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In der "Perle" schwindet die Infrastruktur

Langenhagen In der "Perle" schwindet die Infrastruktur

Nach der Sparkasse, Volksbank, und Schwimmbad macht jetzt auch die Post dicht. Eva Mertzios und Michael Looß von Hülst machen sich große Sorgen: Die beiden Godshorner haben ein Postfach in der Filiale, die nun zum 31. Juli schließen soll. In punkto Infrastruktur sehen beide für die "Perle" schwarz.

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Eva Mertzios und Michael Looß von Hülst haben nicht zu Lachen, weil die Postfiliale wohl am 31. Juli schließt und für ihre Postfächer gibt es noch keinen anderen Standort.

Quelle: Jarolim-Vormeier

Godshorn. Bisweilen war Godshorn ein Magnet für Familien, die dort hinziehen wollten. „Doch peu á peu schwindet die Infrastruktur“, sagt der 64-jährige Looß von Hülst enttäuscht. Noch sei er fit und könne alles erledigen, sagt der Godshorner. Doch was ist in zehn Jahren, fragt sich Eva Mertzios. Auch sie lebt lange genug im Ort. Weil vor drei Jahrzehnten noch alles Notwendige im Dorf vorhanden war, zog sie mit ihrer Familie dorthin.

Godshorn fühlt sich bisweilen stark – und bezeichnet sich selbstbewusst als „Perle“. „Wir haben alles vor der Haustür“, sagte einst Hermann Euscher im Gespräch mit seinem Sohn Detlef über die westlich von Langenhagen gelegene Ortschaft. Kurze Wege – und auch für alte Menschen ist alles erreichbar. Dabei klingt es schon kurios: In einem Sonnenstudio befinden sich heute der Postschalter sowie die Fußpflege, und gleichzeitig liegen in der Auslage auch Eier, Kartoffeln und Honig. „Nach wie vor holt mein Vater sich dort Kartoffeln und Eier“, berichtet Sohn Detlef über seinen 96-jährigen Vater, der von 1961 bis zur Gebietsreform 1974 Gemeindedirektor von Godshorn war.

Seit 1961 wohnt ergo auch Detlef Euscher in Godshorn. Der frühere SPD-Politiker und Ortsbürgermeister, pensionierter Kriminalbeamter und heutige Chef des Kulturrings hat die Entwicklung im Dorf sehr wohl miterlebt. Deshalb kann er beurteilen, dass aus der durchaus blühenden Gemeinde eine attraktive Ortschaft vor den Toren Hannovers geworden ist. „Damals zu Recht ,Perle’ Langenhagens genannt“, sagt Euscher. Doch durch die Veränderungen habe Godshorn seiner Ansicht nach nichts mehr mit einer Perle zu tun – sie sei eher eine Schlafstadt. Euscher ärgert sich, so geballt hätte er Schließungen noch nicht erlebt. Und wen erwischt es am meisten? „Ältere Menschen sind richtig gekniffen“, äußert Euscher enttäuscht. Das, was noch vor einigen Jahren war, ist längst nicht mehr: Angesichts der angekündigten Sparkassen-Schließung bis 2019 und auch der Volksbank, die allerdings zumindest einen Selbstbedienungsterminal an gleicher Stelle installieren will, werden die sonst so selbstständigen Godshorner immer mehr von der Kernstadt abhängig. Auch die Tankstelle hatte unlängst dichtgemacht.

Derzeit betreiben Elke und Andreas Wilker die Postagentur. Sie hören auf eigenen Wunsch auf. Für Anfang August sucht die Post nun nach einer Alternative. „Die Post ist bemüht, dass es in Godshorn weitergeht“, sagte Elke Wilker. Es müsse auch mit dem übrigen Sortiment passen, vermutet Looß von Hülst.

Willi Minne, der sich als ehemaliger Godshorner Bürgermeister in der 6500 Seelen starken Ortschaft auskennt, sagt dazu: „Wir haben in diesem Jahr reichlich Federn gelassen.“ Die „Perle“ hat vieles verloren, und der Trend ist laut Minne nicht aufzuhalten. Gleichwohl kann der 75-Jährige die riesigen Probleme der Banken verstehen, die wegen der Niedrigzinslage keine schwarze Null erreichen. Auch die nun seit der Wahl amtierende Ortsbürgermeisterin Ute Biehlmann-Sprung findet den Trend natürlich traurig. Die 57-Jährige hofft, dass die Post eine neue Bleibe findet. Die Entwicklung der Ortschaft liegt ihren Angaben zufolge aber auch am Verhalten der Bürger. „Wenn die Leute eher in Hannover als hier einkaufen, unterstützen sie nicht die Wirtschaft vor Ort“, sagt die Christdemokratin. Sie bedauert zudem auch sehr, dass bei einer Informationsveranstaltung der Sparkasse Hannover nur drei Interessierte da waren. Offenbar interessiere es die Leute nicht, beschreibt Biehlmann-Sprung die mögliche Ursache für das Desinteresse.

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Von Katerina jarolim-vormeier

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