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Lösung für die Teiche rückt in die Ferne

Langenhagen Lösung für die Teiche rückt in die Ferne

Eine dauerhafte Lösung für die in diesem Jahr von Trockenheit bedrohten Teiche im Stadtpark wird es so schnell nicht geben. Ideen gibt es zwar, doch für eine Prüfung fehlt im Rathaus derzeit Personal und Zeit.

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Im Nordteich fehlt Wasser, der Entenbesatz im Südteich gilt als zu hoch. 

Quelle: Neander

Langenhagen. Am Ende schnurren knapp Stunden der Vorträge und Diskussionen auf eine Frage zusammen: Ist der Denkmalschutz wichtiger? Oder der Schutz der Tiere? Bevor diese Fragen nicht beantwortet sind, wird es keine Lösung für die zwei Teiche im historischen Eichenpark geben können.

Die Stadtverwaltung, die diese Antworten liefern müsste, kann dies jedoch so schnell nicht erledigen. „Wir haben derzeit wirklich andere, wichtigere Dinge zu regeln“, mahnte Stadtbaurat Carsten Hettwer mit Verweis auf das neu zu bauende Schulzentrum und die Unterbringung von Bedürftigen.

Dass aber auch der Verwaltung an einer Lösung sehr wohl gelegen ist, zeigte die Sitzung an sich. Um dem Parkbeirat einmal den genauen Verlauf der Be- und Entwässerung im Stadtzentrum und damit auch der Teiche zu erläutern, waren Sandra Bosold, Leiterin der Stadtentwässerung, und Jürgen Bückmann, verantwortlich für den Kanalbau, eingeladen worden.

Mithilfe von Grafiken und Plänen erläuterten sie, wie seit Ende der Neunzigerjahre die Ableitung von Regenwasser im Stadtkern funktioniert. So wird über ein Wehr nordöstlich des Schulzentrums-Sportplatzes knapp die Hälfte des anfallenden Regenwassers über die beiden Teiche in Richtung Wietze geleitet. An diesem Wehr läuft der Niederschlag aus dem Gesamtbereich zwischen Bahnlinie im Westen, Bothfelder Straße im Süden, Stadtparkallee im Norden und Theodor-Heuss-Straße im Osten zusammen.

Oder eben nicht - wie in diesem „extrem trockenen“ Jahr, wie Ursula Schneider, Leiterin des Fachdienstes Stadtgrün, in der Sitzung betonte. Seit einigen Jahren schon sei es im Frühjahr sehr trocken gewesen. „Aber so schlimm wie in diesem Jahr war es noch nie.“ Vor allem der kleinere Nordteich war deshalb mehrfach nahezu trockengefallen. Schneider mahnt Geduld an. „Ich würde vor jeder Entscheidung in jedem Fall das kommende Frühjahr abwarten.“

Wie sich in der Sitzung herausstellte, hatten alle Beteiligten im Zuge der Teichrettung den Fischbesatz darin vollkommen unterschätzt. Sogar der Fischereiverein, hieß es in der Sitzung, habe dies eingeräumt. „Auch die Art des Tierbesatzes“, gab Ricky Stankewitz, Langenhagens Nabu-Chef und Naturschutzbeauftragter der Stadt, zu, „hat mich vollkommen überrascht.“ Denkbar sei deshalb eine künftig regelmäßige Abfischung der Teiche.

Wann und wie es weitergeht mit dieser Debatte, ist offen. Einen Arbeitsauftrag an die Verwaltung darf der Parkbeirat nach derzeitiger Satzung nicht geben. Er hat einzig beratende Funktion. Auch Hettwer will die Rechtslage um den Denkmalschutz geklärt wissen, auf die Landesdenkmalpfleger Rainer Schomann als Mitglied des Beirates eindringlich hinwies. Bis zu einer bestimmten Sitzung des Umweltausschusses, so Hettwer, könne dies im Rathaus aber derzeit niemand leisten.

Der Umweltausschuss tagt das nächste Mal am Donnerstag, 17. September, 17.45 Uhr.

Was geht in den Teichen und was geht nicht?

Die beiden Teiche im historischen Eichenpark, einem unter Schutz stehenden Gartendenkmal, existieren seit Anfang des vergangenen Jahrhunderts. Warum genau sie entstanden sind, ist offen: Indizien lassen darauf schließen, dass es sich um Aushubgruben für die Aufstockung der Rieselfelder handelt. Aus den mit Grund- und Regenwasser vollgelaufenen Gruben wurden bis in die Vierzigerjahre Badeteiche, die bis Mitte der Siebzigerjahre nicht für die Öffentlichkeit zugänglich waren. Erst als 1976 die Stadt das Gelände der ehemaligen „Idiotenanstalt“ kaufte, wurde der Zaun dauerhaft geöffnet. Seither werden rund um die Teiche traditionell Enten gefüttert, was – wie am Silbersee – zu Problemen führte: Dort leben zu viele Enten. Im Eichenpark ist zudem der Fischbesatz problematisch: Menge und Art sind auch der Wasserqualität nicht zuträglich. Der Naturschutzbund hat nun die Idee vorgestellt, am kleineren Nordteich Flachwasser-Biotope anzulegen. Sie sollen für die Öffentlichkeit weitgehend gesperrt werden, auch Fische sollen sich dort nicht ausbreiten können. Daneben soll jedoch am Südteich, dessen Wasserstand sich auch in Trockenzeiten als stabil erwiesen hat, das Füttern von Enten erlaubt sein. Damit reagiert der Nabu auf die „emotionale Bedeutung“ dieser Nutzung für die Langenhagener Bevölkerung. Für den Denkmalschutz kann diese Idee derzeit nur als „Wunsch“ bezeichnet werden, nicht jedoch als Ziel im Sinne des Gesetzes. Welches Gesetz im Eichenpark schwerer wiegt – der Denkmalschutz oder das Tierschutzgesetz –, muss geprüft werden. Anspruch des Denkmalschutzes wäre dabei lediglich der Erhalt der beiden Gruben, nicht jedoch deren Nutzung im bisherigen Stil. 

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