Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Nach 45 Jahren ist Schluss

Kommissariatssprecher Nach 45 Jahren ist Schluss

Irgendwann muss einmal Schluss sein mit dem „Schnüffeln“: Nach 45 Jahren Polizeidienst - davon die letzten fast 18 Jahre als Kommissariatssprecher - gibt Manfred Pätzold Dienstag Polizeimarke, Dienstausweis und -waffe ab.

Voriger Artikel
108 Bürger wollen beim Haushalt mitreden
Nächster Artikel
Neustart in der Eishalle am Dienstag

Manfred Pätzold gibt heute Dienstwaffe und -ausweis ab – nach 45 Jahren bei der Polizei.

Quelle: Sven Warnecke

Langenhagen. Was ist in den 45 Dienstjahren bei der Polizei hängen geblieben? Die Zahl der geschnappten Straftäter vielleicht oder besonders schwere Verbrechen? Nein. Die massiven Präventionsbemühungen der vergangenen Jahre in Langenhagen sind es. „Die tragen jetzt Früchte“, bilanziert Manfred Pätzold. Das belege die Kriminalstatistik der vergangenen Jahre. Auch wenn Prävention nicht messbar sei, betont der Kriminalhauptkommissar. So darf er sich Dienstag noch nennen. Mittwoch ist es vorbei. Dann kommt der Zusatz a.D. - außer Dienst.

Pätzold hat bei der Polizei einiges erlebt, viele Stationen gemacht. Im Raubdezernat der Polizei Hannover bekam der heute 63-Jährige erstmals Kontakt zu den Medien. Das reizte ihn. „Besonders spannend war der Vergleich der Mechanismen in einer Behörde und in den Medien“, sagt er. Das ließ ihn fortan nicht mehr los. Erst war es der Pressestab der hannoverschen Polizeibehörde. „Das war prägend.“ Gleichwohl hatte Pätzold eigentlich schon viel früher Kontakt zu Zeitungen. Schließlich war er seinerzeit Mitherausgeber einer Schülerzeitung in seinem Geburtsort Salzgitter.

1997 folgte der Wechsel nach Langenhagen. Seitdem präsentiert er tagtäglich den Medien die aktuelle Polizeilage. Pätzold verstand es dabei genau, die Pressevertreter vor behördlichen Wortungetümen wie „Stehlgut“ oder „die verunfallte Person an der Querungshilfe“ zu verschonen.

Pätzold kann indes nicht verhehlen, dass sich mit den sozialen Medien die Arbeit der Polizei durchaus verändert hat. „Auch in Sachen Prävention“, erinnert er etwa an eine unbedarfte und nicht ernst gemeinte Amokdrohung eines Schülers im vorigen Jahr. Denn aus Sorge auf mögliche Nachahmer hatten Schulleitungen, Landesschulbehörde, Polizei und Medien zunächst beschlossen, den Vorfall nicht öffentlich zu machen. Gleichwohl kursierten im Internet sofort Mutmaßungen über den Vorfall - zumeist von Eltern gepostet. „Da wird man zum Reagieren gezwungen“, sagt Pätzold. „Das selektieren nach der Wahrheit wird schwieriger.“

Besondere Delikte oder aber auch ungewöhnliche Ereignisse sind bei dem Polizisten in Erinnerung geblieben. Da sind die Bombenblindgänger. „Das waren schon ziemlich viele“, sagt er rückblickend. Oder der unter dem Namen „Cabrio-Schlitzer“ bekannt gewordene junge Autoknacker. Nach diversen Taten hatte ihm die Polizei letztlich das Handwerk legen können. Nicht zu vergessen der 53-jährige Mann, der mit seinen Delikten Langenhagen zu bundesweiter Berühmtheit verhalf: Er entwendete im großen Stil Radkappen - am liebsten am Flughafen. Doch auch diese Serie riss. Im November 2013 war für den Mann aus der Nähe von Soltau Schluss.

Und nun? Ganz ohne Ermitteln und Schnüffeln. „Kein Problem“, sagt Noch-Polizist Pätzold. „Ich habe zu Hause einen Reparaturstau und zwei Enkel.“ Zudem endlich mehr Zeit für Reisen, Geschichte und Philosophie. „Vielleicht übernehme ich auch ein Ehrenamt.“

Von Sven Warnecke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
Schulzentrum Langenhagen

Nahezu vollständig müssen das Gymnasium und ein Teil der IGS abgerissen und neu gebaut werden, weil der Brandschutz nicht gewährleistet ist. Mehr zum Schulzentrum Langenhagen lesen Sie hier. mehr