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Wo darf Langenhagen noch wachsen?

Langenhagen Wo darf Langenhagen noch wachsen?

Langenhagen wächst, stärker als fast alle Kommunen in der Region. Doch wo die bis 2025 prognostizierten rund 58.000 Einwohner tatsächlich wohnen und arbeiten sollen, dies wird ein hartes Stück Planung für Politik und Verwaltung. Denn die Stadt ist voll. Der Debatten-Auftakt geriet immerhin sachlich.

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Unter den Zuhörern meldete sich auch Kaspar Klaffke zu Wort. Der Vorsitzende des Langenhagener Parkbeirates appellierte eindringlich für einen generellen Verzicht auf eine Bebauung der Rieselfelder.

Quelle: Neander

Langenhagen. • Worum geht es?

Die Stadt Langenhagen muss in einem Flächennutzungsplan (F-Plan) festschreiben, wo und wie sich die Stadt in den nächsten 20 Jahren entwickeln soll. Eigentlich wird der F-Plan alle 15 bis 20 Jahre aktualisiert. Der aktuelle F-Plan Langenhagens aber stammt aus den 1970-er Jahren. Als Vorbereitung für die Neuausweisung von Wohnbau- oder Gewerbeflächen wurden zwischen 2008 und 2013 in einem "integrierten Stadtentwicklungskonzept" (Isek) unter Beteiligung von Politik und Bürgern dafür Ideen entwickelt.

• Welche Bedeutung hat ein F-Plan?

Er ist im Grunde eine langfristige Verabredung, die im Groben festhält, was wo geplant ist. Wo sollen die Menschen wohnen, wo arbeiten? Wo darf sich Industrie ansiedeln? Wo muss Grünfläche bleiben? Wo wird Fläche benötigt für neue Straßen? Der F-Plan signalisiert dies vor allem an übergeordnete Behörden, damit diese dort nichts Gegenteiliges entwickeln. Wann und was genau dann dort gebaut wird, legt später der Bebauungsplan fest. Dieser wird von Verwaltung und Politik entwickelt und vor einem Beschluss betroffenen Bürgern und Behörden vorgelegt.

• Dann ist doch alles klar, oder?

Nein. Denn Langenhagen ist nicht nur deutlich stärker gewachsen als prognostiziert. Auch bei dem Bedarf an Gewerbeflächen und - zuletzt - Standorten für Schulneubauten hat sich vieles verändert. Deshalb hat die Verwaltung jetzt in der Drucksache 2016/379 sechs Punkte zusammengestellt, an denen sie über die Wünsche des Isek hinaus Flächen neu widmen möchte.

• Was genau schlägt die Stadt vor?

Kernstadt : Die Rieselfelder am Ostrand des Stadtparks sollen als Wohnbaufläche eingetragen werden, im Gegenzug würde genau dieser Eintrag am Westrand des Stadtparks auf Höhe des Lenthehofs in Grünfläche getauscht. Hintergrund ist die enorme Nachfrage nach zentrumsnahem Wohnraum. Dieser wäre am Lenthehof in geringerer Zahl zu entwickeln und schwieriger zu erschließen. Zudem soll für den Umzug des Gymnasiums an die Neue Bult das fragliche Areal ebenfalls als Wohnbaufläche tituliert werden.

Kaltenweide : Die Stadt will langfristig am Ostrand des Weiherfeldes einen Streifen für weitere Wohnbebauung ausweisen. Dazu müsste dieser jedoch aus dem Landschaftsschutzgebiet (LSG) entlassen werden. Eine kurzfristige Bebauung ist nicht geplant, heißt es im Rathaus. Doch habe die Stadt jetzt die Möglichkeit, die fraglichen Flächen zu kaufen. Zudem benötige das LSG-Verfahren mit der Region viel Zeit.

Godshorn : Auf einer Fläche westlich von Godshorn soll nördlich des Friedhofes eine Gewerbefläche für attraktive Dienstleistungsbetriebe geschaffen werden. Zudem möchte die Stadt auf der Fläche des Schwimmbades langfristig Wohnraum schaffen.

Engelbostel : Die bereits seit Langem geplante Erweiterung am Südrand Engelbostels soll größer ausfallen als geplant.

• Und das macht Streit?

Ja. Denn sowohl zu den Rieselfeldern als auch zum Weiherfeld hat es auch in den letzten Monaten vor der Kommunalwahl erbitterte Diskussionen gegeben. Der Verwaltung wurde deshalb von vielen Politikern vorgeworfen, sie versuche die neu gewählten, noch unerfahrenen Politiker zu überrumpeln. Um dies zu widerlegen, hatte die Stadt deshalb für die Sitzung des Stadtplanungsausschusses am Dienstag alle Rats- und Ortsratsmitglieder zu einer grundlegenden Präsentation eingeladen. Darin haben Bürgermeister Mirko Heuer, Stadtbaurat Carsten Hettwer und vor allem Stadtplanerin Carolin Ottensmeyer alle Hintergründe zum F-Plan-Verfahren, zu aktuellen und früheren Ratsbeschlüssen dargelegt.

• Was ist neu?

Dass beispielsweise im Isek die Rieselfelder bereits als Wohnbaufläche vorgeschlagen wurden und letztlich dies mit einem Ratsbeschluss befürwortet worden ist. Auch die Osterweiterung des Weiherfeldes ist im Isek bereits positiv diskutiert worden. Die Verwaltungsspitze erläuterte wiederholt eindringlich, dass jedwelche bauliche Planung niemals ohne die Politik verwirklicht werden könne und dass es der Stadt derzeit nur um eine grobe Entwicklungsperspektive gehe. Die Stadt müsse im F-Plan die Verantwortung für das Potential über die kommenden 20 bis 25 Jahre übernehmen. Da müsse man eben auch mal Flächen kaufen oder widmen, für kurzfristig keinesfalls verändert werden sollen.

• Wie geht es weiter?

Nach einer noch kontroversen Einwohnerfragestunde zu Beginn der Sitzung ging der Ausschuss nach gut zwei Stunden Debatte verhältnismäßig sachlich auseinander. Bis Januar wollen die Fraktionen über die einzelnen Punkte beraten. Dann wird es eine weitere öffentliche Sitzung des Ausschusses zu dem Thema geben. Ottensmeyer zeichnete das Gesamtverfahren inklusive aller öffentlichen Beteiligungsmöglichkeiten vor. Nur wenn jetzt alles schnell und reibungslos laufe, könne die Stadt bis September 2017 mit einem gültigen F-Plan rechnen.    

Verwirrung um Elternbefragung

Muss die Stadt für die Elternbefragung für eine weitere Gesamtschule im Norden Kaltenweides ein Grundstück genau benennen? Stadtbaurat Carsten Hettwer hat dies am Dienstagabend noch einmal bestätigt. Hettwer wollte damit Irritationen begegnen, die eine Information des BBL-Ratsherrn Jens Mommsen ausgelöst habe. Dieser, so Hettwer, habe selbst mit der Landesschulbehörde telefoniert und danach behauptet, die Stadt müsse keinen Standort konkretisieren. „Wir haben mit derselben Mitarbeiterin der Behörde noch einmal gesprochen“, so Hettwer am Dienstag. „Wir müssen das Grundstück benennen, aber keine Hausnummer.“ Nach Aussage der Stadt könne eine neue IGS nur nördlich der Altenhorster Straße zwischen Kreisel und Biogasanlage gebaut werden. Die BBL kritisiert diese Flächenwahl.

Von Rebekka Neander

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