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Segen für engagierte Unternehmer

Langenhagen Segen für engagierte Unternehmer

Der Wirtschaftsklub frühstückt erstmals in einer Kirche – aus gutem Grund: Das Familienzentrum Emma & Paul kämpft um Zuschüsse.

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Rund 80 Gäste nahmen die Aufforderung, gemeinsam Adventslieder in der Pauluskirche zu singen, dankbar und lautstark an.

Quelle: Rebekka Neander

Langenhagen.  Tue Gutes und rede darüber. Klingt simpel, zeigt oft Wirkung – und ist trotzdem kein Selbstläufer. „Wissen Sie eigentlich, dass ich in jedem Jahr dem Wirtschaftsprüfer erklären muss, dass wir Mitglied im Wirtschaftsklub sind?“ Nein, dieses Detail aus dem Munde von Superintendent Holger Grünjes war den rund 80 Gästen beim 146. Businessfrühstück des Wirtschaftsklubs unbekannt. Und wäre der für den Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen zuständige Wirtschaftsprüfer an diesem Morgen anwesend gewesen, er hätte sofort erkannt, warum der Mitgliedsbeitrag eine lohnenswerte Investition ist.

Orgelkonzert wird versteigert

Denn während der zwei Stunden im Familienzentrum Emma&Paul, gemeinsam getragen von Emmaus- und Paulus-Gemeinde, erfuhren die Unternehmer eine Menge über die Angebote für alle Altersstufen und Sozialschichten. Vor allem aber zahlte sich die Rolle als Gastgeber buchstäblich aus: Bei der besonderen Versteigerung eines exklusiven Orgelkonzertes mit Kantor Arne Hallmann in der Elisabethkirche steuerten die Unternehmer aus dem gesamten Nordosten der Region letztlich 1000 Euro bei, überdies spendet der Wirtschaftsklub unter anderem sämtliche Einnahmen aus dem Frühstück, das pro Person mit 15 Euro zu Buche schlägt. Hinzu kommt eine Spende der Bürgerstiftung Langenhagen. Insgesamt kamen an diesem Morgen 4550 Euro für das Familienzentrum zusammen.

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Erstmals hat der Wirtschaftsklub zu einem Business-Frühstück in einer Kirche eingeladen. 

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Dass diese Spenden nicht nur einen guten Zweck erfüllen, sondern auch dringend benötigt werden, erläuterten die Koordinatorinnen Anke Kappler und Annika Kruse sowie der für Fundraising zuständige Marcus Dohm. „Das Familienzentrum kostet im Jahr 50.000 Euro“, berichtete Dohm im Interview mit Marena Heuer und Olaf Krause vom Wirtschaftsklub. „Zehn Prozent davon müssen wir in jedem Jahr über Spenden leisten.“ Die übrige Grundfinanzierung übernehmen der Kirchenkreis und Einrichtungen der Diakonie wie der Second-Hand-Laden Edelmut in Burgwedel. Und die Stadt Langenhagen: Im Jugendhilfeausschuss geht es in der nächsten Sitzung am 14. Dezember um den neuerlichen Zuschussantrag. 

Antrag für den Jugendhilfeausschuss

8000 Euro, so ist in der  Drucksache 2017/526 zu lesen, hat das Familienzentrum bereits im laufenden Jahr bekommen. Dieses soll nach Einschätzung der Verwaltung auch künftig so sein. Die Stadt hatte ihren anfänglichen Zuschuss von 3000 Euro, später 5000 Euro, gesteigert, nachdem die Landeskirche nach Ende ihrer auf fünf Jahre begrenzten Anschubfinanzierung ausgestiegen war. Auch der Kirchenkreis hatte damals sein Engagement gesteigert. 

Bleibt Gemeinde im Dorf?

Der Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen steht vor einer womöglich umwälzenden Veränderung, ist dabei jedoch nicht alleine. Die bevorstehende Reform der Verfassung der Landeskirche stellt allen Gemeinden eine große Aufgabe: „Wir müssen uns fragen, was Kirche ist, was Kirche will und wie wir in Zukunft überhaupt eine Gemeinde definieren.“ Superintendent Holger Grünjes sieht darin eine so spannende wie chancenreiche Herausforderung. Gleichwohl sind sich Grünjes und Kirchenkreistagsvorstand Friedrich Engling einig in der Bewertung des Konfliktpotentials dieser Fragestellung. 

Im Kern geht es um die Zukunft. „Wir müssen uns den Zeichen der Zeit stellen“, sagte Engling jetzt im Gespräch mit dieser Zeitung, „und anerkennen, dass es längst Gemeindeformen gibt, die nicht auf den dörflichen Kirchturm konzentriert sind.“ Hochschul-Gemeinden, Gemeinden am Urlaubsort oder auch im Internet seien beachtenswerte Zusammenschlüsse. „Sie bieten Kirche gerade auch in Zeiten sinkender Mitgliederzahlen eine große Chance“, betonte Engling. Für ihn drückt das Bild von einer Kirchen mit neuen Türen und Fenstern am besten aus, wie er sich eine neue Gemeinde-Idee vorstellen möchte. „Wir müssen dafür sorgen, dass sich diese Türen und Fenster öffnen lassen.“ Auch in der Seelsorge etablierten sich neue Formen. „Der Bereich der Chat-Seelsorge im Internet wächst stark“, berichtet Andrea Hesse, die ihre Stelle zu gleichen Teilen im Kirchenkreis sowie im neu geschaffenen landeskirchlichen Zentrum für Seelsorge ausfüllt. Erst wenn diese neuen Inhalte geklärt sind, soll es um die Frage der künftigen Finanzstruktur der Gemeindeförderung gehen. 

Auch zwei weitere Artikel der neuen Verfassung sind für die Gemeinden relevant: In der Definition der Aufgaben des Kirchenkreises wird die Bedeutung der örtlichen Gemeinden deutlich gestärkt. Bei der Wahl für den Kirchenkreistag ist künftig Bedingung, dass mindestens zwei der berufenen Mitglieder jünger als 27 Jahre sein müssen. 

Die Gemeinden sollen sich an der neuen Verfassung beteiligen. Bis Ende des Jahren können alle Gemeindemitglieder im Internet unter  Kirchenverfassung2020.de ihre Ideen beisteuern. Bis zum Herbst 2019 sollen diese Beiträge ausgewertet werden und in eine neue Verfassung fließen. Sie tritt im Januar 2020 in Kraft. 

Von Rebekka Neander

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