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Rat: Gymnasium zieht an die Rennbahn

Langenhagen Rat: Gymnasium zieht an die Rennbahn

Es ist ein historischer Fingerzeig: Der Rat hat am Mittwoch in einer Sondersitzung den Weg geebnet für einen Neubau des Gymnasiums an der Rennbahn. Wenn im Zuge der jetzt folgenden Gutachten keine Probleme auftauchen, kann frühestens in eineinhalb Jahren mit einem Bau begonnen werden.

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Voll wie selten ist der Ratssaal während seiner Sondersitzung zum Umzug des Gymnasiums.

Quelle: Neander

Langenhagen. Es war eine denkwürdige Abstimmung. Denn nur 15 der 36 anwesenden Ratsmitglieder stimmten tatsächlich für den Vorschlag der Verwaltung, nach dem das Gymnasium auf dem ehemaligen Golfplatz zwischen Theodor-Heuss-Straße und dem Regenrückhaltebecken an der Rennbahn neu gebaut werden soll. 16 Politiker, darunter die komplette SPD-Fraktion, enthielten sich der Stimme. Nur die fünf Mitglieder der Grünen stimmten gegen den Vorschlag und blieben bei ihrem Vorstoß, das Gymnasium an der Leibnizstraße neben dem Gelände des SC Langenhagen zu errichten.

Die Aussprache vor dem Beschluss nutzten alle Parteien und Gruppierungen für eine Erneuerung ihrer in den 16 Monaten seit der Kunde vom drohenden Abriss des Schulzentrums angeführten Argumente. Dies galt auch für die SPD, die ihren Antrag auf Verbleib beider Schulen am Standort erst in der Sitzung des Verwaltungsausschusses unmittelbar vor der Ratssitzung zurückgezogen hatte. Bemerkenswert war in der Rede von SPD-Fraktionschef Marc Köhler die deutliche Kritik am bisherigen Koalitionspartner. Die Grünen hatten sich in den vergangenen Wochen ausdrücklich vom bisherigen gemeinsamen Antrag mit der SPD distanziert und den Neubau an der Leibnizstraße favorisiert. Den Mehrheitsbeschluss im Fachausschuss zugunsten der Rennbahn Ende September hatte Grünen-Ratsfrau Ulrike Jagau als "Schwarzen Tag" für Langenhagen bezeichnet. Dem widersprach Köhler mit Nachdruck. Das letzte, das Langenhagen jetzt brauche, sei zudem eine Hängepartie. "Deshalb muss es jetzt einen Beschluss geben."

Grünen-Fraktionschef Dirk Musfeldt skizzierte noch einmal ausführlich, warum seine Partei einen Neubau an der Leibnizstraße ohne Zweifel unterstütze. Vor allem die Synergien mit dem benachbarten Sportclub Langenhagen seien bislang in keinem Gutachten bewertet worden. Auch verliere die Untersuchung des begleitenden Ingenieur-Büros Constrata kein Wort über Umweltaspekte. Dies jedoch an keinem der Standorte.

Dass die Argumente der Grünen gegen das Areal an der Rennbahn durchaus Gehalt haben, ließ auch Bürgermeister Mirko Heuer (CDU) gegen Ende der knapp zweistündigen Debatte durchblicken. Probleme gebe es an allen in Rede stehenden Standorte. Doch am Ende habe sich die Verwaltung dem Votum der Fachplaner angeschlossen, nachdem an der Neuen Bult die Zahl der Vorteile überwiege. So müsse auch an der Leibnizstraße Baurecht erst noch erlangt werden. Und auch gehöre das Areal nur zu einem kleinem Teil der Stadt. "Und welchen Preis der Eigentümer der verbleibenden Fläche nun für die Stadt aufrufen möchte, wissen wir derzeit auch nicht." Damit begegnete Heuer den Befürchtungen von Grünen-Fraktionschef Dirk Musfeldt, die Stadt begebe sich an der Rennbahn in die Abhängigkeit Dritter. So muss Langenhagen die dort notwendigen rund 50.000 Quadratmeter der Landeshauptstadt Hannover abkaufen. Und auch der Rennverein erwartet aus dem Geschäft eine weiterhin regelmäßige Einnahme aus der Fläche. Bislang konnte er als Erbpachtnehmer das Areal zu seinen Gunsten vermarkten.

Wie geht es weiter?

• Grundstückskauf: Erste informelle Gespräche zwischen Stadt, Rennverein und Landeshauptstadt hat es bereits gegeben. Darin zeigten sich alle Parteien aufgeschlossen. Das erste offizielle Gespräch soll in der ersten Novemberhälfte, heißt es im Rathaus. Der Preis für die Fläche ist offen. Ebenso ist unklar, wo und in welcher Qualität die Stadt sogenannte Ausgleichsflächen entwickeln und womöglich dafür noch erwerben muss.

• Umweltprüfung: Die Fläche selbst ist in verschiedenen Gutachten bereits thematisiert worden. Unter anderem in einer Prüfung der Auswirkungen auf das innerstädtische Klima, die 2009 der Stadt vorgelegt worden ist. Die Aussagen darin sind im Rathaus umstritten. Die Grünfläche zwischen Regenrückhaltebecken und Theodor-Heuss-Straße wurde bislang als Park- oder Golfplatz genutzt. Dennoch gilt sie als hochwertiges Areal. Schützenswerte Kröten wurden indessen nur weiter östlich jenseits der Wasserfläche ausgemacht. Für das Bauleitplanverfahren muss nun unter anderem ermittelt werden, in welcher Anzahl und wo genau die bereits identifizierten Tiere und Pflanzen vorhanden sind.

• Grundwasser: Das sehr nah unter der Erde angelagerte Grundwasser wird immer wieder als Gegenargument gegen die Rennbahn-Fläche herangezogen. Tatsächlich aber sind auch für das Grundstück an der Leibnizstraße ähnliche Werte ermittelt worden. Im Gegensatz zum Schwimmbad aber werde nach Aussage der Bauverwaltung die Schule dort ohne Keller gebaut.

• Verkehr: Für zwei bislang ermittelte Voruntersuchungen hat die Stadt Daten aus dem Verkehrsentwicklungsplan und der Schwimmbad-Planung herangezogen. Eingerechnet wurden zudem die prognostizierten Schülerzahlen der kommenden Jahre. Über die Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr ist auf Arbeitsebene bereits zwischen Stadt und Region Hannover gesprochen worden. Details, so heißt es, würden Region und Üstra jedoch erst im Jahr der Eröffnung vorlegen. Dies gelte auch für die Anbindung des Schwimmbades. Man könne vorhandene Bus- und Stadtbahnverbindungen erst an die dann geltenden Fahrpläne anpassen.

• Bauleitplanung: Für das Areal an der Rennbahn gibt es bereits einen veralteten Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan. Dieser aber soll auf die neuen Bedürfnisse angepasst wiederholt werden. Die Stadt wird dazu jetzt Träger öffentlicher Belange und Behörden beteiligen und deren Wünsche und Bedenken einholen. Dazu gehören auch Umweltprüfungen und natürlich eine Sondierung auf Kampfmittel. Die Stadt darf jedoch nicht zwei Standorte parallel vorbereiten. Dies lässt das Baugesetzbuch nicht zu. Gleichwohl, heißt es im Rathaus, werde man inoffiziell vergleichbare Informationen zur Sicherheit auch für Alternativen zur Rennbahn sammeln. Wenn alles gut läuft, könne frühestens in gut eineinhalb Jahren mit dem Bau begonnen werden. 

Von Rebekka Neander

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