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Wie kann der Unterricht weitergehen?

Schulabriss in Langenhagen Wie kann der Unterricht weitergehen?

Dem Gymnasium und Teilen der Integrierten Gesamtschule steht der Abriss bevor. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu lesen Sie hier.

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Der A-Trakt zwischen Gymnasium und IGS könnte nur bei einer Entkernung erhalten bleiben. Das aber ist zu unwirtschaftlich.

Quelle: Neander

Langenhagen. Welche Mängel wurden im Schulzentrum festgestellt?

In den Trakten A, C und H sind Wand- und Deckenteile nicht sachgerecht verbaut worden. Wände reichen jenseits abgehängter Decken nicht bis zur Massivdecke, sodass sich Rauchgase leicht verteilen können. Auch wurden die Deckenplatten zum Teil nicht ordnungsgemäß zusammengesetzt. Die Gebäudeteile sind überdies durch einen Kriechkeller miteinander verbunden, der mit Styropor ausge- kleidet ist. In diesem ist jedoch eine Belüftungsanlage installiert, die Frischluft von außen ansaugt. Diese Konstellation ist fatal im Falle eine Schwelbrandes.

Weshalb wurden die Schäden jetzt entdeckt?

Die Stadt hatte im vergangenen Jahr eine umfassende Analyse der Bausubstanz aller Schulen in Auftrag gegeben. Im Zuge dieser Analyse fielen den Architekten am Schulzentrum an einigen Stellen Ungereimtheiten auf. Daraufhin zogen sie mit Einverständnis der Stadtverwaltung einen Brandschutzgutachter hinzu. Nach einer ersten Begehung der Gebäude bat der öffentlich bestellte Gutachter Daniel Stürzl darum, mit Handwerkern die Gebäudeteile zu öffnen. Ein Vorgang, der zuvor nie jemandem nötig erschienen ist, da laut Unterlagen der Bau ordnungsgemäß erstellt und abgenommen worden war. Bei der zweiten Begehung wurden die jetzt beschriebenen Mängel entdeckt. In Abwägung aller Güter entschied die Stadt mit dem Gutachter in der vergangenen Woche, die Gebäude auf Sicht aufzugeben. Dabei wären der A- und der C-Trakt zwar durch eine Vollentkernung sanierbar. Dies aber wäre im Vergleich zu einem Neubau unwirtschaftlich.

Warum hat die Fehler 40 Jahre lang niemand bemerkt?

Die jetzt entdeckten Mängel sind beim Bau der Schulen entstanden. Offenbar wurden sie bei der Abnahme des Baus nicht entdeckt. Die Mängel entsprechen weder der damals erteilten Baugenehmigung noch der seinerzeit geltenden Rechtsvorschriften. Dass auch spätere Sanierungsarbeiten an der Schule die Mängel nicht früher ans Tageslicht gebracht haben, liegt laut Stadtverwaltung an der Formulierung der Aufträge. Tiefer als nötig in die Baumaterie einzudringen stand auf keinem Zettel. Eine so umfangreiche Analyse aller Langenhagener Schulen wie jetzt war politisch oft gefordert, letztlich aber nie beschlossen worden.

Ist Langenhagen ein Einzelfall?

Nein. Auch an der Albert-Einstein-Schule in Laatzen wurde in den Siebzigerjahren gepfuscht. Die Stadt Laatzen entdeckte diese Mängel 2013 zufällig bei der Sanierung von Holzdecken. Darüber waren Elektrokabel nicht brandfest angebracht worden. Auch die Treppenhäuser waren oberhalb der abgehängten Decken nicht zu Fluren und Räumen hin abgeschottet.

Darf der Unterricht jetzt weitergehen?

Ja. Die Stadt hat unverzüglich angeordnet, beispielsweise die Belüftungsanlage im Keller abzustellen. Zudem wird das Styropor dort bereits ausgebaut. Die Brandmeldeanlage im Gymnasium, die ohnehin derzeit zur Sanierung offengelegt ist, soll auf den Keller ausgeweitet werden. In der Schule werden Personen im Auftrag der Stadt als Brandwachen postiert. Zudem soll es gleich nach den Ferien Schulungen von Lehrern und Schülern geben, um sie für die Situation zu sensibilisieren. Überdies lässt die Stadt prüfen, ob der Unterricht zumindest in den Räumen im Erdgeschoss fortgesetzt werden darf. Auch der Aufbau von Gerüsten an den Außenfassaden sei eine Option, um auf diese Weise zusätzliche Fluchtwege bereitzustellen.

Was sagen die Schulleiter?

„Keine Panik.“ Wolfgang Kuschel, Rektor der IGS, lässt wie Bürgermeister Mirko Heuer und Stadtbaurat Carsten Hettwer keinen Zweifel daran, dass er sich in der Schule sicher fühlt und appelliert an alle Betroffenen, „mit der erforderlichen Gelassenheit und nüchterner Betrachtungsweise“ vorzugehen. „Selbst der eine mir bekannte Brand im Gymnasium vor einigen Jahren konnte schnell gelöscht werden, die Entleerungszeit reichte.“ Kuschel hofft auf behördlich genehmigte Ausnahmeregelungen und plädiert für die Postierung zusätzlicher Feuerlöscher in den Klassenräumen. Für Gabriele Janke ist die Nachricht eine enorme Herausforderung. Als bislang stellvertretende Schulleiterin am Gymnasium hat sie den Rektorenposten nach dem Weggang von Irene Kretschmar erst vor Kurzem kommissarisch übernehmen müssen. Janke stimmt Kuschel in der Bitte um Ruhe zu, ihr fehlen jedoch noch Informationen: Wie akut ist die Situation wirklich? Wie viel Zeit bleibt, um eine Übergangslösung zu planen? Da allein im Gymnasium 32 Unterrichts- und zwölf Fachräume wegfallen sowie sechs Räume für Unterrichtssammlungen und der gesamte Ganztagsbereich mit Cafeteria, das Archiv und der Serverraum, hofft Janke auf eine zusammenhängende Lösung. Das Gymnasium nutzt derzeit auch Räume im G- und D-Trakt, hinzu kommt die Außenstelle für die fünften und sechsten Klassen an der Friedrich-Eberhart-Schule.

Wie planen die Schulen für das kommende Schuljahr?

Ganz regulär. Denn die Zuordnung von Klassen und Lehrern sei bereits gesetzt. Kontinuität für die Schüler sei jetzt das Wichtigste. Kuschel bezeichnet den Verlust der naturwissenschaftlichen Räume als „Fiasko“, auch der drohende Umzug der Physik-, Biologie- und Chemiesammlungen treibt ihn um. Zudem steht der Zentralserver der Computervernetzung im betroffenen C-Trakt. Auch Gabriele Janke plant für das Gymnasium unabhängig von der Raumsituation, da sie davon ausgeht, „dass der Unterricht in jedem Fall stattfinden wird“.

Können die Ferien verlängert werden?

Diese Entscheidung darf nur die Landesschulbehörde treffen. Beide Schulleiter haben dort bereits angefragt, eine Antwort stand bis Redaktionsschluss aus. Überhaupt erbitten Stadt und Schulleitungen Geduld. Die Entscheidung, so früh wie möglich an die Öffentlichkeit zu gehen und damit Transparenz zu beweisen, ziehe nach sich, dass längst nicht alle Fragen bereits beantwortet werden können. Kuschel warnt jedoch vor einer Verlängerung der Ferien. Das kommende Schuljahr ist durch die Termine der Sommerferien ohnehin schon das „kürzest mögliche“. Für die Prüfungen im zehnten Jahrgang an der IGS sowie für das Zentralabitur an beiden Schulen sei ein weiterer Zeitverlust „pures Gift“. Janke stimmt dem uneingeschränkt zu und verweist auf die Landesschulbehörde. Ein späterer Beginn im September wäre „sehr ungünstig“.

Wird es Konsequenzen für die Mimuse geben?

Nein. Die Aula, die das Kleinkunstfestival während der Sanierung des Theatersaals nutzt, steht weder vor der Schließung noch als Klassenraum zur Diskussion.

Müssen andere Schulsanierungen nun verschoben werden?

Das ist möglich. Zum einen, weil das Personal der Stadt mit dem Schulzentrum jetzt mehr als ausgelastet ist. Zum anderen, weil alles miteinander verbunden ist.

Hat die Stadt genügend Geld für das, was jetzt nötig wird?

Ja. Auch wenn der Kostenrahmen derzeit mit „30 Millionen Euro aufwärts“ nur grob umrissen werden kann, sieht Bürgermeister Mirko Heuer darin das geringste Problem. Ohnehin war zum Etat 2015 bereits der Auftrag an die Stadt ergangen, am Schulzentrum nötige Neubauten zu prüfen. Das einzige, was sich daraus nun verändere, „ist, dass jetzt alles sofort nötig wird“.

Wer Raumvorschläge hat, erreicht die Stadt per E-Mail an stadtverwaltung@langenhagen.de.

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