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Reinigung entzweit die Stadt

Langenhagen Reinigung entzweit die Stadt

Die rotgrüne Mehrheitsgruppe möchte am Montag im Rat ein Projekt beschließen, das so heftig wie kaum ein Vorhaben sowohl Verwaltung als auch Politik entzweit. Alle Aufträge an Reinigungsunternehmen, die in 2016 auslaufen, soll die Stadt selbst übernehmen.

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Wenn es nach der rotgrünen Mehrheitsgruppe in Langenhagen geht, soll demnächst in allen kommunalen Liegenschaften wieder eigenes Personal putzen.

Quelle: Junker

Langenhagen. Wer Recht hat in diesem Streit, wird wahrscheinlich nie bewiesen. Denn für jede Position gibt es ein entsprechendes Gutachten, für jede Erfahrung eine Kommune mit entsprechendem Projekt. So wird am Montag um 18 Uhr im Rat wohl vor allem die Politik ihre Sicht der Dinge durchsetzen: Danach soll das seit einem Jahr laufende Pilotprojekt zur Eigenreinigung ausgeweitet werden. Anstelle aller im nächsten Jahr endenden Verträge mit Gebäudereinigern möchte die rotgrüne Ratsmehrheit die Stadt selbst als Arbeitgeber positionieren.

Basis dieses Antrages ist ein gut 90-seitiger Bericht des Fachdienstes Gebäudewirtschaft. Darin wird dem Eigenreinigungs-Projekt an der Brinker Schule, der Kita Krähenwinkel und den Büros am Frankenring ein großer Erfolg attestiert: hohe Zufriedenheit der Nutzer und der Arbeitskräfte, zudem ein äußerst geringer Krankenstand. Daher die Empfehlung: Die Eigenreinigung solle schrittweise auf alle kommunalen Liegenschaften ausgeweitet werden.

Das hat im Rathaus Gegenrede provoziert. Der Bericht sei nicht vollständig. Es fehle unter anderem an „Overhead“-Kosten an anderen Stellen der Verwaltung. Bürgermeister Mirko Heuer hatte deshalb ein weiteres Papier in Auftrag gegeben - beim Fachdienst Finanzen. Darin wird unter anderem gemahnt, man müsse vor einer weiteren Ausweitung des Stellenplans unbedingt neue Berechnungen anstellen. Ein Beschluss über den rotgrünen Antrag sei in jedem Fall zu vertagen. Im Finanzausschuss kam die Mehrheitsgruppe dieser Bitte nicht nach. Der Antrag wurde für den Rat empfohlen.

Wer Kommunen nach dem Preis für einen sauberen Quadratmeter fragt, bekommt stark variierende Antworten. Seit Jahren wird über Eigen- oder Fremdreinigung diskutiert. Dabei geht der Streit meist immer um dieselben Aspekte: Festanstellung der Reinigungskräfte. Doch nur größere Reinigungsfirmen könnten sicherstellen, dass ältere Mitarbeiter von Schulen und Kindergärten in pflegeleichtere Bürogebäude versetzt werden, heißt es aus der Branche. Kommunen seien dafür zu klein.

Kontrolle und Ziele: Die hohe Zahl der Klagen zur Qualität der Reinigung hängt, wie es wiederholt heißt, an mangelnder Kontrolle der Stadt. Zeitgleich klagen Kommunen, ihre Mängelanzeigen würden von den Firmen nicht umgesetzt. Beschwerden von Vereinen über abendlich dreckige Sporthallen seien schlimm – aber hausgemacht. Auftrag der Stadt ist eine saubere Halle für die Schüler am Morgen.

Kostenrechnung: Der Bericht der Gebäudewirtschaft nach Ende des Pilotprojektes wurde verwaltungsintern als „zu euphorisch“ tituliert. Würden alle kommunalen Objekte künftig von der Stadt gereinigt, müssten 109 Reinigungskräfte angestellt werden, die bei einem Meinungswechsel nicht einfach zu entlassen wären. Auch die Personalabteilung müsse aufgestockt werden, um nur einen Bestandteil der „Overhead“-Kosten zu nennen. Umfragen bei Kommunen liefern dazu zwar Zahlen. Diese unterscheiden sich aber teilweise um das Zehnfache voneinander. Der von Rot-Grün jetzt vorgeschlagene Schritt beträfe 23 weitere Stellen. Für das bestehende Pilotprojekt wurden zehn Arbeitskräfte eingestellt.

Geht auch beides? Das Pilotprojekt solle im ersten Schritt ausgeweitet und danach beide Systeme von Fremd- und Eigenreinigung fortgesetzt werden. So schlägt es Rot-Grün vor. Genau dies aber wurde im Rathaus bislang abgelehnt. Rot-Grün möchte das nun auszuweitende Pilot-Modell nach einem Jahr erneut bewerten, bevor es um eine Komplettübernahme geht.

Zeitplan: Ob tatsächlich alle Verträge gemäß des Antrages übernommen werden können, ist fraglich. Dem Vernehmen nach laufen die ersten Verträge bereits Anfang 2016 aus. Für sie käme der Antrag unter Umständen zu spät.

von Rebekka Neander

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