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So bereitet sich Langenhagen vor

Bombenräumung So bereitet sich Langenhagen vor

Langenhagen rüstet sich für Sonntag: Alle Beteiligten und Betroffenen müssen sich auf erhebliche Einschränkungen gefasst machen. Es gilt, drei Verdachtspunkte auf Bombenblindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg zu untersuchen. Dafür müssen 16.000 Menschen ihre Wohnungen bis 9 Uhr verlassen haben.

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Alles ist vorbereitet für die Bombenräumung am Sonntag in Langenhagen.

Quelle: Bismark

Langenhagen. Wegen der 
drei Verdachtspunkte – zwei liegen im Langenhagener Stadt-
gebiet, ein weiterer auf der Autobahn 2 in Höhe Godshorn – müssen 14.400 Menschen aus Langenhagen und Godshorn sowie 1600 Bewohner aus Vahrenheide, Brink-Hafen und Vinnhorst ihre Wohnungen und Häuser bis 9 Uhr verlassen.

Doch nicht nur das: Im Evakuierungsbereich, der in einem Radius von 1000 Metern um die drei Verdachtspunkte eingerichtet wird, steht am Sonntag auch der Verkehr still. Nicht nur in Langenhagen sind ab 9 Uhr diverse Straßen gesperrt – sondern auch die Autobahn 2 zwischen Hannover-West und Hannover-Ost. Und zwar voraussichtlich bis 20 Uhr. Zudem gibt es erhebliche Einschränkung im öffentlichen Bus- und Schienenverkehr.

Unterdessen appelliert Janine Burger, im Langenhagener Rathaus unter anderem für die Bombenräumungen zuständig, an die Betroffenen, Fenster und Türen ihrer Wohnungen fest zu verschließen und Wertsachen vom Außenbereich der Grundstücke – etwa teure Gartengrills – wegzuschließen.

Senioren besonders gefordert

Bettlägerige Langenhagener, die den Tag nicht in der Sammelstelle verbringen können, sollten sich auf Anraten der Stadtverwaltung von ihrem Hausarzt kurzfristig ins Krankenhaus einweisen lassen. In der Sporthalle des Schulzentrums werden jedoch Feldbetten aufgestellt. Zudem werde sich Betreuungspersonal um pflegebedürftige Menschen kümmern. Krankentransporte, die über die Stadtverwaltung bestellt werden, übernehmen nur Fahrten zur Sammelstelle. Wer zu einem anderen Ort gebracht werden soll, muss diesen Transport selbst organisieren.

Castanea-Chefin Sonja Vorwerk-Gerth geht indes andere Wege. Sie lässt für ihre dementen Patienten am Sonntag an der Robert-Koch-Straße außerhalb des Evakuierungsgebietes eigens ein Zelt aufbauen, berichtet sie dieser Zeitung. Denn für Demenzkranke sei allein schon ein unbekannter Ort schlimm. Deshalb sollen sich bei ihr die gewohnten Pfleger um die Menschen kümmern, sagt Vorwerk-Gerth.
Das gilt auch für die Bewohner der Bachstraße, wie Birgit Jünemann sagt. Ihre Einrichtung hat in den vergangenen Jahren nach etlichen Evakuierungen schon so etwas wie Routine entwickelt. Nach dem Frühstück werden die Senioren abgeholt, in der Sammelstelle von den Pflegern und dem Begleitdienst betreut. „Wir haben alles wie immer gut vorbereitet“, sagt Jünemann. Das beziehe sie nicht nur auf Essen und Trinken, sondern auch auf kleine Angebote zum Ablenken.

Seit Donnerstag ist das gebührenfreie Bürgertelefon unter der Nummer (08 00) 7  30 70 00 geschaltet. Darüber können Krankentransporte angemeldet und Fragen geklärt werden. Als Sammelstellen sind sowohl die Mensa und die Sporthalle des Schulzentrums Langenhagen vorgesehen. Burger bittet die Betroffenen, nicht mit dem eigenen Auto zur Sammelstelle zu fahren. Denn dort fehlt es schlichtweg an Parkmöglichkeiten.

Bereits ab heute Morgen gibt es Beeinträchtigungen auf der Vahrenwalder Straße in Richtung Hannover: Dort ist die rechte Spur vor der Aral-Tankstelle wegen der Vorarbeiten für Sonntag gesperrt – ein Verdachtspunkt befindet sich in unmittelbarer Nähe der Tankstelle. Deswegen ist das Areal seit Dienstag bereits abgesperrt, seit gestern Morgen verhindert ein Sichtschutz, dass Passanten die Arbeiten beobachten können. Geöffnet hingegen ist der Verkaufsraum der Tankstelle, die Mitarbeiter werben mit Schildern um Kunden.

740 Einsatzkräfte bereiten sich vor

Die Abläufe einer Evakuierung sind für uns Routine“, sagt Tim Heinrich, Dienststellenleiter der Johanniter. „Wir sind darauf vorbereitet, jederzeit auch ohne langen Vorlauf einen solchen Einsatz zu meistern.“ Gleiches gilt für die Feuerwehr. Sie stellt allein 135 Einsatzkräfte. Die Johanniter werden am Sonntag von weiteren Ortsverbänden unterstützt und stehen mit 130 Kräften sowie fast 60 Fahrzeugen parat. Sie kümmern sich auch um die Versorgung der Menschen in den Sammelstellen.

Die Polizei hat nach Auskunft von Kommissariatssprecher Mario Mantei 260 Beamte, auch von der Bereitschaftspolizei, im Einsatz. Besondere Herausforderung: Wegen des Stadtfestes muss die Polizei höhere Präsenz zeigen. Doch nicht nur das. Wegen der am Sonntag anstehenden Evakuierung verreisen viele Betroffene. Um die dann leeren Wohnungen vor Dieben zu schützen, wird die Polizei diese Bereiche besonders überprüfen, sagt Mantei. „Wir sind besonders sensibilisiert.“

Am Sonntag selbst werden die Beamten zusammen mit der Feuerwehr kontrollieren, ob die Bewohner ihre Häuser und Wohnungen verlassen haben, kündigen Mantei und Feuerwehrsprecher Stephan Bommert an. Die Feuerwehr wird auch mit fünf Lautsprecherfahrzeugen die Menschen ab 8 Uhr auffordern, ihre Wohnungen zu verlassen. Zudem wird die Polizei mit einem Hubschrauber samt Wärmebildkamera überprüfen, ob der Bereich menschenleer ist. Falls der Verdacht besteht, dass sich noch Menschen in Häusern befinden, dürfen Polizei und Feuerwehr die Türen aufbrechen, betont Bommert. Die Kosten tragen die Bewohner.

Zufahrt für Retter: Parkplatz gesperrt

Wegen des Stadtfestes auf dem eigentlichen Marktplatz muss der Wochenmarkt umziehen. Die Stände der Händler sind am Sonnabend ausnahmsweise auf dem Parkplatz des Schulzentrums an der Konrad-Adenauer-Straße aufgebaut. Doch nur bis zum Marktende. Die Stadtverwaltung weist darauf hin, dass auf dem Parkplatz dann ab 19 Uhr ein absolutes Halteverbot gilt. Denn dieser Bereich ist am Sonntag als Zufahrt für die Rettungsfahrzeuge zur Sammelstelle geplant. Bei Zuwiderhandlungen lässt die Stadt Autos rigoros abschleppen. Das gilt für alle für die Evakuierung eingerichteten Halteverbotszonen.

Sven Warnecke und Antje Bismark

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