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Mieter lassen Kiefer absägen und müssen zahlen

Engelbostel Mieter lassen Kiefer absägen und müssen zahlen

Zwei Mieter eines Hauses aus Engelbostel müssen dafür büßen, dass sie eine zehn Meter hohe Kiefer auf dem Gartengrundstück ihres Vermieters gefällt haben – mit 1955 Euro für eine Ersatzpflanzung plus 126 Euro für den gegnerischen Rechtsanwalt.

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Einzig der Baumstumpf ist von der alten Kiefer geblieben.

Quelle: Kutter

Engelbostel. Amtsrichter Reinhard Wiehe schenkte den Beteuerungen der Beklagten, der Hausherr habe ihnen das Abholzen des Baums mündlich gestattet, keinen Glauben. Doch auch der Vermieter musste Abstriche machen: Sein Anspruch auf das 4600 Euro teure Nachpflanzen einer bis zu vier Meter hohen Kiefer sei übertrieben, urteilte Wiehe.

Ostersonnabend 2013 war eine sechsköpfige Truppe beherzter Hobbyholzfäller angerückt, um dem naturgemäß nadelnden und reichlich Schatten spendenden Gewächs den Garaus zu machen. Befreundete Studenten und Handwerksgesellen standen dem Mieterpaar mittleren Alters mit Rat, Leiter und Kettensäge zur Seite. Als der Vermieter und seine Frau am Nachmittag vom Flohmarktbesuch heimkehrten, stießen sie auf einen bereits arg gerupften Torso. Nach eigenem Bekunden waren sie so geschockt, dass sie noch nicht einmal mehr protestieren mochten.

Wie der Zivilrichter feststellte, konnte das Paar die angebliche Erlaubnis zur Fällung des 70 Jahre alten Baums nicht belegen, ein schriftliches Dokument fehlte. Zwar waren die Mieter laut Mietvertragsvereinbarung zur Pflege des Gartens berechtigt und verpflichtet. Das habe aber nicht die Erlaubnis beinhaltet, so Wiehe, einen „den Gesamteindruck vom Garten mitbestimmenden Baum zu fällen“.

Zur Bestimmung des Werts einer adäquaten Ersatzpflanzung holte sich der Amtsrichter einen Sachverständigen zu Hilfe. Keinesfalls habe der Vermieter Anspruch auf das Nachpflanzen einer erneut zehn Meter hohen Kiefer, meinte dieser. Ein solcher Baum sei immens teuer, die Anpflanzung kostspielig und wegen des Anwachsrisikos auch wenig Erfolg versprechend. Für sachgerecht hielt Wiehe eine Ersatz-Kiefer, die zwischen 2,75 und 3  Meter hoch ist. Auch wenn der zerstörte Baum den Charakter des Gartens mit geprägt habe, handele es sich bei der Engelbosteler Parzelle doch nicht um einen „herrschaftlichen Prachtgarten“, sondern eher um einen „durchschnittlichen Erholungsgarten“ von „mittelständischem Stadtrandgepräge“.

Auch versagte das Gericht dem Vermieter seinen Wunsch, das neue Nadelgehölz an gleicher Stelle in den Boden zu bringen: Zu teuer sei das dafür notwendige Ausfräsen des toten Baumstumpfs. „Die Größe des Gartens rechtfertigt es“, so der Richter, „für das Ersatzgehölz einen in unmittelbarer Nähe liegenden Standort zu wählen.“

Es wird Jahre dauern, bis eine neu gepflanzte Kiefer wieder ausladende Schatten auf die Beziehungen zwischen Vermieter und Mieter werfen kann. Ob das Paar mit der Holzfällermentalität dann aber noch im Hause wohnt, darf getrost bezweifelt werden.

Michael Zgoll

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