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Wohin soll das Gymnasium?

Langenhagen Wohin soll das Gymnasium?

Es bleibt spannend: Soll das Gymnasium einen neuen Standort erhalten? Und wenn ja: Wo? Auf diese Fragen hat der Stadtplanungsausschuss trotz langer Debatte am Dienstag keine Antwort gefunden. Nun soll es der Bildungsausschuss am kommenden Donnerstag richten.

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Wo sollen die Gymnasiasten künftig zur Schule gehen? Klar ist derzeit nur: Die Fläche des bisherigen Schulzentrums wird auf Sicht zu klein sein.

Quelle: Archiv (Symbolfoto)

Langenhagen. Für die Verwaltung erschien alles ganz klar: Das neue Gymnasium wird auf der Grünfläche an der Rennbahn gebaut. Dies, so beendete Stadtbaurat Carsten Hettwer am Dienstagabend eine durchaus kontroverse Diskussion im Stadtplanungsausschuss, habe er als eindeutigen Auftrag aus der Lenkungsgruppe mitgenommen. Der rund 50 Personen umfassende Kreis mit Vertretern aus Stadt, Lehrern, Schülern, Eltern und Politikern habe einhellig die vom Steuerungsbüro Constrata favorisierte Lösung mitgetragen. Dass vor allem die SPD jetzt erneut einen Verbleib beider Schulen am Standort samt Umzug der Sportanlagen in den Stadtpark geprüft haben will und deshalb den für diesen Dienstag vorgelegten Beschlussantrag auf Umzug des Gymnasiums an die Rennbahn vertagen wolle, überrasche ihn sehr.

Den der Sitzung folgenden Rektoren von Gymnasium und IGS, Matthias Brautlecht und Timo Heiken, ging es sichtbar ähnlich. Gleichwohl: Die Diskussion bleibt offen. Mindestens bis kommenden Donnerstag. Dann tagt der Bildungsausschuss, der nun wohl ein paar mehr Gäste zu erwarten hat. Auf Vorschlag von Marco Brunotte (SPD), der am Dienstag dann doch noch einige Detailinformation zum Rennbahnstandort einforderte, soll der Stadtplanungsausschuss einfach dazu kommen. "Constrata möchte uns bitte bis dahin alle offenen Fragen beantworten, damit wir über den Beschlussvorschlag noch in der August-Ratssitzung abstimmen können."

Neben der SPD, die den Rennbahnstandort unmittelbar nach Vorstellung des Constrata-Gutachtens zu möglichen Neubau-Varianten des Schulzentrums noch unterstützt hatte, stehen inzwischen weitere Ideen im Raum. So befürworten die Grünen, wie Ratsfrau Maren Rietschel ausführte, eindeutig die Trennung des Gymnasiums von der IGS, wollen aber aus ökologischen Gründen einen Neubau an der Leibnizstraße. Ein Areal, das von Constrata aus verkehrlicher Sicht als problematisch eingestuft und grundsätzlich als fast zu klein bezeichnet hat.

Fraglich ist für die SPD vor allem, welche Chancen eine Stadtbahnverlängerung vom Stadtzentrum zur Rennbahn hat. Bei der Region, so Hettwer am Dienstag, erfülle der Standort die Erfordernisse zu "96 Prozent - an anderen Orten hat die Region schon bei knapp über 90 Prozent gebaut", beschwor Hettwer die Politiker. Der Stadtbaurat berichtete, der zuständige Dezernent Ulf Birger Franz habe ihm zugesagt, die prognostizierten Fahrgastzahlen um die Schülermengen zu erweitern und ihm die daraus resultierende Bewertung kundzutun. Aus Kreisen der SPD wurde am Rande der Sitzung indessen eine Mail Birgers kolportiert, die einen Gleisbau deutlich in Frage stelle.

Einzig die CDU-Vertreterin Claudia Hopfe plädierte in der Sitzung vehement für den Verwaltungsvorschlag. "Das Gymnasium braucht eine schnelle Lösung, die für alle gut ist", forderte sie. Der Vorschlag von BBL-Mitglied Jens Mommsen, beide Schulen an die Rennbahn umzusiedeln, fand letztlich keine Befürworter. Mommsen zog den Antrag zurück. Sein BBL-Mitstreiter Werner Knabe hatte sich in einem Schreiben an diese Zeitung bereits von dem Vorstoß deutlich distanziert.

Hettwer ließ auch Einwände aus dem Publikum, das Rennbahngrundstück eigne sich aufgrund naher Biotope nicht für einen Schulbau, nicht gelten. "Wir haben die Amphibien und das Grundwasser und auch ein eingetragenes Biotop in der Nähe sehr wohl geprüft", betonte Hettwer. "All diese Aspekte sind da, aber sie sind abarbeitbar."

Ob die Planung des Schulzentrums wie geplant voranschreiten kann, hängt jetzt an Constrata. Bis kommenden Donnerstag sollen dessen Mitarbeiter nachvollziehbar prüfen, welche Bauzeiten zu erwarten sind, wenn ein Sportplatz im Stadtpark und das Gymnasium auf dem bisherigen Sportgelände neu gebaut werden würde. Die Sitzung beginnt um 17.45 Uhr im Ratssaal.

Kommentar

Vertrauen in Gefahr

"Wir wollen, was die Schulen wollen." So hieß es noch vor wenigen Wochen unisono im Rat. Der rot-grüne Mehrheitsbeschluss, unbedingt beide Schulen am Standort im Stadtzentrum zu behalten, sei nur ein "Richtungsentscheid", aber kein Dogma. Leider hatten diese Worte keine allzu lange Halbwertszeit. Mehr noch. Selbst unlängst noch das hoch und heilig erklärte Tabu, im Stadtpark dürfe keinesfalls gebaut werden, gilt nicht mehr.  Kleine Tode müsse jeder sterben, heißt es dazu aus der SPD.

Welches Spiel die Politik mit Schülern und Lehrern auch immer gerade treiben mag, es ist kaum zumutbar. Richtig: Eine Entscheidung zum Schulzentrum muss mit Zeit und Sorgfalt getroffen werden. Aber das darf keinesfalls bedeuten, dass auf ein Hü noch ein paar mal Hott und wieder Hü im politischen Plenum gebrüllt werden darf. Dieser Wankelmut ist ein fatales Signal für alle Erstwähler.

Von Rebekka Neander

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