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Zytanier trotzen dem Regen

Lehrte Zytanier trotzen dem Regen

Zum 31. Mal haben die Zytanien-Macher am Wochenende bewiesen, dass ein Open-Air keine stadienfüllenden Bands braucht, um Besucher zu locken. Sie setzten wieder auf ein genreübergreifendes Programm, bei dem jeder etwas Neues entdecken konnte.

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Die Zytanier feiern im "Weltraum" zu elektronischer Musik.

Quelle: Manuel Behrens

Immensen. Als am Sonnabendabend dunkle Wolken über dem alten Ziegeleigelände bei Immensen aufzogen, begannen einige Festivalbesucher in ihren Zelten und Rucksäcken zu wühlen. Der gesuchte Gegenstand: Gummistiefel. Gegen 20 Uhr entlud sich dann ein warmer aber heftiger Sommerregen über den rund 3000 Besuchern.

Der Campingplatz, ein brachliegender Acker, war schnell durchnässt – aber auch vom schlechten Wetter ließen sich die Zytanienfans nicht abhalten. Bis tief in die Nacht wurde gefeiert.

Denn das Festivalgelände bot wieder viele Möglichkeiten: Im überdachten Club Weltraum konnten die Besucher im trockenen der Musik lauschen, tanzen und sich der ganzen Atmosphäre hingeben. Wer den Wolkenbruch lieber in Ruhe mit einem Getränk abwarten wollte, stellte sich unter das Ziegeleigebälk. Aber es gab auch etliche Hartgesottene, die sich vom Wasser überhaupt nicht beeindrucken ließen und tanzend die Abkühlung genossen.

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So ließ die schwedische Psychedelic-Band Sienna Root in der Nacht zum Sonntag ekstatische Klangwellen von der Hauptbühne plätschern. Das kam beim Publikum gut an. Extrem ausgelassen ging es auch auf und vor der Bühne des Ongolito Ville ab: Unter Dauerbeschallung und Nebelschwaden gaben sich hier rund um die Uhr DJs mit elektronischer Musik die Hand. Doch egal, wo auf dem Zytanien-Gelände: Das bunte Publikum aus Studenten, Besuchern der ersten Stunde oder Familien mit ihren Kindern – sie alle wussten, dass sie hier für ein Wochenende in eine etwas andere Welt abtauchen.

Für Mitorganisatorin Martina Robach ist die übergreifende Entspanntheit der Festivalgänger ein Markenzeichen Zytaniens: "Es ist einfach ein friedlicher Ort", sagt die 51-Jährige. Schon an den ersten Tagen nach Ankunft der Festivalbesucher habe das Rote Kreuz zwar einige "Schnapsleichen" zu betreuen gehabt. Größere Vorfälle habe es aber nicht gegeben.

Robachs Freund, der sich Dippen nennt, hat das Gelände vor über 30 Jahren mit besetzt und ist seitdem geblieben. Für Robach gehört er  inzwischen "zum alten Eisen". Mittlerweile sind aber schon einige junge Leute auf das gelände gezogen. Einige bleiben nur ein paar Wochen - manche Jahre. "Die jungen Leute haben richtig Lust darauf, bei diesem Festival mitanzupacken", freut sich Robach. Zum Beispiel Florian Ricko. Der 25-Jährige lebt jetzt in Zytanien und ist in diesem Jahr das erste Mal Veranstalter des Festivals. Mit 30 Helfern hat er das gesamte Festival geplant und den Aufbau organisiert und tatkräftig dabei mitgeholfen. Schon vor einigen Jahren hatte er einmal die Elektrobühne Ongolito Ville betreut. "Ich hatte ein bisschen wenig Schlaf in den letzten Tagen", kommentiert er die Arbeit und Anspannung, die mit dem Festival einhergeht. Dann muss er auch schon weiter – er ist beim Festival an vielen Stellen gefragt.

"Wir hoffen, dass in nächster Zeit noch mehr junge Leute herziehen, an die wir das Zepter langsam übergeben können", sagt Robach. Eine neue Generation soll bald das Zytanien-Festival weiterführen.

Ärger mit illegalen Besuchern

Laut Festivalleitung sind in diesem Jahr weniger Gäste zum Festival gekommen als 2016. Das liege auch an der großen Zahl illegaler Besucher, die sich wieder über Zäune Zugang zum Gelände verschafften. "Wir gehen zwar regelmäßig Patrouille", sagt Martina Robach vom Organisationsteam. Aber ganz lasse sich das trotz Einsatz eines neuen Sicherheitsdienstes nicht verhindern. Immer wieder würden Verbindungsstücke zwischen den Zäunen aufgeschnitten, so dass Leute durch die Lücken auf das Gelände klettern konnten. Mit den insgesamt 3000 Besuchern ist Robach trotzdem zufrieden: Man schreibe keine roten Zahlen und das Geld reiche auch noch für die Instandhaltung des Geländes. "Das ist das Wichtigste", so Robach.

Polizei entdeckt Marihuana in kleineren Mengen

Laut Polizeihauptkommissar Alexander Hübner verlief das Festival bis zum Sonntagmorgen insgesamt "sehr ruhig". Bei den üblichen Kontrollen der ankommenden Festivalbesucher am Freitag, wurden sechs Besucher beim Autofahren unter Einfluss von Betäubungsmitteln erwischt. Dreimal entdeckten die Beamten, die auch einen Drogenspürhund dabei hatten, Beutelchen mit Marihuana in kleineren Mengen. Zudem verzeichneten die Polizisten insgesamt vier Ordnungswidrigkeiten bei der Einfahrt der Besucher - dazu zählten Telefonieren mit dem Handy während der Fahrt oder das Fahren ohne Gurt.

Von Manuel Behrens

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