Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Und Klappe: Kinder holen einen Filmpreis

Engelbostel Und Klappe: Kinder holen einen Filmpreis

Welche Arbeit steckt in einem Trickfilm? Die Kinder, die mit ihrem Film „Der süße Brei“ den Filmpreis „Filmklappe“ gewonnen haben, wissen es: Szenen werden geplant, Figuren gebastelt und auf der Pappkartonvorlage verschoben.

Voriger Artikel
Wie kommen Eichhörnchen durch den Winter?
Nächster Artikel
Mit Nessi Tausendschön knietief ins Paradies

So sehen Sieger aus! Die Gewinner des Filmpreises „Filmklappe: Erzieher Steven mit Marie, Thore, Conrad, Luca, Maxi und Jannes (obere Reihe von links) und Louis, Max, Tobias, Luis und Wiebke (untere Reihe von links). Es fehlen Maja und Felix.

Quelle: Gerner

Engelbostel. Jede einzelne Veränderung wird fotografiert. Geräusche werden erstellt und aufgenommen und die Rollen gesprochen. Alle Fotos und Töne zusammengesetzt ergeben einen Film. Am Ende waren es 1.840 Fotos, die Erzieher Steven Selladurai mit den Kita-Kindern zusammen erstellte. Hinter fast jeder Sekunde im Film verbergen sich acht Fotoaufnahmen. Aber bis es soweit war, dass fotografiert werden konnte, gab es jede Menge Vorbereitungen. Am Anfang stand die Auswahl der Geschichte. „Wir nahmen ‚Der süße Brei’, weil die Handlung relativ kurz und einfach darstellbar ist.“, sagt Selladurai.

Ein armes Mädchen geht hungernd durch den Wald. Dort trifft sie eine alte Dame. Diese schenkt ihr einen Topf, der auf Kommando Brei kocht, so viel man möchte – und verrät ihr das Wort, um das Kochen wieder zu beenden. Das Mädchen ist glücklich: Nun brauchen sie und ihre Mutter keinen Hunger mehr zu leiden! Eines Tages geht das Mädchen aus dem Haus und die Mutter gibt dem Topf das Kommando zu kochen – hat aber das Wort vergessen, um die Kocherei zu stoppen. Panik: Der Topf kocht über, der Brei verteilt sich in der ganzen Küche, im Haus und nach und nach in der gesamten Stadt – bis das Mädchen wieder nach Hause kommt und mit dem richtigen Wort den Topf zum Stillstand bringt. Eine Geschichte über die Bedeutung kleiner Details und davon, dass Kinder manchmal cleverer sind als Erwachsene.

Erzieher Steven erklärt: „Mit den Kindern habe ich überlegt: An welchen Orten spielt die Handlung? Welche Personen sind beteiligt? Die Antworten auf diese Fragen lieferten den weiteren roten Faden: Welche Personen und Orte stellen wir im Film dar?“ Als das feststand, konnte der 29-Jährige die Kinder kaum noch bremsen: Das hungrige Mädchen in der Geschichte, die alte Dame, die ihr den Breitopf schenkt, die Mutter des Mädchens – Wiebke, Marie, Luis und die anderen damaligen Kindergartenkinder bastelten und bemalten die Figuren. Die Haare klebten sie aus Wollfäden an. Der Wald, der Kochtopf, die Küche und die Stadt, die am Ende voller Brei ist, wurden ebenso gemalt, ausgeschnitten und auf die Vorlage gelegt. Ganz wichtig war Max, dass die Stadt auch ein Fußballstadion hat.

Dann die Szenen: Das hungrige Mädchen geht durch den Wald. Mal läuft sie vor einem Baum her, mal dahinter. So schafften die Kinder es sogar, eine gewisse Dreidimensionalität herzustellen. Millimeter für Millimeter wurden die Figuren bewegt: Hände und Füße schoben sich voran, Haare flogen nach oben, der Kochtopf wackelte und der Brei quoll heraus.

Jedes Kind durfte etwas malen und ausschneiden, Figuren legen, sprechen, singen oder pfeifen, die Fotokamera bedienen oder die Szenen auf dem Fernseher kontrollieren.

Natürlich ging auch immer mal wieder etwas schief: Häufig waren auf den Fotos die Hände der Kinder zu sehen. Das ging natürlich nicht. So musste noch mal geknipst werden. Die Sprecher verhaspelteten sich manches Mal. Die alte Märchensprache war ihnen nicht vertraut und musste zunächst erklärt werden. Wer sagt heute noch: „Nun bist Du Deines Hungers ledig.“? Auch die Töne waren nicht einfach zu erstellen: Der Wasserkocher machte zwar das richtige Geräusch, doch das Klicken, wenn er sich ausschaltete, gehörte so gar nicht zu der alten Geschichte. So mussten etliche Szenen oder Aufnahmen wiederholt werden – wie beim richtigen Filmen auch.

Wieviel Arbeit insgesamt in dem sechsminütigen Film steckt, kann Erzieher Steven Selladurai nicht in Stunden oder Wochen bemessen. Margit Frehrking, die Mutter von Conrad aus der Filmgruppe, zeigt sich wie die anderen Eltern auch beeindruckt von dem Projekt: „Ich möchte nicht wissen, wie viele Abende Steven noch zusätzlich mit dem Schneiden verbracht hat.“

Doch die Mühe hat sich gelohnt: Die Kinder der Martinskita und ihr Erzieher gewannen beim 10. Kurzfilmwettbewerb für Kinder und Jugendliche aus der Region Hannover und dem Landkreis Celle den 1. Platz in der Kategorie „Kindertagesstätten/Grundschulen“.

So ein Erfolg müsste doch motivieren, sich auch in Zukunft filmerisch zu betätigen – meint man. Doch weit gefehlt. Keins der Kinder strebt eine Schauspielkarriere an. Lediglich Tobias möchte gern später Regisseur werden. Alle anderen Jungen der Filmgruppe sind sich in ihrem Berufswunsch einig: Profifußballer.

doc6s6q68787v8f73yz7yq

„Hilfe! Der Brei kocht über!“ Ob Uhr, Topf, Herd oder Bild an der Wand: Alle Requisiten in den Szenen des Films haben die Kinder sich selbst ausgedacht, liebevoll gemalt und ausgeschnitten.

Quelle: Gerner

Von Gabriele Gerner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
Schulzentrum Langenhagen

Nahezu vollständig müssen das Gymnasium und ein Teil der IGS abgerissen und neu gebaut werden, weil der Brandschutz nicht gewährleistet ist. Mehr zum Schulzentrum Langenhagen lesen Sie hier. mehr