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Üstra stellt sich Kritik an Schülertransport

Langenhagen Üstra stellt sich Kritik an Schülertransport

Sind die Schulbusse tatsächlich überfüllt? Oder nutzen die Kinder nur die Fahrzeuge nicht richtig? Nach langer, heftiger Diskussion im Bildungsausschuss mit Vertretern von Üstra und Region zeigt sich: Das Problem hat Tradition. Und ein Gutteil der Verantwortung fällt auch auf die Politik zurück.

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Weil die Schlusszeiten von Gymnasium und Gesamtschule im Stadtkern nicht harmonisiert sind, müssen Schüler am Nachmittag oft lange auf ihre Heimfahrt warten.

Quelle: Jarolim-Vormeier

Langenhagen. Die Aussagen der Elternvertreter klingen dramatisch: Grundschulkinder, die ob des Gedränges verängstigt sind. Busse, die übervoll erst gar nicht anhalten. Jugendliche, die nachmittags aufgrund ungünstiger Abfahrzeiten mehr als eine Stunde unterwegs sind. Die Vertreter der Üstra und der Region Hannover bekamen in der jüngsten Sitzung des Bildungausschusses nicht viele nette Worte zu hören.

Vorangegangen war ein ausführlicher Bericht zu einer Fahrgastzählung Ende Februar. Vom 20. bis 24. Februar, berichtete Üstra-Fahrplaner Armin Berlich dem Ausschuss, hatte das Verkehrsunternehmen zwischen Kaltenweide und der Kernstadt spezielle Zählbusse eingesetzt. Kontrolliert wurden insgesamt vier Abfahrtszeiten zwischen 7.19 Uhr (Linie 611) und 7.33 Uhr (Linie 610). Abzüglich gewisser Messungenauigkeiten hätten sich die Tage Dienstag bis Donnerstag als verwertbar erwiesen. Dabei waren die vier Busse mindenstens mit 76 Personen besetzt (Linie 610, Abfahrt 7.32 Uhr) sowie maximal mit 112 Personen (Linie 610, Abfahrt 7.29 Uhr). Im Durchschnitt erwies sich der zweite Bus (Linie 610, Abfahrt 7.29 Uhr) mit 101 Fahrgästen als am stärksten genutzt, die übrigen drei Abfahrtzeiten weisen zwischen 86 und 89 Fahrgäste im Durchschnitt auf. Die Üstra legt eine Auslastung von rund 100 Personen pro Gelenkbus als rechnerisches Maximum innerhalb der "Komfortzone" zugrunde, räumt aber ein, dass dieser "Komfort"-Begriff für den Schülerverkehr nicht gelte.

Anlass für die Zählung sowie den Besuch im Bildungsausschuss war ein Ortstermin am Kaltenweider Bahnhof im Januar auf Anregung von Claudia Hopfe, die für die CDU sowohl im Langenhagener Rat sitzt als auch in der Regions-Versammlung. Diese ist der eigentliche Auftraggeber für die Busse und Bahnen der Üstra. Auch an diesem Ortstermin hatten seinerzeit Berlich sowie seine Kollegin Carmen Stock teilgenommen. Manche Probleme, die damals besprochen worden waren, hätten sich inzwischen entspannt, berichtete Berlich jetzt. So stiegen inzwischen in den Bus um 7.19 Uhr, dem einzigen, der morgens über die See-Städte ins Stadtzentrum fährt, am Bahnhof längst nicht mehr so viele Kinder und Jugendliche ein wie noch im Januar. Damals hatten die Schüler Berlich berichtet, sie nähmen den frühen Bus, um ihre Freunde aus den See-Städten darin zu treffen. Während der Zählwoche hätten Berlich und zwei weitere Kollegen der Üstra die Haltestellen am Wennebosteler Hof sowie an der Heinrich-Hagemann-Allee besonders beobachtet. "An allen Haltepunkten wiesen alle Busse noch Kapazitäten auf", betonte Berlich - konnte die Ausschuss-Mitglieder damit allerdings nicht gänzlich beruhigen.

Von Busfahrern, die eine ganze Woche nicht die Lindenstraße in Kaltenweide anführen, weil sie sich noch nicht ausreichend auskennen, klagte ein Großvater im Publikum. Von Fahrgemeinschaften, die inzwischen rund 40 Gymnasiasten in die Außenstelle an der Hindenburgstraße brächten, berichtete Lehrer-Vertreterin Silke Kaune. Diese Schüler, so Kaune, "fehlen ja in Ihren Berichten". Berlich und Stock wollten diese Anmerkungen nicht bestreiten und versprachen, den Beschwerden noch einmal nachzugehen. Nicht alles aber wollte Berlich auf sich sitzen lassen. "Ich habe selbst Grundschüler beobachtet, die nicht an der Eichstraße in Krähenwinkel aussteigen, sondern eine Haltestelle später, um dort zum Kiosk zu gehen", erzählte der Fahrplaner. "Wenn die dann zu spät in den Unterricht kommen, ist im Zweifel der Busfahrer schuld." Richtig sei auch, dass Busse zuweilen durchfahren, wenn sie bereits sehr voll sind. Dies allerdings nur, wenn sicher sei, dass dem Fahrzeug innerhalb weniger Minuten ein weiteres folge. Und noch etwas: "Seit dem Wechsel an der Spitze des Gymnasiums bekommen wir keinerlei Hinweis mehr auf Probleme im Alltag", klagte Berlich. Kaune, selbst Koordinatorin am Gymnasium, versprach ihrerseits Besserung.

Seit 2008 keine Klage im Nahverkehrsplan

Eigentlicher Auftraggeber für die Zahl der einzusetzenden Busse und Bahnen ist die Region Hannover. Sie legt alle fünf Jahre dazu einen Nahverkehrsplan auf, an dessen Gestaltung sich alle Kommunen beteiligen. Obwohl im Bildungsausschuss Schulvertreter wie Politiker beschworen, das Problem übervoller Schulbusse begleite die Stadt seit Jahrzehnten, ist davon in den Einwendungen der Stadt Langenhagen in den vergangenen zehn Jahren nichts zu lesen.

In der Drucksache 2014/236-4 sind in 19 Unterpunkten alle Anregungen der beteiligten Fachausschüsse und Ortsräte aufgelistet. Auch der Ortsrat Kaltenweide hatte sich seinerzeit zu Wort gemeldet: Danach sei die S-Bahn-Linie 4 mit einem dritten Wagen in Spitzenzeiten auszustatten, nahe der Pfeifengrasstraße bedürfe es einer weiteren Haltestelle und die Fahrzeiten des Erixx seien einzuhalten. Weder in dieser Stellungnahme der Stadt, die letztlich vom Rat beschlossen wurde, noch in der vergleichbaren Drucksache aus dem Jahr 2008 ist etwas von Kapazitätsproblemen im Schülerverkehr etwas zu lesen. Die Gründe dafür liegen im Dunkeln. Während eine Ausschuss-Vertreterin am Rande der Sitzung schlicht bekannte, von derlei Beratungen nichts zu wissen, da sie dem Verkehrsausschuss nicht angehöre, schilderte ein Kollege seine Kapitulation. "Wir haben so lange uns beschwert ohne jeden Erfolg, da haben wir einfach aufgegeben."

Der nächste Nahverkehrsplan soll 2020 in Kraft treten. Die ersten Vorbeitungen, so Bernd Hüsken von der Region Hannover, werden 2018 eingeleitet.

Kommentar von Rebekka Neander

Wer die Musik bestellt, muss auch zahlen

Die Kritik der Eltern und Schulen am Gedränge in den Schulbussen ist stellenweise sicherlich berechtigt, ebenso wie an den langen Wartezeiten für die nachmittägliche Heimfahrt der Ganztagsschüler. Und doch prügelten Politik und Elternvertreter im Bildungsausschuss die Falschen. Denn weder Fahrplaner Armin Berlich noch Angebotsmanager Bernd Hüsken bei der Region sind für die Zahl der eingesetzten Busse und Bahnen verantwortlich. Es ist die Politik selbst. Der Mechanismus ist einfach: Wenn die Stadt mehr Busse braucht, muss sie die bei der Üstra bestellen – und über die Region bezahlen. Allerdings hat Langenhagen das bei der Erstellung der Nahverkehrsplänen der vergangenen zehn Jahre nicht gemacht. Warum nicht, wenn denn die Zustände in den Schulbussen so derart unerträglich sind?

Auch wenn der nächste Nahverkehrsplan und damit auch die Finanzierung der Ausstattung erst für 2020 anstehen, hat es Langenhagen kurzfristig in der Hand, Linderung zu schaffen. Zum einen muss sich der Informationsfluss zwischen Schulen und Üstra umgehend deutlich verbessern. Zum anderen könnten mit dem Neu- und Umbau der Schulen auch deren Schlusszeiten mit der Üstra besser abgestimmt werden.

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