Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Vom Praktikum profitieren beide Seiten

Langenhagen Vom Praktikum profitieren beide Seiten

Nichts zu tun zu haben, ist für viele Flüchtlinge ein großes Problem. Deshalb sehen sie in einem Praktikum nicht nur eine Chance für eine berufliche Qualifikation, sondern auch die Möglichkeit, einem sie unterfordernden, langweiligen Alltag zumindest vorübergehend zu entkommen. Zwei Beispiele:

Voriger Artikel
Grauer November sorgte für Frühlingsstimmung
Nächster Artikel
Erst Krone und Wurzel, dann die Ernte

Marius Yabi hilft bei der Firma Heuer noch bis Ende des Monats bei der Montage von Rolläden und Jalousien.

Quelle: Böger

Langenhagen. Khaleda Ibrahim aus Syrien und Marius Yabi von der Elfenbeinküste sind beide seit gut zwei Jahren in Deutschland, haben gute bis sehr gute Sprachkenntnisse. Beide sind vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat geflohen und hoffen hier auf eine neue Existenz. Und beide haben ein Praktikum bei einem Langenhagener Unternehmen absolviert. Damit enden aber auch die Gemeinsamkeiten: Ibrahim, die studierte Informatikerin mit in Deutschland anerkanntem Bachelor-Abschluss, konnte bei Logiline in ihrem Fach arbeiten und strebt jetzt ein Master-Studium an. Nebenbei wird sie sich bei ihrer Praktikumsfirma ein Zubrot verdienen. Yabi, gelernter Journalist mit 15 Jahren Berufserfahrung, wurde beim Rolladen- und Markisenproduzent Heuer in der Montage eingesetzt. Ende des Monats läuft die Beschäftigung aus, und außer einem weiteren Sprachkursus wartet dann auf ihn die erneute Arbeitslosigkeit. Dennoch blickt auch er positiv zurück.

Die Informatikerin

Die 30-jährige Khaleda Ibrahim verdankt ihre Beschäftigung beim Logistiker Logiline ihrem Eifer beim Deutsch-Lernen. "Ich versuche immer, meine Sprache zu verbessern", sagt die aus Aleppo entkommene Ibrahim. Damit fiel sie ihrer Lehrerin Antje Peters auf, die in ihrer Freizeit in ihrer Godshorner Kirchengemeinde Flüchtlinge unterrichtet - und beruflich Managerin für internationale Projekte bei Logiline ist. "Wir wollten ihr die Chance geben, ins Berufsleben einzusteigen", nennt Peters als Motivation für die Einstellung.

Die junge Frau konnte dann in der Männerbranche IT-Programmierung mithelfen, ein Online-Formular für Bestellungen zu entwickeln, das laut Logiline-Geschäftsführer Olaf Krause die Kommunikation mit Kunden für das Einkaufsmanagement klar strukturiert und damit erheblich verbessert hat. Nebeneffekt für Ibrahim: Sie musste mit Java eine weitere, ihr bisher nicht vertraute Programmiersprache erlernen. Dabei habe sie "viel Verständnis und eine hohe Lernfähigkeit" gezeigt, lobt Krauses Geschäftsführer-Kollege Holger Haupt.

Beide Chefs sehen in dem Praktikum auch einen Gewinn für die Firma. Bei internationalen Kontakten helfe es beispielsweise, etwas aus dem Arbeitsleben anderer Kulturen zu erfahren, sagt Krause. "Wir bereichern uns gegenseitig", meint auch Haupt und will "andere Unternehmen ermutigen, Flüchtlingen mit Praktikums- oder Arbeitsplätzen zu helfen".

Der Montagehelfer

Das hat das Familienunternehmen Heuer getan. Der Kontakt zu dem Ivorer Marius Yabi kam auf auf der privaten Ebene zustande, beim Radfahren, wie Stefanie Heuer berichtet. Nach einer kurzen Kennenlernphase wurde der 40-Jährige für ein sechsmonatiges "Praktikum zur Einstiegsqualifizierung", wie es offiziell heißt, eingestellt. Es ging darum auszuprobieren, ob der Beruf eines Mechatronikers für Yabi geeignet ist - und umgekehrt. 

Aber "Handwerk entspricht nicht seinem Naturell", hat Geschäftsführerin Marena Heuer festgestellt. Und man könne "als Unternehmer ihn nicht einfach behalten, weil er so nett ist", stellt sie klar. Der bisherige Kopfarbeiter Yabi räumt ein, dass die Montagearbeit "manchmal anstrengend" war. Trotzdem hätte er gerne weiter gemacht, doch auch so seien die Monate "eine positive Erfahrung" gewesen. Schließlich sei "Arbeit wichtig für das Leben".

Er selbst wird ab Ende des Monats erstmal keine Anstellung mehr haben. Aber da er privat gut integriert ist - er spielt Fußball beim TSV Krähenwinkel/Kaltenweide und "alle meine Freunde sind Deutsche" - fällt er in kein allzu großes Loch. Und er hält an seinem Traum fest, eines Tages in Deutschland seinem Beruf nachgehen zu können. Deshalb wird er auch noch weitere Deutschkurse belegen.

doc6tyj3esbcli1cpcbx5m8

Khaleda Ibrahim wird nach einem Praktikum auch weiterhin für die Firma Logiline tätig sein.

Quelle: Böger
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
Schulzentrum Langenhagen

Nahezu vollständig müssen das Gymnasium und ein Teil der IGS abgerissen und neu gebaut werden, weil der Brandschutz nicht gewährleistet ist. Mehr zum Schulzentrum Langenhagen lesen Sie hier. mehr