, nichts anderes als Wirtschaftsflüchtlinge gewesen, schließt er den Bogen zu dem in Deutschland und Europa momentan aktuellsten Thema.

Trotz oder gerade wegen all dieser Unterschiede in dem südafrikanischen Land möchte Drescher die Erfahrungen nicht missen, bezeichnet sie als „horizonterweiternd“.

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