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Bad-Fakten im Check

Langenhagen Bad-Fakten im Check

Viel ist in den vergangenen Monaten über die Betreibergesellschaft des Hallenfreibades Godshorn gesprochen, gestritten, vor allem aber spekuliert worden. Während die zuletzt vorgelegten Zahlen nun neu geprüft werden, stellt die Nordhannoversche Zeitung vor, was wir wissen und was nicht.

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Dies ist sicher: Dank der stabilen Wetterlage bleibt das Freibad bis zum 16. September geöffnet.

Quelle: Neander (Archiv)

Godshorn. Ist das Bad gerettet?

In Bedrängnis geraten ist die sogenannte Betreibergesellschaft, die Hallenfreibad Godshorn GmbH. Sie ist seit 1999 für den Schwimmbetrieb verantwortlich. Eigentümerin von Grund, Gebäuden und technischen Anlagen ist die Stadt Langenhagen. Sollte die Betreibergesellschaft vor Start des neuen Bades ausfallen, würde die Stadt den Schwimmbetrieb für Schulen und Vereine sicherstellen.

Ist die Insolvenz der GmbH vom Tisch?

Nein. Nach der Bewertung vorgelegter Zahlen sieht der Fachanwalt der Stadt eine Insolvenz zwar in Sichtweite. Ein Antrag auf Beginn des Verfahrens müsse jetzt aber nicht gestellt werden.

Stimmen die vorgelegten Zahlen?

Das weiß niemand. Präsentiert wurden der Jahresabschluss 2014 und 2015 sowie die aktuelle Betriebswirtschaftsabrechnung für den August 2016. Hinzu kommt eine Darstellung der Zahlungsfähigkeit mit Echtzahlen bis einschließlich August. Zusammengestellt hat diese Zahlen das bisher von der Gesellschaft beauftragte Steuerberatungsbüro Provatis. Nicht übergeben wurden damit jedoch ergänzende Unterlagen, die sogenannten Prima Nota, die aufschlüsseln, wie genau die Kostenströme verlaufen. Wer also hat welchen Lohn erhalten, für was genau wurden Aufwendungen ausgegeben. Vor allem aber fehlt eine Übersicht, ob derzeit noch offene Rechnungen beglichen werden müssen.

Seit wann gibt es Probleme?

Nach derzeitiger Erkenntnis verbuchte die GmbH bis einschließlich 2013 Gewinne. Der damalige Abschluss nennt einen sogenannten Gewinnvortrag von rund 100.000 Euro. Erst im Verlauf 2014 verschob sich die Bilanz zu Ungunsten der Einnahmen. Diese Tendenz setzte sich in 2015 fort. So stiegen bei gleichbleibenden Umsätzen allein die Personalkosten um 10 Prozent. Soweit derzeit eine Aussage möglich ist, ist der Gewinnvortrag aufgebraucht. Wie hoch ein Zuschussbedarf jetzt ist, darüber gibt es widersprüchliche Aussagen. Im Raum stehen rund 70.000 Euro nur für 2016. Einen konkreten Antrag dazu gibt es nicht.

Warum wird dies erst jetzt bekannt?

Der Jahresabschluss wurde bislang den acht an der GmbH beteiligten Vereinen im Verlauf des Folgejahres vorgelegt. Je nach Fertigstellung der Bilanz im erweiterten Sommer bis Herbst. In 2015 jedoch ist dies ausgefallen. Die Gründe dafür liegen im Dunkeln. Kommunikatorische Schwierigkeiten ist der verklausulierte Begriff, der von Geschäftsführung und Vereinen dazu benutzt wird. Veröffentlicht wurde die Bilanz letztlich im Februar 2016 im Bundesanzeiger. Ob die Gesellschafter zu diesem Zeitpunkt die Zahlen kannten, ist umstritten. Tatsächlich aber forderten einige Vereinsvertreter nach Veröffentlichung im Bundesanzeiger eine außerordentliche Gesellschafterversammlung. Diese fand im April 2016 statt. Eine offizielle Entlastung der Geschäftsführung liegt bis heute nicht vor.

Hätte die Stadt schneller helfen können?

Nein. Am 6. Juni fand ein erstes Gespräch zwischen Bürgermeister, Steuerberater und Geschäftsführung statt. Darüber wurden die Fraktionsvorsitzenden vor der Sommerpause informiert. Mit den Zahlen wollte sich der Verwaltungsausschuss der Stadt in seiner ersten Sitzung nach den Ferien am 22. August beschäftigen. Doch diesem reichte das vorgelegte Zahlenmaterial nicht aus, um eine Insolvenz der GmbH auszuschließen. Nur in diesem Fall darf Steuergeld in eine private Gesellschaft fließen. Unmittelbar vor der Ratssitzung am 29. August war die Geschäftsführung Gast des Verwaltungsausschusses, um dort Fragen zu beantworten. Während der Ratssitzung formulierte die Verwaltung auf Anregung der Politik einen Beschlussvorschlag, der den Bürgermeister ermächtigt hätte, der Gesellschaft kurzfristig zu helfen. Zudem sollte der bislang pro Quartal ausgezahlte Betriebskostenzuschuss monatlich fließen. Die Politik folgte diesem Vorschlag nach nächtlicher und „konstruktiver“ Diskussion in erneut nichtöffentlicher Runde, wie es heißt, letztlich aber doch nicht. Zu viele Fragen seien offen.

Warum bekam die Stadt die Zahlen nicht schneller?

Auch dies ist umstritten. Tatsächlich hat die Stadt seit den ersten Hilfsersuchen Anfang Juni 2016 mehrfach Zahlen eingefordert, um über einen möglichen Zuschuss entscheiden zu können. Eine offizielle Stellungnahme der Betreibergesellschaft gibt es nicht. Dem Vernehmen nach wurden Vorwürfe gegen das beauftragte Steuerberatungsbüro ins Spiel gebracht. Unklar ist, ob das Büro die Zahlen so schnell wie von der GmbH zugesagt überhaupt hätte liefern können. Widersprüchlich sind inzwischen auch Aussagen, ob ein neues Steuerberatungsbüro eingeschaltet werden soll.

Und jetzt?

Mitte kommender Woche wollen Geschäftsführung und Gesellschafter einen neuen Plan vorlegen. Bis dahin wurde Stillschweigen vereinbart.

Von Rebekka Neander

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