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Polizei: Fake News sind kein Kavaliersdelikt

Langenhagen Polizei: Fake News sind kein Kavaliersdelikt

Fake News sind in Zeiten der sozialen Medien keine Seltenheit – fast schon Alltag. Doch was nun ein erst 13 Jahre alter Schüler des Gymnasiums getrieben hat, sucht seinesgleichen. Er verbreitete per E-Mail Unwahrheiten, mit denen sich nicht nur die Schulleitung beschäftigt, sondern auch die Polizei.

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In Zeiten moderner Kommunikationstechnik ein um sich greifendes Phänomen: Fake News. Nun ist auch das Gymnasium Langenhagen davon betroffen.

Quelle: Karl-Josef Hildenbrand (dpa)

Langenhagen. Fakt ist, Fake News sind kein Kavaliersdelikt, konstatiert eine Sprecherin der Polizei Hannover auf Anfrage. Erstmals musste sich die Behörde jetzt mit von Schülern verschickten unwahren E-Mails beschäftigen. Ihren Angaben zufolge hatte der geständige, erst 
13 Jahre alte Langenhagener, gleich zwei Straftaten begangen. Zum einen die der üblen Nachrede und zum anderen die des Verdachts der Fälschung von beweiserheblichen Daten. Beide seien nach Paragraf 186 und 269 des Strafgesetzbuches mit Freiheitsstrafe oder Geldstrafe zu ahnden, erläutert die Polizistin.

Doch der Junge sei mit 13 Jahren noch nicht strafmündig. Deshalb werde das vom Gymnasium zur Anzeige gebrachte Vergehen von Polizei und Justiz nicht geahndet. Gleichwohl hatten die Ermittler das Kind samt Erziehungsberechtigten zum ernsten Gespräch geladen. „Vielleicht hatte das schon abschreckende Wirkung“, hofft die Polizeisprecherin in Bezug auf mögliche Nachahmer. Sie spricht von einem neuartigen Phänomen. Im Bereich der Polizeidirektion Hannover sei das der erste vergleichbare, ihr bekannte Fall.

Delikt ist neuartiges Phänomen

Was war geschehen? Der Gymnasiast hatte via E-Mail unter falschem Namen Nachrichten verschickt. Darin wurde etwa ein Schulausfall angekündigt oder der Schulleiter persönlich beleidigt. Das sei im Schulnetzwerk – in dem alle Schüler einen allgemeinen Account hätten –, nicht allzu schwierig gewesen, berichtet Silke Kaune, Koordinatorin der Sekundarstufe (SEK) I am Gymnasium. Zunächst sei es für die anderen Nutzer dann auch schwierig gewesen, zu erkennen, ob die Nachricht echt oder falsch war. Doch dann konnte die Schulleitung diese rasch als Fake Mails identifizieren und korrigieren, sagt sie im Gespräch mit dieser Zeitung.

„Wir sind aber nicht gehackt worden“, betont sie. „Wir haben dagegen eine gute Sicherheitstechnik eingerichtet.“ Gleichwohl findet sie das Verhalten des Kindes „unfassbar“. Dieses habe mit ein wenig technischem Verständnis den Absender der E-Mails verändern und so einen offiziellen Anschein geben können.

Klassenkonferenz entscheidet über schulische Zukunft

Was bleibt ist allerdings Ernüchterung am Gymnasium. Nicht nur bei den Lehrern, sondern auch bei den Schülern. Denn solche Aktionen belasten das „Miteinander der Schulgemeinschaft massiv“, betont Kaune. Doch das wollen weder Lehrer noch Eltern oder Schüler tolerieren. Das hätten auch die verschiedenen Vollversammlungen gezeigt, in denen die Attribute betont worden waren, die das Gymnasium unter dem Stichwort „Respekt und Toleranz“ auszeichnen.

Aus diesem Grund werde nun eine Klassenkonferenz einberufen, kündigt Schulleiter Matthias Brautlecht an. Darin werde über die Zukunft des Jungen am Gymnasium Langenhagen entschieden und „sachlich argumentiert“, beschreibt Brautlecht das Prozedere. Das sei auch Bestandteil des Paragrafen 61 des Niedersächsischen Schulgesetzes.

Für den Schüler nur gut, dass es angesichts seines Alters nur drei mögliche Bestrafungen gibt. Er kann vom Unterricht für eine gewisse Zeit ausgeschlossen, in eine andere Klasse versetzt oder von der Schule verwiesen werden. Doch dann müssten ihn andere Gymnasien aufnehmen, sagt Kaune. Da der Schüler ja nicht strafmündig ist, müsse die Schule nun Maßnahmen ergreifen. „Es geht darum, eine gewisse Moral zu vermitteln, dass man so etwas nicht macht.“

Von Sven Warnecke

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