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Langenhagener sagen Nein zu Rassismus

Langenhagen Langenhagener sagen Nein zu Rassismus

Während der internationalen Wochen gegen Rassismus haben viele Langenhagener die Gelegenheit genutzt und der Fremdenfeindlichkeit eine klare Absage erteilt. Vielmehr ist bei mehreren Aktionen im Rathaus um mehr Verständnis füreinander geworben worden.

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Die Integrationsbeauftragte der Stadt, Justyna Scharlé, gibt das Motto vor.

Quelle: Sven Warnecke

Langenhagen. Die stellvertretende Bürgermeisterin Ulrike Jagau hat beim internationalen Tag gegen Rassismus im Rathaus vor gut 100 Besuchern deutliche Worte gegen Fremdenfeindlichkeit verloren: Viele Menschen hätten Angst vor Veränderungen, betonte sie angesichts des Zuzugs von Flüchtlingen und meinte doch eher die Ressentiments gegenüber allem vermeintlich Unbekannten. "Ihre Vorurteile entsprechen einfachen Denkschablonen, die unsere Welt nach außen gegen alles, was anders ist, abgrenzen wollen."

Jagau warnte aber davor, dass diese Furcht vor dem Fremden zunächst im Verborgenen wirke, sich dann aber "zunehmend auch als Motor eigenartiger Ideologin" fortsetzen könne. Damit hatte die Grünen-Politikerin durchaus auch die jüngsten Wahlerfolge rechter Gruppierung wie die der AfD im Visier. "Man nennt das ganze Xenophobie", erklärte sie den Anwesenden. Das stamme aus dem antiken Griechenland. "Der Begriff xenos allerdings hatte bei den Griechen zwei Bedeutungen", fuhr Jagau in ihrer Exkursion fort. Zum einen sei damit der Begriff Fremder gemeint, zum anderen aber auch das Wort Gast. "Hier wird klar, dass auch die Fremdenfeindlichkeit in Wirklichkeit sehr viel über uns aussagt und über unser Wir", warb die Bürgermeisterin für mehr Toleranz. Schließlich sei in einer modernen Gesellschaft das Misstrauen gegen Fremde nicht mehr zeitgemäß. "Also lassen Sie uns zeitgemäß werden."

Jagau hat nach eigenem Bekunden bei Menschen Betroffenheit und Mitgefühl angesichts der Fotoausstellung des syrischen Fotografen Adnan Sharbaji erlebt. "Gerade Ältere haben sich an die Situation Europas nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert", sagte sie angesichts der seinerzeit 60 Millionen Flüchtlinge. Auch sie hätten später von schrecklichen Erlebnissen und Ausgrenzung durch die Einheimischen berichtet. Ein Gesinnungswandel habe mitunter Jahre gedauert. Bis die heute wieder vermeintlich Fremden als Mitglied der Gesellschaft anerkannt würden, prophezeite Jagau auch nun wieder einen langwierigen Prozess.

Doch: "Den haben aber viele in unserer Stadt bereits begonnen", lobte sie die große Hilfsbereitschaft in Langenhagen. Vor allem auch die der Ehrenamtlichen, ergänzte Hamidou Bouba vom Integrationsbeirat. Etwa in der Sprachvermittlung. "Und Sprache ist der Schlüssel zur Integration", betonte die Bürgermeisterin. "Wir wissen aber auch, dass wir niemanden eine sogenannte Leitkultur überstülpen und ihm den Verzicht auf die eigene Kultur einfach vorschreiben können", warb Jagau um Verständnis für die hier Schutzsuchenden.

Doch die Bürgermeisterin wollte auch nicht verschweigen, dass die fremdenfeindlichen Tendenzen im Land zunehmen würden. Diese beruhten jedoch vornehmlich auf "Furcht vor dem Verlust von Privilegien und Macht und vor allem auch auf Unkenntnis". Gleichwohl könne sie die Ängste und Sorgen der Menschen auch verstehen. Vorurteile würden nicht über Nacht verschwinden. "Denn die Ängste vor Veränderung sind emotional verankert und nicht einfach auf Befehl durch den Verstand auszutilgen", hob Jagau hervor. "Vielleicht sollten wir alle wieder werden wie Kinder, denn wir sind eigentlich alle von Geburt an empathisch und vorurteilsfrei."

Vorurteilsfrei sind die Menschen in Langenhagen auch nicht immer. Überall dort, wo die Langenhagener Stadtverwaltung - die an der dezentralen Unterbringung von Flüchtlingen festhalten will - Unterkünfte plant, weht ihr zunächst heftiger Gegenwind entgegen. Doch nach anfänglichen Problemen mache sich dann eine große Hilfsbereitschaft breit, und die Kritik verstumme, berichtete Bouba weiter.

Die Integrationsbeauftragte Justyna Scharlé wertete die Veranstaltungen durchweg als Erfolg. Viele Menschen hätten sich nicht nur an der Organisation der Aktion beteiligt, darunter auch Flüchtlinge. Nein, vielmehr hätten sich auch etliche angesichts der eindrucksvollen Fotos einen Eindruck vom Elend der Menschen in den Kriegsgebieten machen können. Aber auch von der kulinarischen Vielfalt, die die Herkunftsländer der in Langenhagen lebenden Menschen böten, meinte Scharlé. Das habe nun auch ein internationales Büfett mit Speisen aus mehr als einem Dutzend Länder im Rathaus bewiesen. Auch aus den USA.

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Von Sven Warnecke

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