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Ohne Sprache geht gar nichts

Langenhagen Ohne Sprache geht gar nichts

Ein Dankeschön für die zurückliegenden Tage sollte es sein, doch der Brunch für die rund 30 ehrenamtlichen Dolmetscher wurde am Wochenende schnell zum Planungstreffen für die nächsten Aktionen für die in Langenhagen untergebrachten Flüchtlinge - und zur Wahrheitsfindung.

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Manchmal kommt es auf die Details an: Um Missverständnisse zu vermeiden, wird schon mal um besondere Pünktlichkeit gebeten.

Quelle: Neander

Langenhagen. Systematischer Ladendiebstahl im Supermarkt? Stundenlange Polizeieinsätze an der Hans-Böckler-Straße? Amir winkt ab. Ja, die Gerüchte treiben ihn um. Weil er die Wahrheit kennt. „Es gibt einige wenige Menschen, die haben ein Problem mit sich und ihrer Situation und geraten in Streit mit anderen.“ Nicht mehr. Nicht weniger.

Wer im Supermarkt nachfragt oder bei der Polizeidirektion Hannover, bekommt ähnliche Antworten. Kleinigkeiten, ja, „wie mit anderen deutschen Ladendieben auch“, heißt es im Supermarkt. Die Polizei nennt einen Streit zwischen zwei Männern am vergangenen Donnerstag, der dann größer geworden sei: „Dann waren es vier Männer.“ Gegen zwei werde ermittelt. Ein Fall von mehreren, „nicht überzubewerten“.

Groß werden solche „Nickeligkeiten“, so ein Helfer, weil sie alle ein Problem eint: „Ohne Sprache geht gar nichts“, sagt Amir, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte. Weil er - seit 20 Jahren in Deutschland - sich fürchtet: davor, dass die Stimmung kippt. Dass dann auch seine Kinder darunter zu leiden haben.

Und deshalb sind die rund 30 Dolmetscher, die sich nach dem Hilferuf der Johanniter-Unfallhilfe spontan gemeldet hatten, noch immer dabei. Weil sie wissen, dass Streitigkeiten - „ein Kind nimmt den Roller von einem anderen Kind“ - nicht mal eben über den Gartenzaun zu besänftigen sind. „Weil wir es oft mit einer Reihe von Sprachen zu tun haben“, sagt Andreas von Wick, der als Johanniter-Mitglied in diesen Wochen im Grunde permanent im Einsatz ist. Das brauche Zeit. Zeit, in der der Streit schnell größer wird.

Um Missverständnisse kleinzuhalten, erklären die Helfer im Zweifel auch, warum Pünktlichkeit einen Wert hat. Der Integrationsbeirat will zudem mehrsprachige Informationen verteilen. Was die Dolmetscher in diesen Wochen aber auch gehört haben: „Die Flüchtlinge in der Hans-Böckler-Straße möchten gerne in Langenhagen bleiben“, erzählt Amir. Das hören Sozialdezernentin Monika Gotzes-Karrasch und ihr Team rund um die Integrationsbeauftragte Jystina Scharlé eigentlich ganz gerne. Hamidou Bouba vom Integrationsbeirat nennt den Grund: „Dass die Menschen sich hier so wohlfühlen, liegt an den Langenhagenern. Und dafür muss man allen danken.“

Büromaterial wird gesucht

Die Dolmetscher haben sich inzwischen miteinander vernetzt und stehen so auch im Notfall sofort parat. Für ihren Sprachunterricht haben sie jetzt die Räume des DRK an der Kastanienallee gewinnen können und suchen dafür nun jede Menge Büromaterial: Papier auch für Flipcharts, Hefte, Stifte. Zudem möchten sie mit den Kindern an der Hans-Böckler-Straße über Lieder erste Sprachbrücken bauen. Dafür wird ein Beamer ?benötigt. Überdies wären ausgediente Laptops hilfreich. Hinweise für Sachspenden bitte an Jystina Scharlé unter Telefon (05 11) 73 07 91 08. nea

Nichts als die Wahrheit

Von Rebekka Neander

Meldungen rund um Flüchtlingsheime haben inzwischen politische, vor allem aber gesellschaftliche Sprengkraft. All jene, die erzählen, wie das wirkliche Leben aussieht, und die für die meisten von uns so fremden Sprachen (und Erlebnisse) übersetzen, können deshalb gar nicht genug gelobt werden. Sie genießen das Vertrauen der Flüchtlinge. Damit die Langenhagener weiter in Verwaltung und Polizei vertrauen, sind alle gefordert, mit offenen Karten zu spielen. Mit Fingerspitzengefühl zu benennen, wann und wo es Probleme gibt, ohne etwas schönzureden. Nur dann kann es eine Lösung geben. Die oft einfacher ist, als viele befürchten.

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