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Wie gefährlich ist das Jakobskreuzkraut?

Engelbostel Wie gefährlich ist das Jakobskreuzkraut?

Besonders Pferdehaltern fallen die Blüten unangenehm auf: Zwar ist nicht alles, was gelb am Wegesrand blüht, gefährlich. Doch unter den Pflanzen hat sich auch das giftige Jakobskreuzkraut ausgebreitet.

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Das giftige Jakobskreuzkraut wächst in der Nähe des Ortes Krähenwinkel. Auch durch das erhöhte Aufkommen der Pflanze an Straßengräben und Grünstreifen werden Tiere bedroht, da es gemäht ins Futter gelangen kann.

Quelle: Nils Oehlschläger

Langenhagen. Wie tückisch diese Pflanze sein kann, weiß Heike Kupczak vom Reit- und Fahrverein Engelbostel. „Es gibt Pferdehalter, die Ahnung haben und die darauf achten, dass ihre Tiere damit nicht konfrontiert werden“, sagt die Reitlehrerin. Doch wenn eine gelb blühende Pflanze auf der Wiese steht, muss der Pferdehalter nicht mit dem Schlimmsten rechnen.

„Wenn sie auf der Wiese genug zu fressen haben, lassen die Pferde das Jakobskreuzkraut stehen“, erklärt Kupczak. Das liegt an den Bitterstoffen in den Blättern. Erst, wenn die Tiere zu wenig Gras auf der Koppel finden, ist es möglich, dass sie auf das giftige Kraut ausweichen. Eine weitere Gefahrenquelle ist das Futter, also etwa Heu oder Grassilage. „Die Gefahr liegt darin, dass das Jakobskreuzkraut auch im Heu mit verwendet wird“, sagt Kupczak. Da es sich über Pollenflug ausbreitet, gelangen die Samen der Pflanze von den Grünstreifen auf Wiesen, deren Gras später als Nahrung für die Pferde dient. Auch im getrockneten Zustand verliert die Pflanze über mehrere Monate hinweg ihre giftige Wirkung nicht.

„Bei einem Pferd reichen täglich 20 bis 40 Gramm“, sagt Kupczak. „Die Tiere nehmen das Gift über Monate auf. Dann reichert es sich im Körper an und führt zu irreparablen Leberschäden.“ Grund sind die in der Pflanze enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide, kurz PA genannt. Sie können vom Körper nicht ausgeschieden werden und werden stattdessen zu giftigen Schadstoffen verarbeitet. „Die Leberfunktionen lassen immer mehr nach, bis die Tiere irgendwann tot sind“, erklärt die Reitlehrerin.

Abhilfe schaffen ihrer Meinung nach nur radikale Methoden. „Man darf das Jakobskreuzkraut nicht nur abmähen, sondern muss es mit der Wurzel rausreißen.“ Dieser Weg sei anstrengend, aber die Mühe wert. „Ein Pferd hat einen Wert und ist auch ein Familienmitglied. Da sollte man es auch artgerecht versorgen“, sagt Kupczak. Das ausgerissene giftige Kraut gehöre jedoch nicht auf den Kompost. „Der Misthaufen kommt als Dünger wieder aufs Feld. Nur verbrennen hilft.“

Tödliche Gefahr: Pferde sind besonders anfällig

Jakobskreuzkraut wird von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen als ernst zu nehmende Gefahr eingestuft. Die Behörde hat dazu eine Broschüre für Tierhalter herausgegeben.

Bei Pferden führt die Aufnahme von 40 bis 80 Gramm der Frischpflanze pro Kilogramm Körpergewicht des Tieres zum Tod. Bei einem 350 Kilogramm schweren Pony sind das 14 bis 20 Kilogramm, die das Tier auf der Weide aufnehmen müsste. Befindet sich Jakobskreuzkraut getrocknet im Futter, müsste das Tier 2,4 Kilogramm davon aufnehmen, bevor es verendet.

Rinder sind weniger anfällig als Pferde, doch auch bei ihnen kann die Aufnahme von Jakobskreuzkraut schwerwiegende Folgen haben. Bei 140 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht der Pflanze tritt ein rascher Tod des Tieres ein. Doch wie auch beim Pferd kann die langfristige Aufnahme der Pyrrolizidinalkaloide chronische Erkrankungen hervorrufen, die zum Tode führen. Befindet sich nur ein Prozent des giftigen Krauts im Futter, tritt dieser Fall bereits nach drei Monaten ein.

Schafe und Ziegen können ebenfalls unter der Aufnahme von Jakobskreuzkraut leiden. Bei ihnen ist jedoch eine erheblich größere Menge nötig.

Von Nils Oehlschläger

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