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Teich-Krise im Eichenpark fordert erstes Opfer

Langenhagen Teich-Krise im Eichenpark fordert erstes Opfer

Die Misere in den Teichen im Eichenpark hat ein erstes Opfer gefordert. Ein großer Karpfen musste tot aus dem Gewässer gefischt werden. Am Dienstag sind Tausende Fische im Auftrag der Stadt vom Fischereiverein aus den restlichen Wasserpfützen geholt worden. Jetzt schaltet sich auch die Staatsanwaltschaft ein.

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Gerd Heuer (links) und Rudolf Hubold sammeln mithilfe von Strom und Kescher die Fische ein.

Quelle: Sven Warnecke

Langenhagen. Wolfgang Kindel ist ehemaliger Polizeibeamter des Fachkommissariats Umweltschutz bei der Polizei Hannover. Seit 40 Jahren lebt er in Langenhagen. Doch ein derartiges Austrocknen der Teiche im Eichenpark hat er noch nicht erlebt. Doch seine Kontaktversuche mit der Stadt verhallten ungehört. Deshalb hat er die Staatsanwaltschaft Hannover eingeschaltet. „Es besteht der Verdacht des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz durch Unterlassung“, meint Kindel. Zudem habe er die Untere Wasserbehörde informiert, sagte Kindel vor Ort.

Dort waren fünf Mitglieder des Fischereivereins Hannover dabei, im Auftrag der Stadt Hechte, Rotfedern, Plötzen und Barsche mit elektrischer Hilfe und Keschern einzufangen. Dabei werden die Fische mit 600 Volt kurzfristig betäubt und herausgefischt. Später wurden sie in das Vereinsgewässer - den Hastrasee - gesetzt. Sportwart Wilfried Specht schätzt, dass im Lauf des Tages etwa tausend Fische gefangen werden konnten. Zurück blieben wohl mindestens noch einmal so viele, meinte Specht. Mittlerweile sei der Wasserstand so niedrig, dass auch die Experten Mühe hatten, sie umzusiedeln. „Die Stadt hätte viel früher reagieren müssen“, moniert der Sportwart. Für ihn ist auch unerklärlich, wie rasch der Teich Wasser verloren hat. Allein mit Verdunstung sei das nicht zu erklären, sagt Specht.

Karpfen erstickte offenbar im Teich

Das sieht auch BBL-Ratsherr Werner Knabe so. Er vermutet vielmehr die nahe Badbaustelle und die Grundwasserabsenkung als eine der Ursachen. Er hatte am Wochenende einen dicken, aber toten Karpfen in dem nördlichen Teich entdeckt, der an der Oberfläche trieb. „Er ist erstickt“, mutmaßt Knabe, der sich seit Bekanntwerden der Misere dort täglich umschaut. Montagabend ist er aktiv geworden und hat Karpfen sowie einen etwa 50 Zentimeter langen Wels mit dem Kescher gefangen und in den südlichen, noch mehr Wasser führenden Teich gesetzt. Da er um die Beliebtheit der Gewässer weiß, hat er eine Ratsanfrage an die Stadt gestellt, aber noch keine Antwort erhalten. Knabe will sich - auch weil er sich an die Debatten um die im Eichenpark geplante Landesgartenschau erinnert - stärker in die Diskussionen um die Zukunft des Gebiets einmischen.

Die Stadtverwaltung hatte in den vergangenen Wochen die Pegelstände in den Teichen im Eichenpark täglich kontrolliert, berichtet Stadtsprecherin Juliane Stahl auf Anfrage. „Dank der jüngsten Niederschläge hat der Wasserstand wieder die gleiche Höhe wie in der zweiten Juniwoche. In der Zeit vom 18. bis 24. Juni ist der Wasserstand um mehr als zehn Zentimeter angestiegen“, sagte sie Ende vergangener Woche. Doch seit dem Wochenende änderte sich die Situation dramatisch.

Fischereiverein soll helfen

Aus diesem Grund hatte die Verwaltung den Fischereiverein Hannover am Montag um Hilfe gebeten. Stahl lobte ausdrücklich das prompte Angebot des Vereins, der am Dienstag Mitglieder zum Abfischen in den Eichenpark entsandte. Dass die Männer Hunderte Fische in den Teichen finden würde, damit hatte die Stadt nicht gerechnet. Die Verwaltung war stets von nur einigen Fischen in den Gewässern ausgegangen – nicht von tausend.

Nachdem ein großer Karpfen in dem Gewässer verendete, begab sich auch die Verwaltung auf Spurensuche. „Derzeit wird die Belüftungsanlage überprüft, da unklar ist, warum der Karpfen verendet ist“, teilte Bürgermeister Mirko Heuer mit. Dabei erinnert der Bürgermeister auch an die Bemühungen, die die Verwaltung seit Monaten unternommen hat.

Dazu zähle nicht nur die Zusammenarbeit mit dem Fischereiverein, sagte Stahl. Einen Austausch habe es auch mit dem Fachdienst Verbraucherschutz und Veterinärwesen der Region sowie dem Fachdezernat Binnenfischerei des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit gegeben. Auch Ricky Stankewitz, der Naturschutzbeauftragte der Region und Vorsitzender des Langenhagener Naturschutzbundes, zudem Mitglied des Parkbeirats, sei informiert worden.

Die Stadtsprecherin bittet Parkbesucher eindringlich darum, die Enten in dem Bereich der Teiche nicht zu füttern. „Sonst könnte der Sauerstoffgehalt in dem Gewässer weiter sinken“, warnt sie.

Hettwer: Die Zeit der Pumpen ist am Ende

"Ich bin froh, dass wir jetzt endlich über die Zukunft der Teiche diskutieren“: Wenn Stadtbaurat Carsten Hettwer dies sagt, denkt er jedoch nicht zwingend nur an Fische. Seit Langem strengt Hettwer mit dem Parkbeirat eine Diskussion um die Zukunft des unter Denkmalschutz stehenden Eichenparks an, in dem sich die zwei Teiche befinden. Strittig war in der Debatte um eine Neuausarbeitung der Wegeführung unter anderem, ob dafür Bäume gefällt werden müssen. „Wer jetzt die Teiche erhalten möchte, weil sie zum Denkmal gehören, der müsste dann aber auch der Fällung der Bäume zustimmen, die sich wild ausgesät haben“, sagt Hettwer. 

Die Teiche, die einst zum Schwimmen angelegt worden waren, entsprächen jedoch schon seit langer Zeit nicht mehr dem ursprünglichen Zustand. Dies liege unter anderem an den sich veränderten Wasserzuflüssen. „Die lange Trockenheit und – ein wenig – auch das Bad haben die Situation jetzt derart zugespitzt, dass eine langfristige Lösung besprochen werden muss.“

Schnell wird diese nicht kommen. Der Parkbeirat und anschließend der Umweltausschuss der Stadt werden sich erst nach der Sommerpause der Diskussion widmen. Hettwer macht sich dabei keine Illusionen: „Die Zeit, in der mit Pumpen der Zustand der Teiche gehalten werden konnte, ist am Ende.“

Von Rebekka Neander

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