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Stadt prüft für Gymnasium weitere Flächen

Langenhagen Stadt prüft für Gymnasium weitere Flächen

Jetzt nehmen die Schüler das Heft in die Hand: Zum Neubau des Gymnasiums haben sie Politiker zu einer Diskussion eingeladen. Dabei wurden nicht nur Pläne für eine bessere Kommunikation geschmiedet. Die Schüler entlockten dem Bürgermeister auch spannende Details - wie zu den Rieselfeldern.

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Eigentlich war die Diskussion nur Bestandteil des Politik-Unterrichts. Doch die dreistündige Diskussion mit Kommunalpolitikern hat allen Beteiligten klar gemacht: Die bestehenden Kanäle zur Kommunikation funktionieren nicht.

Quelle: Neander

Langenhagen. Fürs Leben lernen: Diese Lektion erfahren die Schüler des Gymnasiums Langenhagen in diesen Wochen deutlich wie selten. Denn der bevorstehende Neubau ihrer Schule zeigt vieles: Wie Politik funktioniert und so sperrige Dinge wie ein Bauleitplanverfahren, wie Ratssitzungen ablaufen (können) oder auch, welche Folgen ein überaus spontane Demonstration auf der Straße haben kann. Eine rund dreistündige Diskussion eines Politik-Kurses mit einigen Kommunalpolitikern hat jetzt aber noch etwas gezeigt: Die bestehenden Kommunikationskanäle funktionieren - gar nicht.

Dabei gibt es eigentlich viele gute Nachrichten für die Schüler: Die Stadt, lässt Bürgermeister Mirko Heuer wissen, bereitet gerade alles für die weiteren nötigen Beschlüsse vor, damit der Neubau an der Neuen Bult so bald als möglich beginnen kann. Rechtlich kann ein solches Verfahren nur für einen Standort eingeleitet werden. "Wir prüfen aber intern zur Sicherheit auch vergleichbare Belange für das Areal an der Leibnizstraße und auch für die Rieselfelder." Diese Grünfläche schräg gegenüber der Rennbahn ebenfalls an der Theodor-Heuss-Straße gelegen sei derzeit jedoch noch politisch nicht gewollt. "Die Rieselfelder sind aus verschiedenen Gründen ein guter Standort", ergänzte Heuer. "Manche sagen sogar, es sei der beste Standort."

Für die Fläche an der Rennbahn beginnen in absehbarer Zeit die ersten offiziellen Gespräche mit der Eigentümerin, der Landeshauptstadt Hannover, und dem Rennverein Hannover als Erbpachtnehmer. "Wir freuen uns auf die ersten Gespräche", sagte Rennvereinschef Gregor Baum jetzt auf Nachfrage dieser Zeitung. "Wir sind zuversichtlich, für die drei Parteien eine positive und ergebnisorientierte Lösung hinzubekommen." Grundsätzlich habe der Rennverein seine Bereitschaft signalisiert. "Die Schule passt dahin und es lassen sich sicherlich Synergien finden." Über weitere Details könne man nach dem Beginn der Gespräche reden. Baum versteht sich als "verlässlicher Partner" in diesen Verhandlungen. Der Rennverein werde ohne Zeitdruck in die Gespräche hineingehen.

Die Kritik der Schüler im Überblick

Das Treffen ist Bestandteil des Seminarfaches Politik, Gastgeberinnen sind die Schülerinnen Tina Meyerhof und Gina-Marie Greif. "Politische Kommunikation am Schulneubau des Gymnasiums" ist die letztlich dreistündige Debatte überschrieben. Im deren Verlauf offenbaren sich während eines Rundganges viele alte Mängel im Gebäude, in der Diskussion aber auch viele überraschende Kritikpunkte. Die Schüler entwerfen auch Lösungen, die die Gäste mit Applaus quittieren.

• Informationen : "Wie wäre es, wenn die Interessengruppen der Schule, also Schüler und Lehrer, im Rat vertreten wären?" Die Frage dieses Zwölfklässlers klingt für Unwissende sehr schlüssig. Die vier Kommunalpolitiker im Raum M18 aber nicken geduldig. Gibt es alles schon. Nächster Versuch: "Warum sind nirgends die Termine der Rats- und Ausschusssitzungen nachzulesen?" fragt eine Schülerin. "Alle Termine sind sowohl auf der Homepage der Stadt als auch in den amtlichen Bekanntmachungen mit der gesamten Tagesordnung rechtzeitig einsehbar", entgegnet Bürgermeister Mirko Heuer. Korrekt, und doch hat es sich zu diesem Oberstufenkursus nicht herumgesprochen. Mehr noch: Die bestehenden Gremien wie der Schulelternrat oder auch die Schülervertretung werden von den Jugendlichen offenkundig nicht wahrgenommen. Auch was in der sogenannten Lenkungsgruppe für den Schulneubau besprochen wird, kommt bei den Schülern im Detail nicht an.

• Standort Neue Bult: Während der Diskussion beklagen die Politik-Schüler, dass die nun favorisierte Fläche an der Theodor-Heuss-Straße zu weit vom Stadtzentrum entfernt liege, um weiterhin von älteren Schülern oder Lehrkräften während der Schulzeit erreicht werden zu können. Auch werden Sorgen laut, der nur einseitige Geh- und Radweg an der Theodor-Heuss-Straße werde durch die Schüler überlastet. Unklar sei auch, ob eine sichere Querung der Straße gewährleistet werden kann während der Stoßzeiten. Diesen Punkten halten die Politiker jedoch Argumente entgegen. "Verkehr gibt es überall in Langenhagen", sagt BBL-Fraktionschef Jens Mommsen den Gymnasiasten. "Zudem ist Langenhagen verwöhnt bezüglich kurzer Wege. Andere Kommunen sind dabei deutlich stärker belastet."

Willy Minne (SPD) lobt die Schüler ob ihrer Kritik. "Wir müssen diese Probleme abarbeiten." Gleichwohl warne er davor, den Plan in Details schlecht zu reden. Auch Heuer skizziert Lösungen: "Wir müssen die Mensa am Gymnasium so aufpimpen, dass sie von Schülern und Lehrkräften gern genutzt wird." Anmerkungen der Schüler, es gebe auch Überlegungen, die Cafeteria des neuen Schwimmbades für die Schüler zu öffnen, streitet Heuer auf Nachfrage nicht ab. Offizielle Gespräche mit dem Schwimmbad-Betreiber GMF habe es dazu allerdings noch nicht gegeben.

• Dauer der Planungen: Aus Sicht der Schüler ist seit der Nachricht zum drohenden Abriss ihrer Schule im Sommer 2015 nichts Sichtbares passiert. "Ich kann verstehen, dass Ihr das so seht", entgegnet die neue CDU-Fraktionsvorsitzende Claudia Hopfe in der Diskussion. "Aber wir sind ehrenamtliche Politiker und wir entscheiden hier über Dinge, die für die nächsten 30 Jahre gelten müssen. Das braucht Zeit." Hinzu komme der personelle Wechsel im neuen Rat. "Die Sitze sind neu verteilt, da müssen sich alle nun bewegen." Alle Politiker nehmen die Bitte der Schüler mit, der neue Rat möge Kompromissbereitschaft zeigen. Heuer kündigte am Rande der Schüler-Diskussion an, die Stadt bereite für die politische Diskussion nun einen angepassten sogenannten Aufstellungsbeschluss für das Rennbahn-Gelände vor. Über diesen solle zeitnah öffentlich beraten werden. Parallel laufe bereits die Beteiligung von größeren Behörden und Institutionen.

• Interesse an Politik: "Der Rat ist für Schüler einfach nicht attraktiv genug. Daran müssen Sie etwas ändern." Wie dies gelingen könnte, kann der Schüler zwar nicht beschreiben. Gleichwohl steht dieser Vorwurf stellvertretend für viele vergleichbare Klagen der Abiturienten, sie fühlten sich von der Kommunalpolitik nicht ausreichend hofiert. Zugleich zeigt sich deutlich die fehlende Identifikation der Jugendlichen mit ihrer Schule. Die Reaktion der Politiker gelingt höflich, aber nicht ohne Appell: Von Bring- und Holschuld ist die Rede.

Gemeinsam werden neue Pläne entworfen: Zweimal im Jahr will nun eine Abordnung des Rates im Gymnasium Rede und Antwort zur Lage in der Stadt stehen. Weil dies für aktuelle Fragen aber nicht ausreicht, wollen die Schüler nun mit ihren Lehrern ein eigenes Gremium aufbauen: Ob dies als Arbeitsgemeinschaft für alle Jahrgänge offen sein wird oder der jetzt involvierte Politikkurs sich den Neubau zum Kernthema machen wird, wird sich zeigen. Die Politiker nahmen an Anregung mit, auch in Fachausschüssen künftig die behandelten Unterlagen für alle Besucher auszugeben und in ihrer Sprache darauf zu achten, dass auch Laien verstehen, wovon gerade die Rede ist.

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Von Rebekka Neander

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