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Experte gewährt Einblicke in die „Soko Asyl“

Langenhagen Experte gewährt Einblicke in die „Soko Asyl“

Zuerst kamen die Flüchtlinge, dann stieg die Zahl der Ladendiebstähle im Braunschweiger Stadtteil Kralenriede um das Dreifache. Die Polizei hat 2015 mit der Einrichtung einer Sonderkommission reagiert, nun tendiert die Fallzahl gegen null.

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Ulf Küch hält auf Einladung der Langenhagener SPD einen beeindruckenden Vortrag.

Quelle: Mario Moers

Langenhagen. „Nicht die Flüchtlinge sind kriminell, sondern Menschen, die im Flüchtlingsstrom mitgeschwommen sind“, urteilt Ulf Küch, Leiter der Braunschweiger Kriminalpolizei über die Entwicklung des vergangenen Jahres. Im daunstärs las der stellvertretende Bundesvorsitzende des Bundes der Kriminalbeamten am Freitag aus seinem Buch „Soko Asyl“. Die SPD Langenhagen hatte den Autor als Gast zum traditionellen Mai-Gespräch eingeladen.

„Wir dürfen dieses Thema nicht den Konservativen überlassen“, sagte SPD-Vorstandsmitglied Irina Brunotte zu Beginn. Die erklärt auch, warum die Wahl auf den externen Referenten fiel, statt – wie oft in der Vergangenheit – eine Persönlichkeiten aus der Stadtgesellschaft eingeladen.

In seinem Buch zeichnet Küch die Geschichte der Sonderkommission „Zerm“ (SoKo Zentrale Ermittlungen“ nach. In den Jahren 2014 und 2015 lebten 40 000 Geflüchtete in dem Braunschweiger Erstaufnahmelager im Stadtteil Kralenriede. Die Polizei registrierte einen Anstieg der Straftaten im Bereich der Aufnahmeeinrichtung sowie der Innenstadt. Daraufhin gründete Küch im Sommer 2015 eine Sonderkommission. Alle Straftaten, die mit Flüchtlingen in Verbindung gebracht wurden, fielen zunächst in den Aufgabenbereich der Soko. „Wir sind als Polizei in ein strittiges Umfeld geraten“, erinnert sich Küch. Gerade zu Beginn der Debatte sei die Realität vielerorts noch von einem „Willkommens-Modus“ ausgeblendet worden.

„Schon damals war jedem Kriminalisten klar, wie es sich entwickeln wird“, berichtet Küch. Schnell sei den Ermittlern aufgefallen, dass für einen großen Teil der Straftaten verhältnismäßig wenige Täter verantwortlich sind. Die Soko ermittelte unter den 40 000 Geflüchteten 150 Mehrfachtäter. „Viele dieser Menschen waren bereits in ihren Herkunftsländern kriminell oder stammen aus den untersten sozialen Schichten“, sagt Küch über die Problemgruppe. Alle Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen, sei vor dem Hintergrund dieser Erkenntnis nicht nur moralisch verwerflich, sondern schlichtweg falsch, kritisiert Küch entsprechende Vorurteile. In einer Stunde räumte der Kriminalbeamte mit vielen Vorurteilen auf, die im Zuge der Flüchtlingsdebatte mitunter weite Verbreitung finden. „Die Informationen, die von der AFD verbreitet werden, stimmen einfach nicht“, so der Autor.

Angesichts der Aktualität und Wirkungskraft des Themas war es daher erstaunlich, dass die Stuhlreihen des daunstärs nicht komplett besetzt waren, präsentierte Küch doch fundierte Einblicke. „Wir haben als Partei eine große Verantwortung diese Themen anzusprechen“, bemerkte im Anschluss die SPD-Bundestagsabgeordnete Caren Marks. „Es war daher ganz wichtig, dass wir diesen Mai-Gespräch veranstaltet haben“, resümierte später der Vorsitzende des Ortsvereins, Marco Brunotte.

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Die Besucher hören gebannt zu.

Quelle: Mario Moers

Von Mario Moers

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