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Jenseits aller Peinlichkeiten

Langenhagen Jenseits aller Peinlichkeiten

Der BfK-Mitgründer Markus Villwock hat ein neues Projekt, diesmal ein recht persönliches. Der schwergewichtige Mann will massiv abnehmen und geradezu öffentlich. Das Echo seiner Aktion hat ihn überwältigt. Denn neben viel Zuspruch melden sich auch viele, die ihm nacheifern wollen.

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Trainiert inzwischen auch im heimischen Wohnzimmer zur Freude der Hunde: Markus Villwock rückt seinem Übergewicht öffentlich zu Leibe und erntet dafür viel Zuspruch.

Quelle: Neander

Kaltenweide. Doch, auch Markus Villwock kennt eine Schmerzgrenze. Das mag für jene, die den Mitbegründer des Bürgervereins für Kaltenweide sonst nur als leidenschaftlichen Kämpfer für Flüchtlingsrechte und Kinderbetreuungsplätze erleben, vielleicht überraschend klingen. "Nein. Die Fotos, die wir am Anfang schonungslos von meinem nackten Oberkörper gemacht haben, die werde ich garantiert nicht veröffentlichen."

Vor den Mund aber nimmt er kein Blatt: "Ich bin nicht dick. Ich bin fett." Und damit jenseits der meisten Peinlichkeiten. Villwock hat ohnehin die Nase voll von den Beschwichtigungen und Verdrängungsstrategien der Vergangenheit. Mit gutem Grund. Mehrere Operationen an den Knien haben den einstigen Kampfsportler über Monate aus der Bahn geworfen und zeitweise in den Rollstuhl verbannt. Dass Ursprung der Misere ein Tritt gegen das Knie war, ist noch immer richtig. Genauso aber, dass sein über die Jahre deutlich gewachsenes Übergewicht den Gelenken inzwischen kaum Chance zur Genesung bietet.

Der letzte Auslöser der jetzt so grundlegend wie öffentlich begonnenen Abnehm-Strategie allerdings war die Nachricht über einen hiesigen Radio-Moderator: "Der hat sich seinen Magen verkleinern lassen, weil alle Diät-Versuche fehl geschlagen sind", beschreibt Villwock seine zweite Schmerzgrenze. "Das wollte ich nun allerdings nicht."

Ziel ist: Dass Brust-, Bauch- und Hüftumfang nicht mehr dieselben Werte zeigen. Von 152 Kilogramm runter auf 120, "und später dann vielleicht sogar wieder runter auf 100 Kilo". Das will er. Und damit sein innerer Schweinehund genauso hört wie seine beiden Französischen Bulldoggen, die während des Gesprächs fröhlich durchs Wohnzimmer toben, hat sich Villwock Zeugen gesucht. Unter anderem auf einer Facebook-Seite ("Dick und fit"), die der Informatik-Spezialist eigens kreiert hat - und auf der er seither auf einer Woge von Zuspruch getragen wird. Gut 1500 Menschen verfolgen dort inzwischen, wie Villwock sein Training aufgebaut und seine Ernährung umgestellt hat.

"Was mich aber ebenso beeindruckt, ist die Vielzahl der Menschen, die sich mir anschließen wollen. Die genauso lange schon auf den letzten Auslöser gewartet haben, um sich endlich aufzuraffen." Denn das Vorhaben ist buchstäblich kein Kleines. Villwock hat sich deshalb auch professionelle Hilfe gesucht. Ulrike Dörge betreut ihn als Trainerin und überwacht, dass Villwock seinem Körper auch unter ärztlicher Kontrolle zu Leibe rückt. Blutdruck, Stoffwechselwerte, orthopädische Betreuung seiner weiter genesenden Knie will der Kaltenweider ebenso wenig aus dem Blick verlieren wie die zu messenden Leibesumfänge.

Den Humor lässt sich Villwock dabei nicht nehmen. "Jetzt weiß ich erst, wie anstrengend dieses Beine-Bauch-Po-Training wirklich ist, von dem die Frauen sonst immer erzählen." Sagt's und lacht. Darf er auch. Er macht es sich nicht leicht. Vom Zuckerrausch der Limonaden hat er sich inzwischen mühsam entwöhnt. Statt Brathähnchen im Halbdutzend gibt es jetzt selbst getrocknete Gemüse-Chips. Regelrechte Diät halten will Villwock nicht. "Aber eigentlich nur noch Nahrung essen, die erkennen lässt, woraus sie besteht." Heißt: keine versteckten Fette oder Zusatzstoffe, nicht übermäßiges Salz in Fertiggerichten.

Ein erster Erfolg lässt sich bereits ablesen. Nicht nur auf der Waage. Unlängst auf der Couch, dort, wo er kurz zuvor noch das Angebot seiner Frau verlacht hatte, sie könne ihm auch warme Socken stricken - da "habe ich mir eine Decke geholt. Mir war echt kalt."

Von Rebekka Neander

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