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Hat Dieb das Messer gezückt?

Langenhagen Hat Dieb das Messer gezückt?

Es klingt spektakulär: Ein Ladendieb stürmt mit seiner Beute aus dem CCL, wird dabei gestellt und zu Fall gebracht. So weit, so geständig. Doch beim Prozessauftakt wird klar: Zur Frage, ob der Dieb auch mit einem Messer gedroht hat, werden Antworten gesucht. Am Dienstag geht der Prozess weiter.

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Der Prozess gegen den Ladendieb wird am Dienstag im Landgericht Hannover fortgesetzt.

Quelle: Finn (Symbolbild)

Langenhagen. Am 16. Juni dieses Jahres fuhr der 29-jährige Angeklagte von Hamburg nach Hannover, zog durch verschiedene Nachtclubs, konsumierte Alkohol und Kokain, und saß schließlich gegen 19.30 Uhr in einem Café des CCL mit Blick auf eine Parfümerie. Der übernächtigte 29-Jährige, nur mit Jeans und Pulli bekleidet, griff sich die Jacke eines Freundes, ging ins Geschäft und verstaute drei Artikel im Warenwert von 250 Euro in der schwarzen Jacke. „Die Waren wollte ich gegen eine Rückfahrkarte tauschen“, beteuerte der Mann jetzt vor dem Landgericht Hannover.

Aber der Personalschlüssel für einen erfolgreichen Diebstahl war an diesem Sommerabend besonders ungünstig. Außer dem Beklagten und einer Kassiererin war kurz vor Ladenschluss nur noch der firmeneigenen Detektiv zugegen. Er beobachtete den Diebstahl, ließ den jungen Mann mit der gefüllten Jacke ungehindert aus dem Geschäft gehen und sprach ihn dann in der Ladenpassage an.

Soweit decken sich die Aussagen, die Klauerei ist unbestritten. Ob es möglicherweise mehr war, weil in der Jackentasche ein Messer war, das der Angeklagte beim anschließenden Disput mit dem Ladendetektiv in der Hand gehalten haben soll, wird nun zur entscheidenden Frage: Handelt es sich bei der Tat um schweren räuberischen Diebstahl oder nur Diebstahl, wofür Verteidiger Christoph Rautenstengel kämpft. Die vorsitzende Richterin Renata Bürgel sowie die beisitzende Richterin Andrea Jans-Müllner fragten ebenso wie die beiden Schöffinnen beim Angeklagten und den Zeugen immer wieder detailliert nach, um sich ein genaues Bild vom Ablauf machen zu können.

Die Waffe selbst, ein Haushaltsmesser mit abgebrochenem Griff, wirkte wenig professionell. Der Ladendetektiv sagte aus, er habe sich natürlich durch die Waffe bedroht gefühlt, aber deshalb keine Folgeschäden wie Alpträume. "Diese Situationen kommen in der Sicherheitsbranche, in der ich arbeite, vor." Nachdem der Ladendetektiv die Polizei hinzuholen wollte, versuchte der Angeklagte zu flüchten. Er rannte mit großem Schwung nacheinander gegen mindestens zwei Glastüren – sie waren defekt und bewegten sich nicht.

Da die entscheidenden Momente im Eingangsbereich des CCL spielten, müsste es Videoaufzeichnungen vom Geschehen geben. Aber diese lagen dem Landgericht zu Prozessbeginn ebenso wenig vor wie Informationen, ob der Beschuldigte auch Drogen mit sich führte. Da er als suchtkrank und depressiv gilt, sowie nach eigenen Angaben Diazepam konsumiert, wurde Psychiater Tobias Bellin als Gutachter bestellt.

Dieser kam am ersten Prozesstag allerdings noch nicht zu Wort. Dennoch fiel der Begriff "schuldig" im Verlauf der rund dreistündigen Verhandlung immer wieder: Der entwendete Herrenduft heißt "Guilty", kostet zwischen 40 und 80 Euro oder Haft, je nach Beschaffungsart. Die öffentliche Verhandlung wird am Dienstag, 22. November, von 13 Uhr an fortgesetzt.

Von PATRICIA CHADDE

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