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Auf der Suche nach der besten Schule

Langenhagen Auf der Suche nach der besten Schule

Wie sollen sie aussehen, die Neu- und Umbauten an Langenhagens Schulen? Ein zweites Mal hat sich eine Gruppe aus Schulen, Stadt und Politik auf die Suche begeben nach guten und schlechten Beispielen. Diesmal ging es nach Mühlenberg, Hemmingen und Pattensen.

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Rektor Michael Bax erläutert Bürgermeister Mirko Heuer (rechts), Sozialdezernentin Monika Gotzes-Karrasch (rechts), BBL-Ratsherr Jens Mommsen und Constrata-Mitarbeiterin Susanne Brand die Entstehung des Schulneubaus.

Quelle: Neander

Langenhagen. IGS Mühlenberg

"Glauben Sie keinen Versprechungen von Architekten!" Michael Bax lässt es an deutlichen Worten an diesem Morgen nicht fehlen. Der Rektor der IGS Mühlenberg ist als Alt-Langenhagener so einigen in der Runde aus Stadt, Schulen und Politik sehr wohl bekannt. Vor allem aber hat er in der von rund 1500 Schülern und 160 Lehrkräften im Oktober bezogenen Schule genau das hinter sich, was den Langenhagener Gästen bevorsteht: Planung, Baulärm, Einzug. Das machte im Ganzen etwa neun Jahre. Nun steht Bax in der von ihm eigentlich hoch geschätzten imposanten Eingangshalle mit einem Stapel Stichwort-Karten in der Hand und gibt seine wohldurchdachten Ratschläge mit auf den Weg.

"Mischen Sie sich als Schule bis in die letzte Elektroplanung ein!" Wäre dies auch im Zusammenspiel zwischen der Stadt Hannover und der Schulleitung gelungen, hätte die Eingangshalle nun auch Steckdosen. Dann würden die für einen Amok-Alarm sehr sinnvollen außen angebrachten Raumnummern auch für der Polizei zu lesen sein, wenn bei Sonnenschein die Jalousien herabgelassen sind. Für die Steckdosen gibt es inzwischen eine Hilfslösung, die Raumnummern sollen außen nachgemalt werden. Aber wenn es um Architekten-Versprechen geht, lässt Bax keinen Zweifel, dass man das Werkeln im Musiktrakt direkt über seinem Büro nun eben doch sehr genau hören kann. Daran indes ist nun nichts mehr zu ändern.

Der Schulleiter präsentiert Lehrertoiletten ohne Vorraum, die "unzumutbar sind, weil man quasi direkt auf dem Flur sitzt". Er führt grenzwertig enge Jahrgangs-Lehrerzimmer vor, in denen die bewusst gewählte Kombination von Arbeitszone und Couch-Gruppe den Ganztagsbetrieb erträglich mache. Er rät dringend zu türgenau programmierbaren Transpondern anstelle von Schlüsseln, um die Hausmeister und Lehrkräfte bei Abendveranstaltungen nicht in den Wahnsinn zu treiben. Der neue Schulhof ("auf jeden Fall umzäunt") wirke eng, habe aber einen Vorteil: "Wir haben eine Position, von der die Aufsicht alles gut überblicken kann." Für Bax spart dies nicht nur Personal. "Die Schüler wissen verlässlich, wo sie eine Lehrkraft auf dem Hof finden können."

Eigentlich aber, und auch darin wirkt er wenig erschütterlich, ist Bax von seiner Schule begeistert. Dies gilt auch für die gemeinsame Bibliothek für Schule und Stadtteil, von der die Betroffenen in Langenhagen bislang abraten. Und daran ändert auch nichts die Tatsache, dass die gesamte neue Schule als Passiv-Haus gebaut worden ist. Also gemäß jenen Standards, der in Langenhagen bei der neuen Mensa und den Räumen des M-Traktes für so viele Probleme sorgt. "Nein, ich würde es wieder so machen", hält Bax auf Nachfrage fest. Dass die damit verbundene Steuerungstechnik ihre Tücken hat und bis zum reibungslosem Funktionieren durchaus einen zweiten Winter benötigte, verschweigt er nicht. Auch nicht, dass ihm sein Kollegium zuweilen vorwirft, er verlasse zu selten sein Büro und bekomme von den Problemen zu wenig mit. "Wir hatten am Anfang das Problem, dass wir im Winter bei starkem Sonnenlicht die Jalousien nicht herunterfahren konnten und die Smartboards in den Klassen nicht erkennbar waren."

So simpel der Hintergrund, so einfach nun die Lösung: "Es lag schlicht an der Tatsache, dass die Mechanik der Jalousie für Frost-Temperaturen nicht ausgestattet war." Seit dem dies geändert ist, ist für Bax dieses Problem gelöst. Dass später beim Rundgang darauf angesprochene Kinder sehr wohl die im Sommer zu stickige Luft beklagen, ficht Bax nicht an. "Die gemessenen Kohlendioxidwerte sind alle einwandfrei, da die Be- und Entlüftungsanlage die Raumluft zweimal pro Stunde erneuert." Zudem lassen sich in allen Räumen die Fenster bei Bedarf auch öffnen. "Und im letzten Sommer, da war es wohl in allen Schulen heiß", betont der Schulleiter. "Man ist dann schnell dabei, diese Probleme auf den Passiv-Standard zu schieben."

Die IGS Mühlenberg wurde neu gebaut, während nebenan noch im Altbau unterrichtet wurde. Dies gelang ähnlich stufenweise, wie es auch für die IGS im Zentrum vorgesehen ist. Zur Überraschung der Gäste hat Bax den damit verbundenen Baulärm nicht störend wahrgenommen. In prekären Momenten habe man Absprachen treffen müssen. Aber im Grunde sei diese Phase kein Problem.

KGS Hemmingen

Wie Sanierung in einem Altbau gelingen kann, erfahren die allermeisten der Reisegruppe in der KGS Hemmingen. Nur für einen ist all dies ein alter Hut: Matthias Brautlecht, heute Leiter des Gymnasiums Langenhagen, wird von jedem zweiten auf den Schulfluren mit großem Hallo begrüßt. Es ist seine alte Wirkungsstätte. Was dort 2012 geschehen ist, beschreibt der Schulleiter Dieter Driller-van Loo als eine "Sanierungsmaschine, die sich durch die Schule gefressen hat".

Dabei haben die Architekten versucht, in einen Bau von 1979 die Pädagogik von 2012 zu integrieren. Heißt: Wie kann es gelingen, aus heute zu kleinen Klassenräumen größere machen zu können? Wie aus einer x-mal angebauten Schule mit unübersehbar vielen Ein- und Ausgängen ein Campus werden mit eindeutigen Zuordnungen?

Driller-van Loo präsentiert während des Rundgangs, warum Säulen, die einst im Flur standen, nun problemlos in den Räumen stehen. Einfach, um mehr Platz zu schaffen. Er zeigt aber auch, dass es anstelle von Differenzierungsräumen nun Schüler gibt, die in Stillarbeit auf den überbreiten Fluren sitzen. "Wir suchen jetzt nach nicht entflammbaren Möbeln, damit wir auf den Fluren Differenzierungsorte schaffen können, die den Brandschutzbestimmungen entsprechen." Unzählbar bleibt während des gesamten Besuches die Mahnung des Schulleiters: "Planen Sie nicht zu klein!" Eine Aufforderung, die nicht nur Brautlecht just nach dem Beschluss für sein zuweilen als üppig betitelten Raumprogramms für das Gymnasium, mit stiller Wonne quittiert.

Dass man mit Fantasie und aufmerksamem Didakta-Besuch auch Altbaulösungen finden kann, demonstriert Rainer Scholl-Hirschmüller. Der Lehrer sitzt mit seinen Schülern in einem Raum voller Modell-Mobiliar: Dreieckstische, die sich lautlos in alle möglichen Einzel- und Gruppenformationen umherrollen, dabei aber ebenso problemlos und platzarm stapeln lassen, um Gymnastikmatten Raum zu schaffen. Scholl-Hirschmüller lässt seinen Tisch in die Höhe fahren - und den Stuhl hintendrein. Eigentlich ein guter Ansatz. Dass aber die Hydraulik des Stuhls bereits unter dem nicht eben üppigen Gewicht des schlanken Lehrers einknickt, ermutigt Scholl-Hirschmüller zu dem eindringlichen Rat, bei der Ausstattung der Schule bitte nicht am falschen Ende zu sparen.

Dies nehmen unter den Gästen auch Julius Richter und Lorin Yousef aufmerksam zu Protokoll. Die beiden Schüler des Gymnasiums gehören dem Planungsausschuss Neubau an und sind an diesem Tag vom Unterricht freigestellt. Ihnen speziell widmet zum Abschluss auch der Schulleiter noch dankbare Worte. "Ich finde es wirklich gut, dass die Schüler in die Planung einbezogen werden." Auch er selbst habe bei dieser Gelegenheit an der eigenen Schule viel gelernt. "Wir haben gefragt, was die in den Pausen so machen", berichtet Driller-van Loo hörbar beeindruckt. "Die haben dann erzählt, sie gingen spazieren. Davon hatte ich vorher nie etwas gehört."

KGS Pattensen

22,5 Millionen Euro. Komplett. Mit Grundstück. Diese eine Zahl lässt die Langenhagener Gäste verstummen. Sie stehen im Neubau der KGS Pattensen, bezogen vor gerade einmal sechs Wochen. Im Kopf dröhnt die erste, noch sehr grobe Kostenschätzung allein für das Gymnasium: 68 Millionen Euro. Ohne Grundstück. Wie kann das gehen?

Schulleiter Andreas Lust-Rodehorst versucht sich an einer Erklärung. Und diese hört sich zunächst beeindruckend an: Die Stadt Pattensen hat ein Ausschreibungsmodell gewählt, bei dem der Kostendeckel neben anderen Dingen haargenau einzuhalten war. Dass diese Idee nicht direkt übertragbar ist, zeigt sich beim folgenden Rundgang - mitsamt aller alltäglichen Tücken.

Es fängt an in dem sogenannten Auditorium. Ein quadratischer "Multifunktionsraum", einer für je zwei Jahrgänge. In ihm stehen Tische und Stühle und knautschbare Sitzwürfel. Eine Couch verbietet die Brandschutzverordnung.  Wenn mehrere Gruppen den Raum nutzen für Differenzierungsarbeit, trennen mobile Trennwände Wort und Sicht. "Leider wurde an der Farbe gespart", räumt Lust-Rodehorst ein. Es wurde kein schmutzabweisender Anstrich verwendet wie im Treppenhaus. Dass der Raum keine sechs Wochen in Benutzung ist, mag niemand glauben. "Der Raum soll auch für Filmvorführungen dienen." Anstelle einer Leinwand wurde eine der Wände mit einer speziellen Projekttionsfarbe gestrichen. Diese aber ist so empfindlich, dass auch dort inzwischen jede Berührung mit einer Stuhllehne zu sehen ist.

Weitere Differenzierungsräume gibt es nicht. Dass die KGS Pattensen auch drei Sprachlernklassen dennoch unterbringen kann, sei einzig dem Zufall geschuldet, dass in drei Jahrgängen nicht alle Klassenräume benötigt werden, weil es an Schülern fehlt. Ein Zustand, der nicht so bleiben wird, wie Lust-Rodehorst anmerkt. In der Nachbarschaft werde überall gebaut. "Aber diese Schule, machen wir uns nichts vor, ist auf Kante geplant." Gespart wurde am Ende auch am Raumklima. Eine selbständige Be- und Entlüftungsanlage gibt es nicht. Geheizt werde konventionell, gelüftet eben auch.

Das größte Manko dieser vorherigen Komplettausschreibung benennt Lust-Rodehorst als "Katze im Sack". Diese habe die Schule kaufen müssen an vielen Stellen. "Wir mussten bis zum letzten Stuhl alles vorher festlegen. Aber längst nicht alles konnten wir vorher live und in echt anschauen." Deshalb stehen jetzt im Werkraum die alten, über Jahre von Schülerhand maltretierten Werkbänke von schier unverwüstlicher Stärke mit solidem Schraubstock. "Die neuen sind nicht zu benutzen: viel zu dünn und zu empfindlich." Tatsächlich entpuppen sich die neuen Exemplare im Nachbarraum als eher solidere Doppeltische für den normalen Unterricht. Schraubzwingen sind an ihnen nicht angebracht. "Die erste Stuhl-Ausstattung haben wir direkt wieder zurückgehen lassen", berichtet der Schulleiter. Simples Stahlrohr mit Holzplatte entspreche nun wirklich nicht mehr den Anforderungen der bewegungsfreudigen Schülerschaft von heute.

Flächendeckender Internetempfang ohne Kabe hatten die Planer versprochen. "Das hieß im Wirklichkeit: Ein Planer hat auf dem Papier 36 Router im Gebäude verteilt und mit dem Zirkel um jeden einen Kreis geschlagen." Ob die Wände das Signal auch wie erwartet durchlassen, sei dagegen erst später gemessen worden. Nun werde nachgebessert. Die Zahl der Steckdosen ist an sich keiner Kritik würdig. Warum aber auf einem etwa 50 Meter langen Flur gleich alle sechs sich auf einen Meter drängeln, bleibt ein Geheimnis der Planer. Und ob jede für sich auch die maximal Leistung bringt, wenn an jeder ein Abnehmer hängt, mag nicht jeder Ingenieur in der Runde glauben. Und spätenstens als der Schulleiter berichtet, die Stadt habe als Schulträger untersagt, im Lehrerbereich trotz Ganztagsbetrieb ein Sofa aufzustellen, macht sich so mancher Besucher im Stillen ganz neue Gedanken.

Und doch gibt es sehr wohl gute Nachrichten: Die Räume der neuen Schule sind so angeordnet, dass auch externe Nutzer wie die Volkshochschule, Vereine oder Musikkurse diese nutzen können. Die Schließanlage und die Zugänge sind so geordnet, dass jeder Bereich autark geöffnet und verschlossen werden kann. In der Lehrküche gibt es für jeden Nutzer eigene Schränke. Das gilt auch für den Freizeitbereich, der theoretisch auch von der Stadtjugendpflege benutzt werden könnte. Und weil alle Gebäudeteile auf jedem Stockwerk miteinander verbunden sind, kommt der Gesamtbau mit insgesamt zwei Fahrstühlen aus. Das allerdings spart Baukosten in jedem Fall.

Der Bau als solches hat auch in Pattensen keine Probleme bereitet. "In besonders kritischen Situationen oder beim Einsatz sehr lauter Maschinen konnten wir uns mit dem Bauleiter hervorragend absprechen", berichtet Lust-Rodehorst. Deshalb mache er sich auch um die bevorstehenden Abitur-Klausuren keine Sorgen. Denn noch ist der Neu- und Umbau nicht ganz fertig. Mitte Mai werde voraussichtlich der nur wenige Meter entfernt stehende Altbau abgerissen, "da sind wir mit dem Abitur noch nicht durch". Erst danach werde die Außenanlage der KGS fertig gestellt. Und damit auch ein ganz eigenes Schmuckstück. "Unsere sehr ambitionierte Bläserklasse wünschte sich einen Raum mit großer Deckenhöhe." Damit dies für alle angrenzenden Räume keinen störenden Höhenversatz verursacht, wurde der Musikraum um ein halbes Stockwerk ins Erdreich versenkt. "Und wir haben eine mobile Glaswand nach außen eingesetzt", berichtet der Schulleiter. Wenn der Altbau vor dem Fenster Geschichte ist, soll dort ein Amphi-Theater für alle entstehen.

Eine bunte Reisetruppe

Gut 30 Vertreter Langenhagens waren unterwegs: Neben Bürgermeister Mirko Heuer, Sozialdezernentin Monika Gotzes-Karrasch sowie Schul-Abteilungsleiter Peter Probosch und der halben Hochbauabteilung unter Leitung von Carsten Busch gehörten wie bei der ersten Tour Ende vergangenen Jahres auch Vertreter beider Gesamtschulen zur Reisegruppe. Neu dabei waren diesmal auch Vertreter des Gymnasiums, die bei der ersten Fahrt terminlich verhindert waren. Informationen sammelten zudem Vertreter des Langenhagener Rates.

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