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Schöndeling verlässt Kunstverein

Langenhagen Schöndeling verlässt Kunstverein

Sie geht – mit viel Vorfreude und schwerem Herzen: Ursula Schöndeling verlässt Ende des Jahres den Kunstverein Langenhagen. Sie übernimmt in gleicher Funktion die Direktion in Heidelberg. Für die gebürtige Hessin ist es eine Rückkehr in die alte Heimat und Aufbruch in deutlich ungewohntes Arbeiten.

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Nach acht Jahren in ihrem "Schlauch", dem so langen wie schmalen Ausstellungsraum, nimmt Ursula Schöndeling Abschied vom Kunstverein - mit viel Vorfreude und schwerem Herzen.

Quelle: Neander

Langenhagen. Sie hat es sich nicht leicht gemacht. Und nicht dieser Stadt. Und wie immer, wenn es eigentlich völlig klar erscheint, dass es so nicht weitergehen kann, fällt der Abschied schwer. Aber nun sind alle Verträge unterschrieben, die Nachfolgerin steht fest. Ursula Schöndeling verlässt Langenhagen, ihren Kunstverein – und die Dampfbäckerei Zwick. Schöndeling lacht – und schneidet wehmütig ihre nunmehr gezählten Mandelcroissants und Bretonischen Apfelschnitten auf.

Wer mit der studierten Kunsthistorikerin ein wenig eintaucht in ihr Ankommen, in diese verregneten Novembertage 2008, hört indes wenig Amüsiertes. Eine Fahrt mit der Stadtbahn von Hannover kommend, offenbart ihrem Auge „grabhügelähnliche Beete“, und dies in der „Depressionswoche“. Und wer dazu ein wenig stöbert in ihrem Lebenslauf, darin auf eine Ausbildung zur Erzieherin stößt, auf bunte, laute, schrille Jahre im wilden Frankfurt der frühen Achtzigerjahre, auf viele, auch steile Kurven, mag sich fragen: Was um alles in der Welt will die in Langenhagen?

Na, ihr Ding machen. Wirklich ihr Ding. Keine Kooperation, keine Stellvertreterin mehr. Wirklich Kunst und kein Marketing. Keine Kneipe („Wer einen Stuhl mitbringt, bekommt Freibier!“), kein Künstlerhaus, keine Werbeagentur. Und so landet sie eben in der Stadtbahnlinie 1 und danach in einer ehemaligen Kegelbahn mit einem Büro davor, das sie lange Zeit liebevoll-distanziert ihre „Sparkasse“ nennt. Der Möbel wegen.

Wer mit der studierten Kunsthistorikerin ein wenig eintaucht in ihr Ankommen, in diese verregneten Novembertage 2008, hört indessen wenig Amüsiertes. Eine Fahrt in der Stadtbahn von Hannover kommend, offenbart ihrem Auge "grabhügelähnliche Beete", und dies in der "Depressionswoche". Und wer dazu ein wenig stöbert in ihrem Lebenslauf, darin auf eine Ausbildung zur Erzieherin stößt, auf bunte, laute, schrille Jahre im wilden Frankfurt der frühen 80-er Jahre, auf viele, auch steile Kurven, mag sich fragen: Was, um alles in der Welt, will DIE in Langenhagen?

Na, ihr Ding machen. Wirklich IHR Ding. Keine Kooperation, keine Stellvertreterin mehr. Wirklich Kunst und kein Marketing. Keine Kneipe ("wer einen Stuhl mitbringt, bekommt Freibier!"), kein Künstlerhaus, keine Werbeagentur. Und so landet sie eben in der Stadtbahnlinie 1 und danach in einer ehemaligen Kegelbahn mit einem Büro davor, das sie lange Zeit liebevoll-distanziert ihre "Sparkasse" nennt. Der Möbel wegen.

Und doch – oder vielleicht sogar deswegen: Schöndeling und Langenhagen werden kein Missverständnis. Daran ändern auch nicht erste Fragen aus der Politik, ob sie denn auch „bitteschön!“ in der Stadt wohne? Nein, tut sie bis heute nicht. „Weil man als alleinstehende Frau in Langenhagen nirgends hingehen kann am Abend.“ Das vielleicht nicht. Aber man kann neben dem Haus der Jugend, vor allem aber mit diesem enorme Kooperationen stemmen.

Sie befreit sich von Sparkassen-Mobiliar, lässt durch die nunmehr klare Schaufensterscheibe fortan alle Passanten an ihrem Tun teilhaben. 120 unterschiedliche Workshops, unzählbar oft gebucht von den Schulen der Stadt, werden 40 Ausstellungen entspringen. Schöndeling verzichtet bald auf überteuerte, in Berlin eingekaufte Kunstvermittlung und presst lieber auch dies noch irgendwie in ihre papiernen 26 Wochenstunden. In Langenhagen wohnen muss man dazu nicht. Wohl aber Menschen kennen, die mit am selben Strang ziehen. Und bodenständige Handwerksbetriebe, die zuweilen kostenlos Hand anlegen, wenn es mal wieder eine Bühne braucht, eine exotische Lampenvorrichtung oder was sich diese Künstler eben noch so ausdenken.

Schöndeling ist ohnehin viel unterwegs. Zuweilen holt sie Künstler (und ihre Werke) mit dem Auto persönlich ab – aus Frankreich zum Beispiel. Ihre Kilometerleistung ist ein Spiegelbild ihrer Arbeit. Längst hat sich dieser vermeintlich kleine Kunstverein im Norden der Landeshauptstadt aus dem Schatten derer dort herausgeschält, erhält Würdigung und Preise, verlegt Kataloge, Künstler-Editionen und Bücher.

„Das ist es, was bleibt“, sagt Schöndeling mit Blick auf ihre ehemalige Kegelbahn, diesen so eigenwillig langen und schmalen Ausstellungsraum, der stets besenrein wieder verlassen wird. „Dabei wird in ihr Kunst in Echtzeit produziert.“ Schöndeling denkt dabei sehr wohl auch an die Nachbarn, die sich wohl kaum vorgestellt haben, dass auch ein Kunstverein nachts zur Schweißerei werden kann.

Das alles klingt nach Leben, Lärm und Lust. Und doch gilt eben auch jener Satz: „Es waren einsame Jahre.“ Ohne feste Mitarbeiter, ohne intensiven Austausch mit dem erwachsenen Teil dieser Stadt, nicht Fisch, nicht Fleisch, nicht Dorf, nicht Metropole. Und deshalb freut sich Schöndeling jetzt. „Auf Mitarbeiter!“, entfährt es ihr mit einem Juchzen. Auf ein Haus mit mehreren Zimmern. Auf das simple alltägliche „Guten Morgen!“. Auf einen leeren Wohnzimmerteppich – „weil ich jetzt eine Buchhalterin habe!“ Sie wird in Heidelberg einen Fünf-Jahres-Vertrag haben. Ein Risiko? Schöndeling wägt ab und hält sich ein wenig fest am Mandelcroissant. Doch dann lacht sie. „Was soll mir denn passieren?“

Die letzte von Schöndeling kuratierte Ausstellung „Animal Exer-
cice“ feiert am Freitag, 18. November, Vernissage. Es ist eine Kooperation mit der Schauspielerin Felicitas Hoppe und zwei bildenden Künstlern. Die Finissage ist im Januar und liefert der im November zu präsentierenden Nachfolgerin Zeit zum Eingewöhnen.

Von Rebekka Neander

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