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Ausstellung zeigt Menschen im Krieg

Langenhagen Ausstellung zeigt Menschen im Krieg

"Folgen eines Krieges" ist die Ausstellung des aus Syrien geflohenen Fotografen Adnan Sharbaji betitelt, die bis zum 23. März im Rathaus zu sehen sein wird. Die Vernissage am kommenden Donnerstag ist zugleich Auftakt der "Internationalen Wochen gegen Rassismus."

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Wieviel Angst der 8-jährige Junge auf dem Foto vor jedem kleinsten Geräusch hattte, ist dem Bild nicht anzusehen. Wohl aber Adnan Sharbajis Geschichte zu seinem Foto zu entnehmen.

Quelle: Neander

Langenhagen. Wer Adnan Sharbaji dieser Tage auf Langenhagens Straßen sieht, nimmt einen freundlichen jungen Mann wahr. Gepflegt in Erscheinung, freundlich im Auftritt. Aber wer sich ein paar Minuten Zeit für ein Gespräch nimmt und dabei das Glück hat, einen Blick auf seine Bilder werfen zu dürfen, der erlebt einen zutiefst erschütterten Menschen. Voller Schmerz um seine zurückgelassene Heimat.

Adnan Sharbaji, Anfang 30, hat seine Familie seit vielen Monaten nicht gesehen. Sein Vater wolle Aleppo nicht verlassen. "Dafür fühlt er sich zu alt." Dass nichts mehr da ist von dem, was seinen Sohn noch vor fünf Jahren als Erasmus-Studenten in Italien von einem Leben als Fotografen träumen ließ - kein Haus, nicht die väterliche Fabrik, nicht die Freunde -, ficht seinen Vater nicht an. "Er will einfach aus seiner Heimat nicht raus."

Sharbaji hatte diese Wahl nicht. Monatelange hatte der Fotografie-Student im türkisch-syrischen Grenzgebiet das Schicksal der Menschen in gefühlvolle Bilder gerückt. Bis er eines Tages Kämpfern des IS gegenüber stand. "Ich musste sofort meine gesamte Ausrüstung vergraben", erzählt der junge Mann. "Die hätten mir nie geglaubt, dass ich kein Journalist bin und mich erschossen."

Dass Sharbaji ab Donnerstag seine Bilder im Rathaus Langenhagen zeigen kann, wie diese unerträglich schön lachenden Kinder in unerträglich zerstörtem Land, ist zwei glücklichen Umständen zu verdanken. Zum einen konnte er seine digitalen Bilder rechtzeitig bei Freunden in der Türkei deponieren. Zum anderen wagte er bei seiner Anmeldung zu einem Deutsch-Kursus bei der hiesigen Volkshochschule eine spontane Frage: Ob er wie andere Künstler auch vielleicht seine Fotos dort zeigen könne? Ein Blick der Mitarbeiter auf seine Homepage im Internet (www.adnansharbaji.com) genügte: Er kann.

Und weil begeisterte Menschen gerne über das reden, was sie berührt, haben sich Sharbajis Bilder inzwischen auf den Weg gemacht: Der Ausstellung im Rathaus folgen eine Schau weiterer Motive im Quartierstreff der KSG in Wiesenau (Beginn 8. April), eine Ausstellung bei der VHS im September sowie in der Laatzener Zentrale der KSG im Oktober. Verdienen wird Sharbaji daran nichts. Obwohl er mit inzwischen anerkanntem Status das durchaus dürfte - aber: "Ich möchte erst einmal noch besser Deutsch erlernen und dann eine Arbeit suchen." Soweit formuliert es die Vernunft. Dann folgt ein hilfloses Lachen. "Aber wenn ich als Fotograf arbeiten könnte, dann würde ich das sofort tun."

Internationale Wochen gegen Rassismus

Auftakt der Aktion im Rahmen der "Internationalen Wochen gegen Rassismus" ist am Donnerstag, 10. März, um 11.30 Uhr im Foyer des Rathauses. Initiatorin ist die Integrationsbeauftragte der Stadt, Justyna Scharlé. Die Begrüßung übernimmt der stellvertretende Bürgermeister Willy Minne. Am Montag, 21. März, wird es im Rathaus-Innenhof eine Kostprobe kulinarischer Köstlichkeiten aus aller Welt geben. Beginn ist um 14 Uhr, gegen 14.30 Uhr spricht die 2. stellvertretende Bürgermeisterin Ulrike Jagau. Um 15 Uhr werden 300 Luftballons als Zeichen gegen Rassismus in die Luft steigen.

Von Rebekka Neander

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