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Weniger Radlerunfälle sind das Ziel

Langenhagen Weniger Radlerunfälle sind das Ziel

Eine Vielzahl von Städten und Kommunen haben mittlerweile bundesweit die Radwegebenutzungspflicht – wo sie verkehrlich vertretbar ist – aufgehoben. Was darunter zu verstehen ist, erläutert der stellvertretende Sprecher der Langenhagener ADFC-Ortsgruppe Rudi Eifert (74) im Gespräch mit Redakteur Sven Warnecke.

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Rudi Eifert fordert partnerschaftliches Verhalten im Straßenverkehr.

Quelle: Archiv

Langenhagen. Was ist unter Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht genau zu verstehen?

Die Reduzierung von Fahrradunfällen ist der Anlass dieser Änderungen im Verkehrsrecht. Rechtsgrundlage ist die Fahrradnovelle der Straßenverkehrsordnung (StVO) aus dem Jahre 1997 und deren Neufassung 2009. Darin ist vorgeschrieben, dass die Benutzungspflicht vorhandener Radwege durch Rückbau blauer Radwegeschilder dort aufgehoben wird, wo sie verkehrlich und im Interesse und zur Sicherheit des Radfahrers vertretbar ist. Was aber nicht heißt, dass der Bau neuer, auch außerörtlicher, Radwege aus den Augen verloren wird.

Warum eine Aufhebung?

Die meisten Fahrradunfälle passieren dort, wo Radfahrer auf einem Radweg geradeaus über eine Kreuzung fahren. Dort werden sie zu oft von rechts abbiegenden Fahrzeugen übersehen, was besonders bei Unfällen mit Lastwagen oft zum Tode des Radfahrers führt. Dieses Übersehen entfällt, wenn Radfahrer dort auf der Straße fahren dürfen, weil es für sie ungefährlicher ist. Baulich erkennbare Radwege ohne blaue Schilder dürfen natürlich von unsicheren Radfahrern – wie Jüngeren und Älteren – auch weiterhin benutzt werden.

Welches Ziel hat also die Novelle?

Es ist erwiesen, dass Radfahrer bei Benutzung eines Radweges aufgrund rechts abbiegender Fahrzeuge einem deutlich höheren Unfallrisiko ausgesetzt sind. Bei einem fahrbahnbegleitenden Schutzstreifen oder einem Radweg auf der Fahrbahn selbst ist diese Unfallgefahr durch die gegenseitige Sicht weitaus geringer.

Was tun, wenn die blauen Verkehrszeichen fehlen?

Fehlen diese Verkehrszeichen für Radwege in Fahrtrichtung und sind sie lediglich aufgrund ihrer baulichen Struktur als Radwege erkennbar – etwa durch vom Fußweg getrennte rote Pflasterungen – dann kann der Radfahrer nach eigener Wahl entweder auf dem Radweg fahren oder aber die Fahrbahn nutzen.

Wann ist eine Radwegebenutzungspflicht erforderlich?

Stets dann, wenn der Verkehrsablauf eine Gefahrenlage für den Radfahrer darstellt – etwa durch sehr starkes Verkehrsaufkommen, beispielsweise im Gewerbegebiet Godshorn – und somit eine Benutzung der Fahrbahn ausschließt. Die Erforderlichkeit prüft die Straßenverkehrsbehörde im Einzelfall. Sichergestellt muss sein, dass die Radwege mit Blick auf Beschaffenheit und baulichem Zustand auch benutzbar sind.

Wie gehen Kommunen und Städte mit der Umsetzung der Novelle um?

Je nach Haushaltslage und Prioritätenliste machen sie das selbst oder beauftragen ein Ingenieurbüro, das ein örtliches Radwegekataster erstellt. Dabei werden die Radwege auf bauliche Zustände, Mindestbreite und Zumutbarkeit der Benutzung, aber auch die verkehrlichen Konstellationen geprüft. Das Ergebnis ist dann in der Regel ein Planungskonzept, anhand dessen die Kommunen die Maßnahmen umsetzen.

Und was macht die Stadt Langenhagen?

Langenhagen entschied sich, kein Ingenieurbüro mit der Ausarbeitung eines Konzeptes zu beauftragen. Die Erhebungen sollen in Eigenregie erfolgen.

Wie sieht das denn in der Stadt konkret aus?

Im September 2014 gab es in Zusammenarbeit mit der Langenhagener Stadtverwaltung, der Polizei und unserer ADFC-Ortsgruppe den ersten Teil einer Verkehrsschau. Dabei wurden mit dem Fahrrad neuralgische Punkte in Langenhagen abgefahren. Überprüft wurden unter anderem die baulichen Zustände der Radwege.

Konnten anschließend festgestellte Mängel bereits beseitigt werden?

Aus verwaltungstechnischen Gründen sind leider die seinerzeit in einem Protokoll festgehaltenen und daraus resultierenden Maßnahmen noch nicht umgesetzt worden. Der zweite Teil der Verkehrsschau und die daraus zwingend erforderlichen Maßnahmen stehen bisher aus. Doch sie müssten – gerade im Interesse der hiesigen Radfahrer – baldmöglichst realisiert werden.

Aber immerhin gibt es doch schon mit der Karl-Kellner-Straße eine erste Fahrradstraße in der Stadt. Reicht Ihnen das nicht?

Die Verringerung der Radwegebenutzungspflicht und die Fahrradstraße ergänzen sich gegenseitig. Die Karl-Kellner-Straße ist im Oktober 2014 als Teil einer ersten Fahrradstraße Langenhagens eingerichtet worden. Die Realisierung basiert auf einem Vorschlag des von einem Ingenieurbüro ausgearbeiteten Verkehrsentwicklungsplans.

Was wünscht sich die ADFC-Ortsgruppe Langenhagen?

Eine möglichst zügige Umsetzung der bereits protokollierten Maßnahmen und die weitere versprochene Überprüfung der Radwegebenutzungspflicht mit rascher Umsetzung aller daraus resultierenden Schritte. Zusätzlich sollten die dann eingeführten Maßnahmen auch in der Öffentlichkeit dargestellt werden, um Autofahrer und Radfahrer auf die neue Situation hinzuweisen. So würden Konflikte frühzeitig vermieden werden.

Haben Sie für die Stadtverwaltung konkrete Tipps parat?

Unser erster Vorschlag lautet: An Radwegen, deren Benutzungspflicht aufgehoben wird, vorübergehend Digitalschilder mit dem Hinweis „Radfahrer dürfen auf der Straße fahren“ oder „Radwegebenutzungspflicht aufgehoben“ aufgestellt werden.

Klingt zweiteres nicht ein wenig verschroben, versteht das jeder Autofahrer?

Keineswegs. Zum Schutz des Radfahrers, der plötzlich auf der Straße fahren darf, halten wir solche Hinweise, die Radfahrer und Autofahrer zu einem partnerschaftlichen Verhalten auffordern, für absolut angemessen.

Gibt es in der Region Hannover bereits Kommunen, die weiter sind als Langenhagen?

Ja, etwa die Stadt Burgdorf. Die Verwaltung dort hat mit einem von der Region Hannover beauftragten Ingenieurbüro und der dortigen ADFC-Ortsgruppe die Radwegebenutzungspflicht größtenteils aufgehoben und solche Digitalschilder geordert. Diese Vorgehensweise – vor allem zum Schutz unserer Alltagsradfahrer – würden wir uns natürlich auch für Langenhagen wünschen. Vielleicht können sich die Städte Burgdorf und Langenhagen absprechen und vorhandene Schilder gemeinsam nutzen.

Wie sieht Ihr Ziel rund um die Radwegebenutzungspflicht aus?

Wiederholen möchte ich, dass Unfallvermeidung und der Schutz des Radfahrers für uns als ADFC ein ganz besonderes Anliegen ist. Sinnvoll für uns ist, dass die Benutzungspflicht nur dort aufgehoben wird, wo sie keine Gefahr für den Radfahrer darstellt. Die Senkung des Unfallrisikos hat für uns also einen hohen Stellenwert.

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