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Stadt soll zeitgemäßer beerdigen

Langenhagen Stadt soll zeitgemäßer beerdigen

Wohin geht der Trend bei Bestattungen? Mit dieser Frage befassen sich aktuell nicht nur Ratspolitik und Verwaltung. Auch die Bestatter, Friedhofsgärtner und Steinmetze in der Stadt treibt das Thema um. Sie fordern in einem offenen Brief an die Verwaltung auch die Einrichtung eines Runden Tisches.

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Uwe Spiekermann (links) übergibt im Namen der Gemeinschaft der Langenhagener Friedhofs- und Bestattungsgewerke einen offenen Brief an Bürgermeister Mirko Heuer.

Quelle: Sven Warnecke

Langenhagen. „Die Bestattungskultur ist einem starken Wandel ausgesetzt“, betont Steinmetz Uwe Spiekermann im Namen der Langenhagener Gemeinschaft der Friedhofs- und Bestattungsgewerke. Das Thema sei derzeit in der Stadt „in aller Munde“, meint er auch mit Blick auf einen rot-grünen Änderungsantrag. Dieser wurde in der Politik zwar diskutiert, aber nicht beschlossen. Darin geht es neben neuen Bestattungsformen auch um die Gebührenordnung. Denn auf den vier städtischen Friedhöfen kostet ein Wahlgrab rund 1800 Euro, auf dem kirchlichen der Elisabethgemeinde indes nur etwa 800 Euro. Auch deshalb sind mehrere Klagen gegen die Stadt anhängig.

Da sich aber bislang noch nicht wirklich etwas bewegt hat, der Antrag von SPD und Grünen noch nicht beschlossen wurde, haben Bestatter, Friedhofsgärtner und Steinmetze als Gemeinschaft der Langenhagener Friedhofs- und Bestattungsgewerke nun einen offenen Brief an Bürgermeister Mirko Heuer übergeben. Darin fordern sie die Einrichtung eines Runden Tisches, um mit Politik, Sozialverbänden und Bürgern „neue Ideen und neue Konzepte für eine bürgernahe und zukunftsfähige Bestattungskultur in Langenhagen zu entwickeln“, heißt es in dem Schreiben.

Gefordert wird nun, dort weiterzumachen, wo Langenhagen einst „wichtige Veränderungen früh aufgenommen“ habe, sagt Spiekermann mit Verweis auf das bereits vor Jahren eingerichtete anonyme Bestattungsfeld sowie die Rasenreihengräber. Gleichwohl räumt er ein, dass diese neuen Bestattungsarten die Friedhofsträger vor vorher nicht erkannte Probleme stellt. Denn die dabei entstandenen großen Freiflächen bedeuten einen höheren Pflegeaufwand. Die Folge: steigende Bestattungskosten, die zur Missstimmung bei den Hinterbliebenen geführt haben. Auf der Suche nach preisgünstigeren Gräbern seien sogar Bundesgrenzen gefallen, berichtet Spiekermann vom Trend, sich in Osteuropa bestatten zu lassen.

Als weitere Konsequenz entstanden auch neue Bestattungsformen - etwa in Wäldern, berichtet der Steinmetz. Doch dieser Idee erteilt die Gemeinschaft eine Absage. Es sei schwierig, geeignete Flächen zu finden. Zudem lägen diese meist weit entfernt und seien nur schwer zugänglich. Stattdessen würden sogenannte Baumbestattungen favorisiert. Doch nicht etwa in einem Wald. „Wir haben wunderschöne alte Baumbestände auf den Friedhöfen“, sagt Spiekermann.

Damit erntet die Gemeinschaft die Zustimmung des Bürgermeisters. Die Verwaltung wolle sich durchaus mit auf den Weg machen. Heuer kündigt einen Runden Tisch vor der Sommerpause an. Denn auch er sieht eine Notwendigkeit darin, Friedhöfe in der Stadt attraktiver zu gestalten. Im Rathaus seien bereits Ideen entwickelt worden, die sich wohl mit den Vorschlägen der Initiatoren des offenen Briefes deckten, meinte er.

Kommentar: Gebühr endlich anpassen

Die Idee, die Bestattungskultur zu verändern, ist richtig. Das sollte jedoch nicht dazu führen, die Augen vor einer anderen Problematik zu verschließen: Die Gesellschaft hat sich gewandelt. Vielen ist eine gepflegte und teure Grabstelle nicht mehr so wichtig. Auch nicht die Nähe zum Heimatort, wie die Tatsache zeigt, dass viele ihre letzte Ruhestätte in Osteuropa suchen. Andere liebäugeln stark mit dem Gedanken, sich zur letzten Ruhe am Fuße eines Baumes betten zu lassen. Das belegen die Zahlen. Wichtig ist daher, dass sich die Stadtverwaltung nach ewiger Diskussion und anhängigen Klagen endlich bewegt: Sie muss an der Schraube der Friedhofsgebühren drehen. Es muss die Frage erlaubt sein, warum die kommunalen Friedhöfe andere Tarife aufrufen müssen als etwa die kirchlichen. Von der viel billigeren Konkurrenz im Ausland mal ganz zu schweigen.

Von Sven Warnecke

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