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Trecker-Club feiert mit Detailliebe

Langenhagen Trecker-Club feiert mit Detailliebe

Am Sonntag gehörte der Zellerieplatz einmal mehr dem Trecker-Club Kaltenweide. Restaurierte, historische Trecker und andere Dieselaggregate strahlten dort mit der Sonne um die Wette. Die Nordhannoversche Zeitung durfte vor dem großen Fest mal einen Blick hinter die Werkstatttür werfen.

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Viele Besucher bestaunen auf dem Zellerieplatz die ausgestellten Landmaschinen des Treckerclubs Kaltenweide.

Quelle: Neander

Kaltenweide. Jedes der 24 aktiven Mitglieder des Trecker-Clubs Kaltenweide ist stolzer Besitzer eines mindestens 30 Jahre alten Treckers. Das ist Voraussetzung für eine Mitgliedschaft. Aber auch fördernden Mitgliedern steht der 1988 gegründete Verein offen, denn bei traditionellen Aktionen wie Maibaum aufstellen oder eben dem großen Fest am Sonntag ist jede helfende Hand wichtig.

Aber wie jeder Mensch aus eigener Erfahrung weiß, macht Handarbeit nur Spaß, wenn sie freiwillig verrichtet wird. So lässt sich leicht nachempfinden, dass Landwirte, welche ihre Äcker mit Spaten oder Harke bearbeiten mussten, offen für jede Form der Unterstützung waren. Schon der Einsatz von Pferdestärken bedeutete große Arbeitserleichterung. Denn anstelle der Menschen konnten Ackergäule vor den Pflug gespannt werden und so den Spaten durch einen Pflug oder die Harke mittels Egge ersetzen.

Diesels bahnbrechende Erfindung

Doch für den Quantensprung in der Landwirtschaft sorgte 1892 Rudolf Diesels Erfindung eines Verbrennungsmotors, der mit Dieselkraftstoff angetrieben werden konnte. Das ist lange her. Heute erläutern erfahrene Clubmitglieder in Kaltenweide wie Robert Ahrens oder Club-Vorsitzender Ole Ohlendorf technische Finessen der Automobil- und Traktorgeschichte, während Reiterin Dany und ihr Pferd Lotti den Entwicklungsschritt gleich anschaulich vorführen. Während Lotti über eine Pferdestärke verfügt und neugierig an der Motorabdeckung des präsentierten Hanomag schnuppert, weiß Trecker-Restaurator Ralf Künnecke nicht nur zu berichten, dass sein 1951 gebauter Traktor mit 16 PS exakt die 16 fache Leistung von Lotti liefern kann. Tier und Maschine verfügen zudem über verschiedene Geschwindigkeiten wie Straßen- oder Kriechgang.

Doch wo bei Lotti der Schweif sitzt, hat Künneckes Hanomag einen Ober- und zwei Unterlenker. Dank dieser hydraulikgesteuerten Hebeanlage können Pflug oder Egge angehoben oder abgesenkt werden, so dass ein Griff an den Hebel reicht, um den Traktor für die Feldarbeit oder den Straßenverkehr zu rüsten.

Von Allgeier bis Zettelmeier

In der Vorkriegs-Euphorie des letzten Jahrhunderts waren viele Maschinenbauer zugleich namhafte Traktorproduzenten: den Mitgliedern des Trecker-Clubs Kaltenweide gehen ihre Namen, die von A wie Allgeier über Bautz, Eidner, Fahr, Güldner, Hanomag bis Zettelmeier locker über die Lippen. Ebenso wie Traktoren von Porsche gehören sie zu Deutschlands Technikgeschichte und einige dieser raren Fundstücke harren eingestaubt und mit zerschlagenem Blinker in der Clubscheune auf bessere Zeiten.

Ihre Aussichten sind hervorragend, weil die restaurierungsfreudigen Mitglieder des Trecker-Clubs Kaltenweide viele Kniffe und Tricks kennen und die feste Absicht hegen, jeweils für hochglanzpolierte Zeiten in der Originalfarbe zu sorgen. Doch erster, völlig schmierölfreier Schritt in der Treckerkunde ist die Entzifferung von mysteriösen Zeichenreihen wie „Deutz F2 L 514“.

Die Übersetzung liefert Inhaber Bade gerne: Der Hersteller heißt Deutz, der Traktor hat 2 Zylinder und das L steht für einen „luftgekühlten“ Motor – im Gegensatz zu „wassergekühlt“ was origineller Weise mit „M“ abgekürzt wird. Vielleicht stand der Beschrifter Kopf. Denn der Deutz F2, ein sogenanntes Hochrad mit extrem großen Hinterrädern, geht bei ruppiger Anfahrt mit der Schnauze hoch, weshalb er den Spitznamen „Niedersachsenross“ bekam.

Für derlei Fachsimpelei kletterten die Besucher am Sonntag gerne auch gleich ins Innere der begehrten Vehikel. Ganz einfach, um der prallen Sonne zu entgehen. Kühl und schattig bestaunen ließ sich dagegen nur der treckerbetriebene Holzspalter. Was da dank Zapfwelle vollautomatisch zugleich gesägt und gespalten wurde, macht indes erst im Winter wieder warm.

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Fotostrecke Langenhagen: Trecker-Club feiert mit Detailliebe

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Von PATRICIA CHADDE

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